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Datenschützer fordern Erklärung von Apple - Forensik-Experte wiegelt ab

25.04.2011 | 17:56 Uhr |

Apple liest die von iPhone und iPad gespeicherten Ortungsdaten nicht aus, beruhigt ein Experte. Die Landesbehörde für Datenschutz wartet derweil noch auf eine Antwort aus Cupertino, derweil Steve Jobs alle Vorwürfe zurück weist.

iPhone Tracker
Vergrößern iPhone Tracker

Das iOS zeichnet die Ortungsdaten von iPhone und iPad auf und speichert sie in eine Datenbank , die Dritte auslesen können, wenn der Anwender fahrlässig mit seinen Daten umgeht. Während Datenschützer und Nutzer von Apple Aufklärung fordern und mit Strafen oder Systemwechsel drohen, hält ein Forensiker die Geschichte für aufgebauscht. Steve Jobs selbst bezichtigt derweil Google unfeiner Praktiken.

Bis zum 10. Mai soll sich Apple gegenüber dem Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht dazu äußern, auf welche Art iPhone und iPad ihre Aufenthaltsorte speichern und Bewegungsprofile ihrer Nutzer erstellen, erklärt der Leiter des Amtes Thomas Kranig der Süddeutschen Zeitung in einem Interview . Sollten Apples Antworten nicht im Einklang mit den Datenschutzgesetzen stehen, die etwa fordern, dass Nutzer der Geräte stets informiert sein müssen, welche Daten aufgezeichnet oder gar übertragen werden, könne die Behörde eine Strafzahlung in Höhe bis zu 300.000 Euro erheben.

Der Forensik-Experte Alex Levinson hält die Aufregung um die in der Datei consolidated.db gespeicherten und von Software wie iPhone Tracker zu Bewegungsprofilen montierbare Daten für überzogen, berichten unsere Kollegen von Macworld UK . Weder sei die Information über Speichern von Geodaten besonders neu - Levinson selbst habe schon vor Monaten darüber berichtet - noch seien die Vorwürfe zutreffend, Apple würde die Daten für sinistre Zwecke nutzen. Apple würde die Daten, die etwa Apps wie die iPhone-Kamera oder Gogole Maps über die Schnittstelle Core Location nutzen, schlicht nicht auslesen. Alasdair Allan and Peter Wardman, die auf der Konferenz Where 2.0 von O’Reilly den Stein ins Rollen brachten, konnten auch selbst nicht bestätigen, dass Apple die Aufenthaltsorte ihrer Kunden ohne deren Wissen auslese, um ihnen etwa ortsbezogene Werbung einzuspielen oder deren Bewegungsprofile zu verkaufen.

Apple zieht laut Levinson keine Daten von iPhone und iPad ungefragt von den Geräten der Nutzer, um diese auf eigenen Servern zu speichern - wer jedoch sein iPhone-Backup unverschlüsselt auf die Festplatte spielt und Dritten Zugang zu seinem Rechner gewährt, darf sich nicht wundern, wenn die Ehefrau den wahren Aufenthaltsort vom vorigen Mittwoch ermittelt.

Auch habe die von iPhone Tracker genutzte Datei consolidated.db schon vor iOS 4 exisitert, nur habe sie anders geheißen und sei auch von Forensikern schwer zu finden gewesen, widerspricht Levinson einer weiteren These von Allan und Wardman. Mit iOS 4 habe Apple Apps den Zugriff auf die APIs gewähren müssen, wenn diese im Hintergrund arbeiten. So habe die Geodatenbank also das mit iOS 4 eingeführte Multitasking als Hintergrund und nicht das ebenso vor einem Jahr vorgestellte Werbenetzwerk iAd. Anwender müssten nach wie vor jeder App den Zugriff auf die Ortsinformationen genehmigen und seien in der Lage, die Ortungsfunktionen in den Einstellungen des Geräts komplett zu deaktivieren - sollte Apple den bayerischen Datenschützern eine Antwort dieser Art zukommen lassen, dürften diese bis auf Weiteres beruhigt sein.

Laut Mac Rumors hat sich Steve Jobs bereits persönlich zu dem Thema per Mail geäußert , die er direkt von seinem iPhone versandte. Ein Leser der Site fragte Jobs per E-Mail: "Könnten Sie mir bitte die Notwendigkeit des passiven Location-tracking-Tools in meinem iPhone erläutern? Es ist etwas enervierend zu wissen, dass mein genauer Aufenthaltsort über die ganze Zeit aufgezeichnet wird. Vielleicht könnten Sie etwas Licht in die Sache bringen, bevor ich zu Google Android wechsle? Denn die tracken mich nicht."

Jobs habe nur kurz geantwortet: "Oh, doch, das tun sie. Wir tracken niemanden. Die in Umlauf gebrachte Information ist falsch."

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