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Erste Details zu Mac-OS X

13.05.1998 | 00:00 Uhr |

Mehr Verwirrung als Euphorie kennzeichnete die ersten Reaktionen der Entwickler auf Steve Jobs Ankündigung einer neuen Betriebssystemstrategie. Der Plan, Mac-OS und Rhapsody zu einem Betriebssystem zusammenzuführen, auf dem alle bisherigen Applikationen beider Welten laufen sollten, warf mehr Fragen auf, als Jobs beantworten konnte oder wollte. Im Laufe des Tages ließen sich einige Details klären, vieles weitere wird wohl im Laufe der Woche auf der Entwicklerkonferenz zur Sprache kommen.

Mac-OS X, Apples neues Betriebssystem

Unter der Bezeichnung Mac-OS X (zehn) bringt Apple im Spätsommer nächsten Jahres ein Betriebssystem auf den Markt, das die Stärken des derzeitigen Mac-OS (einfach zu bedienende Oberfläche, viele verfügbare Applikationen) mit der besseren Technologie von Rhapsody verbindet. Mac-OS X beruht auf dem Mach-Kernel von Rhapsody, behält aber darüber hinaus die überwiegende Anzahl der Mac-OS-APIs bei. APIs sind die Befehle, die Programmierer verwenden, um von ihren Applikationen aus mit dem Betriebssystem und der Hardware zu kommunizieren.

Rund 8000 APIs enthält derzeit Mac-OS 8. Von diesen werden 2000 unter Mac-OS X nicht mehr verwendet, statt dessen kommen einige neue hinzu. Anders als bei Rhapsody, das komplett andere APIs verwendet, müssen Programme für Mac-OS X also nicht komplett umgeschrieben, sondern lediglich die 2000 nicht mehr unterstützten APIs ausgetauscht werden. Nach Angaben Apples betrifft dies durchschnittlich 10 Prozent eines gesamten Programmcodes.

Bessere Speicherverwaltung und preemptives Multitasking

Dadurch, daß Apple die erwähnten 2000 APIs nicht mehr unterstützt, lassen sich neue Systemtechnologien in Mac-OS X implementieren, etwa eine neue Speicherverwaltung und preemptives Multtasking. Entscheidend ist auch die Tatsache, daß das gesamte Betriebssystem in Power-PC-Code geschrieben ist. Insbesondere die Speicherverwaltung ist beim derzeitigen Mac-OS alles andere als optimal gelöst. Unter Mac-OS X laufen Programme in geschützten Speicherbereichen ab, das heißt, sie können weder das Betriebssystem noch andere Applikationen zum Absturz bringen. Eine flexiblere Speicherverwaltung erlaubt es zudem, daß Programme nach Bedarf Arbeitsspeicher erhalten und dieser nicht wie derzeit vor dem Programmstart fest zugewiesen wird. Auch die Verwendung des virtuellen Speichers wird so optimiert.

Derzeit verwendet das Mac-OS noch kooperatives Multitasking, bei dem die Applikation, die gerade auf den Prozessor zugreift, diesen für andere Programme freigeben muß. Unter Mac-OS X ist dafür der Kernel, also das Betriebssystem, zuständig, das vorhandene Aufgaben sehr viel effizienter abarbeiten kann. So läßt sich erheblich schneller mit verschiedenen Programmen arbeiten.

Ein zweites Copland?

Im Kern ist Mac-OS X exakt das Betriebssystem, das Copland nie geworden ist, mit einem entscheidenden Unterschied. Apple hatte bei Copland versucht, sämtliche bestehenden APIs weiterhin zu unterstützen. Daran war die Entwicklung vor rund eineinhalb Jahren gescheitert. Steve Jobs hat diesen gordischen Knoten (neue Systemtechnologie und alte Software) nun zerschlagen und die erwähnten 2000 APIs abgeschafft. Für Entwickler bedeutet dies vergleichsweise wenig Umstellung. So war auf der Eröffnungsrede von Steve Jobs bereits Photoshop 5 auf Mac-OS X zu sehen, das stabil, wenn auch nicht schnell, lief. Nach Angaben von Adobe hatte die Umstellung gerade mal ein paar Tage gedauert. Apple selbst vergleicht die Anpassung an Mac-OS X mit der Umstellung von 68K- auf Power Macs. Für den Anwender war diese unproblematisch, und auch alle großen Softwareentwickler zogen mit. Bei der Entscheidung, welche APIs im einzelnen aus Mac-OS X herausgenommen werden, haben die Mac-Entwickler ein Mitspracherecht: Sie können noch Wünsche anmelden, wenn sie auf einzelne APIs angewiesen sind.

Letzte Neuigkeiten

Steve Jobs hatte auf seiner Keynote den Eindruck erweckt, Mac-OS X werde nur auf Power Macs mit G3-Prozessor laufen. Dies wurde kurz danach von einem Apple-Manager korrigiert. Mac-OS X soll "zunächst" auch auf anderen Macs als solchen mit G3-Prozessor laufen. Dies gab Apples Vice President Worldwide Product Marketing Phil Schiller gegenüber der Macweek bekannt. Desweiteren sagte Schiller, Quickdraw werde weiterhin die dominierende Imaging-Technologie für Apple bleiben, schloß Display Postscript in einer späteren Implementation von Mac-OS X aber nicht aus. Mac-OS X enthält laut Schiller den Mach-Kernel von Rhapsody.

Laut anderen Quellen werden Yellow-Box-Applikationen und damit für das alte Next-Betriebssystem entwickelte Programme auch auf Mac-OS X laufen. sh

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