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Wie der Mac früher war: Emulation von System 6 und 7

24.02.2016 | 17:31 Uhr |

Waren es wirklich gute alte Zeiten? Ob früher auf dem Mac alles besser war, lässt sich jetzt recht gut in den Web-Emulationen von James Friend nachvollziehen.

Für die Jahrgänge nach etwa 1980  ist ein leicht zu bedienendes Mac- oder iOS-Betriebssystem selbstverständlich. Auf dem Touchdisplay oder dem Mac-Monitor mit Maus, Tastatur oder auch Trackpad kommt man gut durch Apps, Ordner und Programme. Alles so schön bunt zudem, und flott und stabil sein soll es obendrein.

Der Ur-Mac startet im Browser
Vergrößern Der Ur-Mac startet im Browser

Keine Frage, der Mac war schon immer für seine bequeme und intuitive Bedienung berühmt, zumal im Vergleich zum früheren DOS-System von Microsoft. Der gerade verstorbene Umberto Eco hatte ja diese wunderbare Analogie gezogen , dass auf dem Mac alles ikonisch-”katholisch” zugehe, unter DOS mit diesen ewigen Entscheidungen habe man eher eine protestantisch-calvinistische Anmutung. 
Doch früher war auf dem Mac keinesfalls alles besser. Bekanntermaßen erblickten die Macintosh-Rechner von Steve Jobs und seinem Team 1984 das Licht der Öffentlichkeit. Um damals Menüs zu öffnen und darin zu navigieren, musste man die Maustaste gut festhalten – wenigstens gab es ja nur eine, das Konzept hatte Apple lange bewahrt.

Aufgeräumte Oberfäche
Vergrößern Aufgeräumte Oberfäche

Rechner und Programme jedoch waren teuer. Und Systemabstürze (die berühmt-berüchtigten ”Bomben”) gehörten zum Alltag eines jeden Mac-Nutzers. Die Mac-”Veteranen” wissen noch ganz genau, wovon die Rede ist. Erst das zunächst noch viel zu langsame Mac-OS X mit seinem Unix-Untergrund brachte ab 2000 nachhaltig Besserung. Obwohl auch hier ”Kernel-Panics” nicht ganz auszuschließen waren und sind.
 (Lesetipp: Atari, C64 und Co. auf dem Mac verwenden )

Damals hieß das Mac-OS einfach ”System".
Vergrößern Damals hieß das Mac-OS einfach ”System".

Wer die alten Zeiten nicht erlebt hat, kann sich wenigstens auf kostenlose und erstaunlich realistische Weise einen Eindruck davon verschaffen: über den PCE.js-Emulator von James Friend. Dieser basiert auf Emscripten , einem LLVM-zu-Java-Script-Compiler, der die Emulationen als Java-Script-Events im Browser laufen lässt. Und das ziemlich gut – der Startton, der Bootvorgang (”Welcome to Macintosh”), die Menüs und Ordner, die sich öffnen lassen. Sogar Dateien kann man umbenennen (inklusive Warnung bei Überlänge), Spiele starten und anderes mehr. (Lesetipp: Retro-Games mit OpenEmu uaf dem Mac )

Für das folgende Autospiel muss man seinen Mac gut kennen
Vergrößern Für das folgende Autospiel muss man seinen Mac gut kennen

Im Angebot sind System 6 inklusive diverser Spiele aus der damaligen Zeit. Dazu System 7.0.1 , beispielsweise mit dem ”Hacker-Tool” ResEdit, mit dem man in den Tiefen eines Programms (”Strings” und anderes) herumspielen konnte – natürlich nur auf eigene Gefahr. Oder auch System 7.0.1 mit MacPaint, MacDraw und KidPix sowie dem ”Web-Vorgänger” HyperCard   – wunderbar, um alte Zeiten aufleben zu lassen oder zu gucken, was ”die Alten” damals so auf ihren Macs getrieben haben. Natürlich hat das Ganze Grenzen – Kontrollfelder lassen sich nur eingeschränkt bedienen, Erweiterungen im Systemordner praktisch gar nicht nutzen. Dafür lässt es sich mit dem Calculator rechnen und mit dem Puzzle eine Runde spielen. Wie klein die Monitore und Ansichten damals waren, ahnt man freilich in der Emulation auch: Der Ur-Macintosh bot lediglich 9 Zoll mit einem Graustufen-Display. Auf der Site gibt es übrigens, wer sich das antun will, auch eine Emulation von Windows 3.0   – diese immerhin schon in Farbe.

Der Stern auf meinem Mac
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