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Enttäuschung auf hohem Niveau

24.11.2000 | 00:00 Uhr |

In ersten Tests hat der mit einer Taktrate von 1,6 GHz ausgestattete Pentium IV von Intel die hohen Erwartungen nicht erfüllt. dennoch muss sich Apple ernsthafte Gedanken darüber machen, wie die "MHz-Lücke" zu schließen ist.

Auf dem Papier sieht es gut für den neuen Intel-Chip Pentium 4 aus. Ob er jedoch im Vergleichstest die Nase vorn hat ist offen. Mac-Anwender werden sicherlich dazu tendieren, Photoshop als Referenzanwendung zu sehen und somit sogenannten Realworld-Tests den Vorrang geben.

:In einem ersten Vergleichstest , den unser Schwestermagazin PC World vornahm, enttäuscht der neueste Prozessor aus dem Hause Intel. Im PC WorldBench 2000, der vor allem Office Anwendungen als Grundlage nimmt, erreichte das nicht den Bestwert von 180 Punkten, den ein Micron Millennia Max mit einem Athlon-1200-GHz-Prozessor erzielte. Der Dell Dimension 8100 mit einem Pentium 4-1500 erreichte 162 Punkte und lag damit sogar noch hinter einem Pentium-III-1000-Rechner von Gateway (167 Punkte).

Unsere deutsche Schwester-Publikation Tecchannel :nahm ebenfalls ein Pentium-4-System unter die Lupe und kam zu ähnlichen Resultaten. Bei den 2D-Benchmarks unter Windows 2000 lag ebenfalls ein Athlon-1200-Rechner mit einem Gesamtwert von 233 SYSmark-2000-Punkten vorn. Der beste Pentium-4-Rechner erzielte dagegen nur 210 Punkte. Der Hersteller gibt einen Wert von 205 Punkten unter Windows 2000 an.

Beide Publikationen attestieren dem Pentium 4 keinen herausragenden Geschwindigkeitszuwächse im Vergleich zu den schnellsten Pentium-III- oder Athlon-Systemen. Im 3D- und Spiele-Bereich kann sich der neue Chip jedoch sehr gut profilieren. Kompilieren die Software-Hersteller ihre Anwendungen auf dem Pentium 4, sind höhere Geschwindigkeiten des Prozessors zu erwarten. Das Potenzial des Prozessors kann man jedoch mit synthetischen Tests sehr deutlich zeigen.

Interessant sind etwa die Vergleichsresultate auf Grundlage der System Perfomance Evaluation Corporation (www.specbench.org). Die Ergebnisse der neuesten Test-Suite, der SPECmark 2000, sprechen eine klare Sprache: Im Integer-Bereich lässt der Pentium 4/1500 die Konkurrenz um mehr als 20 Prozent hinter sich zurück. Im Fließkomma-Test sind sogar bis zu 50 Prozent.

Apple bedroht

Steve Jobs und sein Unternehmen wissen, dass in den nächsten Monaten der Wettbewerb im Gigahertz-Bereich an Stärke noch zunehmen wird. Motorolas Hauptkonkurrent Intel rüstet sich nicht nur mit dem Pentium 4, sondern mit dem Itanium-Prozessor zum Angriff auf die RISC-Vormachtstellung, die Motorola so lange Zeit inne hatte. Der 64-Bit-Itanium-Prozessor wird sicherlich zunächst im Server- und High-end-Bereich zum Einsatz kommen, in diesen Markt will jedoch Apple mit seinem neuen Betriebssystem Mac-OS X ebenfalls drängen. Die dritte Kraft, AMD, schläft auch nicht. Unter der Bezeichnung Sledgehammer arbeiten die Entwickler und Designer derzeit an einem 64-Bit-Superprozessor, der dem Itanium Paroli bieten soll.

Apples Chancen, im Computer-Bereich wieder zur Performance-Spitze zurückzukehren sind geschwunden. Das Unternehmen ist derzeit auf seine Partner Motorola und IBM angewiesen, die jedoch unterschiedliche Wege gehen. Würde Apple, wie es mittlerweile häufig diskutiert wird, die Prozessorplattform zu Gunsten von Intel oder AMD wechseln, ginge dies nur zu Lasten der Kompatiblität. Das neue Betriebssystem Mac-OS X würde sich sicherlich auf die neue Plattform portieren lassen, an der Portierung des Mac-OS-X-Kerns "Darwin" arbeitet der Apple-Ingenieur Wilfredo Sanchez, für Mac-OS-9-Anwendungen würde das System jedoch eine Emulation benötigen. Die Classic-Umgebung des neuen Betriebssystems funktioniert nur auf der Power-PC-Plattform. So bleibt der Mac-Company wohl nichts anderes, als eng mit Motorola und IBM zusammen zu arbeiten. mst

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