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Engagiert sich Apple wieder für die Publisher?

28.02.2003 | 12:16 Uhr |

Zum zweiten Mal in zwei Jahren hat Cupertino eine Führunskraft von Adobe rekrutiert. Ein Kommentar zum Wechsel von Susan Prescott zu Apple.

München/Macwelt - Wie schon im heutigen Morgenmagazin berichtet, wechselt Susan Prescott, bislang Vice President of Produkt Management and Marketing Crossmedia Publishing bei Adobe, zu Apple als Vice President Professional Markets Marketing. Mit ihr holt sich Apple nicht nur zum wiederholten Mal Verstärkung aus den Reihen von Adobe (auch Apple Deutschland hat mit Frank Steinhoff einen Ex-Adobe-Mann auf seine Führungsposition gesetzt), sondern gibt ein deutliches Signal in Richtung der momentan ziemlich vernachlässigten professionellen Publishing-Klientel (siehe auch Xpress 6 steckt in den Startlöchern und DTP am Mac ist tot ).

Erfahrung im Umgang mit Medien und Publishing-Anwendern


Susan Prescott ist in Publishing-Kreisen eine bekannte Größe. Seit sie vor über zehn Jahren zu Adobe wechselte, hat sie dort alle wichtigen Stationen im Publishing-Bereich durchwandert und machte in den vergangenen beiden Jahren Karriere vom Director of Marketing über Senior Director of Professional Publishing Products bis zu ihrer aktuellen Position. Unter ihre Ägide fielen die Akquise und Weiterentwicklung von Framemaker und Pagemaker sowie die Einführung von Indesign.
Darüber hinaus sitzt Prescott im Führungsgremium der US-Initiative Print on Demand ( PODi ), die versucht, eine vernünftige Infrastruktur für digitale Print-Services zu entwickeln. Unterstützt wird die Initiative unter anderem von Adobe, IBM, Canon, Hitachi und Xeikon.
Auch als Apple im Sommer 2001 mit Mac-OS X sein eigenes PDF-Format entwickelte, was zu Unstimmigkeiten zwischen Apple und Adobe führte, schickte man Prescott an die Medienfront, um die Wogen zu glätten und das gute Verhältnis beider Firmen zu betonen: "Die Beziehung zwischen Apple und Adobe ist geradezu familiär", betonte sie damals. "Wir empfinden generell die Zusammenarbeit mit Apple als gleichrangige Partner als großartig und wenn Fragen aufkommen, hat Apple noch immer einen Klasse Job getan."
Darüber hinaus dürfte das argumentative Geschick, das Prescott seit der Einführung von Indesign im Herbst 1999 entwickelte um, das Adobe-Programm trotz des immer noch geringen Marktanteils als das bessere zu verkaufen, auch einer Karriere bei Apple - der Firma mit dem klassischen Anspruch, trotz geringer Marktanteile die beste zu sein - nur dienen.

Technisches Know-How in Print- und Web-Technologien


Nicht nur in der Außenwirkung, auch von ihrer Fachkenntnis her, könnte Prescott zu einer wichtigen Stimme bei Apple werden. In Ihrer Rolle als Cross-Media Verantwortliche war sie unter anderem für die Integration von Web- und Print-Publishing verantwortlich. In einem Interview mit unserer Schwesterzeitschrift Macworld im Dezember vergangenen Jahres meinte sie dazu: "Cross Media konzentriert auf die Publishing-Werkzeuge von einerseits Applikationen zum Zusammenfügen wie Indesign, Incopy, Pagemaker, Framemaker und Golive bis hin zu Postscript-Technologien....Es ist Print und Internet, was uns dazu führt, den Begriff Cross Media zu prägen." ( Lesen Sie das komplette Interview im Original auf www.macwelt.de )
Analog zur Apple-Terminologie prägt Prescott den Begriff des Cross Media Hub als Sinnbild für die Integration von Web und Print. Auch von Prescotts Erfahrung bei der XML-Implementierung in Indesign und Golive dürfte Apple profitieren.
Somit hat Apple sicherlich einen guten Griff getan, um die Reihen der DTP-Anwender, Grafiker und Designer wieder geschlossen auf Mac-Kurs zu trimmen. Es reicht jedoch nicht, diese Anwender verstärkt zu addressieren, so lange den Worten keine Produkte folgen. In diesem Sinne wünschen wir Susan Prescott viel Erfolg.
Marlene Buschbeck-Idlachemi

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