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Entscheidungsfindung in Genf: ISO-Standard Microsoft Office Open XML

26.02.2008 | 13:55 Uhr |

Offen dokumentiert und frei verfügbar ist es bereits, ein Standard soll es nun doch noch werden: Microsoft verwendet in Office 2007 für Windows und Office 2008 für den Mac das Dokumentenformat OOXML.

Jetzt versucht der Hersteller in Genf erneut, das Open XML-Format auch über das eigene Büropaket hinaus als Standard durchzusetzen. In der Schweiz treffen sich sich vom 25. bis zum 29. Februar Vertreter aus 87 nationalen Standardisierungsbehörden, um den Entwurf zum ISO-Standard DIS-29500 zu diskutieren. Für Microsoft ist das innerhalb des angestrebten Schnellverfahrens die letzte Chance.

Für den Softwarehersteller aus Redmond steht einiges auf dem Spiel: Eine Reihe von nationalen Regierungen, die Europäische Union und viele Firmen setzen nur noch offen dokumentierte, herstellerunabhängige und standardisierte Dateiformate ein. Sie wollen verhindern, durch die Verwendung proprietärer Formate auf Dauer an einzelne Hersteller gebunden zu sein und zudem sicherstellen, noch nach Jahren auf ihre Dokumente zugreifen zu können. Hersteller Microsoft, im Office-Bereich unangefochtener Marktführer, muss auf diese Forderungen reagieren und hat für sein Büropaket ein neues Format eingeführt, das weitgehend die Bedingungen erfüllt. Allein mit der Standardisierung hapert es im Moment: Das von Microsoft zu diesem Zweck in die Wege geleitete Schnellverfahren ist im September 2007 ein erstes Mal gescheitert. Zwei Drittel der Delegierten nationaler Standardisierungsorgane hätten sich für den Entwurf DIS-29500 aussprechen müssen, mehr als 53 Prozent waren es vor sechs Monaten aber nicht. Nun hat die Organisation for Standardisation (ISO) gemeinsam mit der International Electrotechnical Commission (IEC) noch einmal zu Gesprächen eingeladen. Im Rahmen der letzten Abstimmung hatten Delegierte aus 37 Ländern über 4.000 Änderungsvorschläge eingereicht, in den laufenden Tagen will die private Normungsorganisation Ecma International, die die Federführung von Microsoft übernommen hat, eingearbeitete Änderungen vorstellen und bisherige Kritikpunkte abarbeiten. Presse und Publikum sind von der Tagung ausgeschlossen. Abgestimmt wird am Ende nicht, die Stimmberechtigten haben bis zum 29. März Zeit, ihre Entscheidungen zu revidieren und ein neues Urteil zu fällen. Geht die Abstimmung erneut zu Ungunsten Microsofts aus, wird das Schnellverfahren eingestellt, der Hersteller kann in der Folge aber noch einmal von vorne beginnen und eine unverkürzte Standardisierung versuchen. Bereits ein internationaler Standard ist das Open Document Format (ODF), das unter anderem von OpenOffice.org verwendet wird. Microsoft-Kritiker halten OOXML mit 6000 Seiten Beschreibung im Vergleich zur den 800 Seiten Spezifikation des Konkurrenten für zu komplex, das erschwere den Einbau in die Software von Drittherstellern. Microsoft halte sich nicht an die Empfehlungen der W3C sowie an bestehende ISO-Normen. Der Marktührer wiederum hält Kritikern seines Formats entgegen, dass es genauere Spezifikationen biete und der Nutzwert höher sei. Mit Novell hat sich Microsoft zusammengetan, um eine Übersetzungssoftware zwischen Open XML und ODF zu entwickeln - noch steht aber nicht fest, ob sie wirklich Eins-zu-eins-Kopien anfertigen können wird.

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