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Update: Bugs bei OS X Mountain Lion

22.08.2012 | 17:30 Uhr |

Das Betriebssystem ist neu, aber der Rest funktioniert nicht mehr? Seit 25. Juli 2012 läuft der "echte" Test von OS X Mountain Lion. Wir haben eine Liste mit Fehlern und unangenehmen Effekten zusammengestellt.

25. Juli 2012 ist der erste Verkaufstag von OS X Mountain Lion. Oder in der Sprache der Software-Entwickler: "real world test".

Die erste Hürde haben die meisten Mac-Besitzer genommen: In den ersten Stunden nach dem Verkaufsstart gehen wie schon bei früheren Verkaufsstarts das Internet und zum Teil auch Apples Internet-Server unter der Last des mannigfachen Downloads von 4,3 Gigabyte in die Knie.

Ergebnis: Abbruch des Downloads mit der Fehlermeldung „Die Software konnte nicht verifiziert werden. Sie wurde beim Download möglicherweise beschädigt oder verändert.“ In diesem Fall sollte der Trick mit der Wahltaste beim Einkauf in Apples Online-Store helfen (siehe Randspalte auf dieser Seite), ansonsten bleibt nur der Gang zum Kundendienst für „App & Software“ ( http://expresslane.apple.com ). Apple bietet im Internet für den Mac App Store allerdings nur einige wenige Hilfedokumente an sowie den Support per E-Mail.

Wer OS X Mountain Lion auf mehreren Rechnern installieren will, sollte die automatische Installation beenden. Sprich: Sofort nach dem Download, wenn das erste Fenster des Installationsprozesses sichtbar wird, drückt man die Tastenkombination „Befehlstaste-Q“ („cmd-Q“). Denn dann kann man in Ruhe eine Sicherungskopie des Installationsprogramms anlegen, das nach dem Download im Ordner „Programme“ gespeichert ist. Wer keine Sicherheitskopie erzeugt, steht nach der Installation mit leeren Händen da: Apple hat entschieden, dass das Installationsprogramm bei erfolgreichem Wechsel des Betriebssys­tems automatisch gelöscht wird. Ohne Sicherungskopie muss man die 4,3 Gigabyte erneut laden; der Trick dazu findet sich unter der Überschrift „Wahltaste im App Store“.

Wahltaste im App Store nutzen

Wenn der Download von OS X Mountain Lion hängt oder mit einer Fehlermeldung endet, kommt der Trick mit der Wahltaste ins Spiel: Zuerst startet man das Programm App Store und prüft dort die Anmeldung im Store (rechts in der Randspalte sollte man mit Vornamen begrüßt werden). Dann hält man die Wahltaste („alt“) gedrückt und klickt oben im Fenster auf „Einkäufe“. Damit werden alle Einkäufe im App Store in einer Liste sichtbar und jeweils rechts am Ende der Zeile steht der Knopf „Laden“ oder „Installieren“. Ein Klick darauf sollte die Installationsdatei erneut auf den Mac bringen.

Der Überblick

Parallels Desktop (alle Versionen vor 7.0.15055; auch alle Versionen, die mit 6 beginnen)

Wesentliche Teile von Parallels Desktop vor Version 7.1.15055 sind mit OS X Mountain Lion inkompatibel; das Installationsprogramm von Mountain Lion entfernt diese Teile und verschiebt sie in den Ordner "Inkompatible Software". Danach lässt sich Parallels Desktop nicht mehr starten.

Optimal ist eine Aktualisierung VOR dem Umstieg auf OS X Mountain Lion. Dazu startet man Parallels Desktop und wählt den Befehl "Parallels Desktop > Nach Updates suchen". Das funktioniert aber nur mit Parallels Desktop 7; ältere Versionen lassen sich auf diesem Weg zwar aktualisieren, aber erst ab Version 7 sind diese auch kompatibel mit Mountain Lion.

Wer bereits in die Falle getappt ist, muss - nach der Anmeldung beim Parallels Kundendienst - die Aktualisierung für Parallels 7 als Download-Datei auf den Mac holen und installieren.

Parallels Desktop vor Version 7.0.15055 wird von OS X Mountain Lion deaktiviert
Vergrößern Parallels Desktop vor Version 7.0.15055 wird von OS X Mountain Lion deaktiviert

Vmware Fusion

Wie bei Parallels Desktop werden wesentliche Teile von Vmware Fusion bei der Installation von Mountain Lion in den Ordner "Inkompatible Software" verschoben. Vmware Fusion lässt sich dann nicht mehr starten. (Korrektur 26.7.2012: Ab Version 4.1.3 ist Vmware Fusion mit Mountain Lion kompatibel; siehe http://blogs.vmware.com/teamfusion/ )

Snapz Pro X

Wie bei Parallels Desktop wird ein Teil des Screen-Recording-Programms in den Ordner "Inkompatible Software" verschoben. Snapz Pro X arbeitet unter OS X Mountain Lion nicht mehr. Der Hersteller Ambrosia Software hat ein Update angekündigt.

Elgato Eyetv

OS X Mountain Lion meldet beim ersten Start, dass Eyetv auf das Adressbuch ("Kontakte") zugreifen will. Eyetv funktioniert - unabhängig davon, ob man den Zugriff erlaubt oder nicht. Update: Elgato teilt uns auf Nachfrage mit, dass dieser Zugriff nur dazu dient, bei der Produktregistrierung den Namen des Nutzers automatisch auszufüllen. Mit einer kommenden Version soll diese Abfrage entfallen.

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iPhoto

Wie bei Elgato Eyetv meldet OS X Mountain Lion beim ersten Start, dass iPhoto auf das Adressbuch zugreifen will. iPhoto funktioniert mit oder ohne Zugriffsrechte auf das Adressbuch. Wir vermuten, dass diese Abfrage für die "Fotos per E-Mail teilen"-Funktion benötigt wird.

Carbon Copy Cloner

Beim Start von Carbon Copy Cloner erhält man die Fehlermeldung, dass diese Software nicht mit OS X Mountain Lion kompatibel ist. Das Update ist allein über die Internetseite des Entwickler erhältlich ( www.bombich.com ), die eingebaute Update-Funktion von Carbon Copy Cloner funktioniert nicht.

Default Folder X

Erst ab Version 4.4.10 ist Default Folder X mit OS X Mountain Lion kompatibel - ältere Versionen der Software werden bei der Installation von OS X Mountain Lion in den Ordner "Inkompatible Software" verschoben.

Alte Umgebungen

Apple schneidet gerne „alte Zöpfe“ ab und lässt deshalb ältere Softwareumgebungen gerne weg, die nach der Ansicht in Cupertino nicht mehr zeitgemäß sind. So überrascht es nicht, dass weder die Laufzeitumgebung Java noch der Windowmanager x11 zum Serienumfang von Mountain Lion gehören. Zudem werden diese Softwarehelfer offenbar gelöscht, selbst wenn man sie vor dem Umstieg auf 10.8 im System hatte.

Wir starten Photoshop CS 3, Mountain Lions Reaktion sinngemäß: „Einmal Java installieren, bitte!“ Diese Meldung schickt uns in die Anwendung für den Mac App Store, wo jetzt alle Apple-Updates verwaltet werden. Download und Installation der Java-Umgebung klappen jedoch problemlos und auch die etwas betagte Photoshop-Version läuft nun wieder wie gewünscht.

X11 und Java fehlen (wie bei Lion) nach der Installation von OS X Mountain Lion.
Vergrößern X11 und Java fehlen (wie bei Lion) nach der Installation von OS X Mountain Lion.

Etwas ruppiger geht es bei einer anderen Software zu. Das kleine Spiel „Beep“ aus dem Mac App Store meldet beim ersten Start unter 10.8, dass wir doch bitte die alte Fensterumgebung X11 installieren mögen. Dies verwundert zwar, aber dem Wunsch kommen wir gerne nach – versuchen es zumindest. Hier klappt die Installation nicht so reibungslos. Die Seite, die das Popup öffnen soll, existiert zunächst nicht, ist inzwischen aber erreichbar . Einen offiziellen Download von X11 gibt es von Apple jedoch nicht. Stattdessen verweist uns Apple an die Seite des Projektes XQuartz , auf dem auch Apples X11-Anwendung basiert. Kaum ist der Installer von der Seite des Open-Source-Projektes durchgelaufen, schon funktioniert auch unser Spiel wieder. Apple hat mit der X11-Umgebung offenbar einfach abgeschlossen.

Die Nervereien in aufsteigender Reihenfolge

Eher zum Bereich der Ärgernisse zählen nach dem ersten Start von OS X Mountain Lion die diversen Rückfragen nach der Erlaubnis, Kontakte lesen zu dürfen.

Damit ist der Zugriff auf die E-Mail- und Adressdaten gemeint, die bisher im Programm Adressbuch gespeichert waren. Adressbuch heißt jetzt „Kontakte“ – der Rest des Programms ist identisch bis auf die dreigeteilte Darstellung mit Gruppen- und Namensliste sowie Adressdetails. Bei uns im Test verlangen die Apple-Programme iPhoto, Pages und Keynote nach Zugriffsrechten auf die Kontakte. Außerdem bitten uns die Shareware Alarms ( www.grandtotal.biz/Alarms/ ) sowie Elgatos TV-Software Eyetv um diese Rechte. Der Softwarehersteller Elgato hat inzwischen erklärt, dass es sich dabei um einen Bug handelt – ein Update der Software sei in Arbeit. Bei Pages blendet Apple einen kleinen Hinweis ein, und erklärt dort, dass die Textverarbeitung Pages die Namen aus dem Adressbuch dann in Serienbriefe und andere Formulare einfügen kann.

Um- und Eingewöhnen notwendig

Jeder arbeitet anders mit dem Mac und die über die Jahre antrainierten Befehlsreflexe brauchen etwas Zeit, um sich an Änderungen anzupassen.

Das beginnt bei der Scroll-Bewegung: Wer direkt von Mac-OS X 10.6 auf OS X Mountain Lion wechselt, wird wahrscheinlich als erstes die Systemeinstellungen aufrufen und den Bereich Maus oder Trackpad öffnen. Dort findet sich die Einstellung „Beim Benutzen von Gesten zum Scrollen oder Navigieren wird Inhalt in diese Richtung bewegt.“ Sie entscheidet darüber, ob man sich zum Beispiel in Safari mit zwei Fingern auf dem Trackpad nach oben oder unten bewegen muss, um auf einer Web-Seite nach unten zu scrollen.

Wer seit Jahrzehnten den Mac nutzt (aber kein iPhone, iPod oder iPad), wird diese Option zur Scroll-Richtung wahrscheinlich ausschalten. Wer sich aber an die Fingerbewegung auf den Mobilgeräten gewöhnt hat, sollte die Option eingeschaltet lassen.

Mail startet bei uns im Test – nach der notwendigen Umstellung der internen Datenbank – immer mit einer dreigeteilten Ansicht im Querformat: Ganz links stehen die Postfächer, in der Mitte die Liste der E-Mails im jeweiligen Postfach und rechts die Detailansicht der ausgewählten Nachricht.

Wer zurück zur zweispaltigen Darstellung mit Postfächern und E-Mail-Listen will (die ausgewählte Nachricht wird dann mit der Eingabetaste in einem zusätzlichen Fenster angezeigt), zieht am besten die Trennlinie zwischen Liste und Detailansicht mit Schwung nach rechts. Das reduziert die Darstellung dauerhaft auf Postfächer und Listenansicht.

Verschwundene Dinge wie RSS

Der Browser Safari hat mit dem Update auf OS X Mountain Lion gleich zwei Funktionen verloren: Das Fens­ter „Aktivität“ und die Lesefunktion für RSS-Nachrichten. Ersteres war nützlich, um beispielsweise auf Youtube die exakte Internet-Adresse eines Films zu ermitteln. Mit den verschwundenen RSS-Nachrichten (deren Lesezeichen sich in einem Ordner bündeln ließen) hatte man vor OS X Mountain Lion einen sehr schnellen Nachrichtenüberblick, dessen Auswahl man selbst beeinflussen konnte. Da die RSS-Nachrichten auch aus Mail verschwunden sind, muss man unter OS X Mountain Lion zu einer Zusatzsoftware greifen, um RSS-Nachrichten zu empfangen und zu speichern. Empfehlenswert sind unter anderem Netnewswire ( http://netnewswireapp.com/mac ) und Newsbar RSS Reader.

TIPP Wer die RSS-Nachrichten in Mail oder Safari abonniert hatte, kann die Liste der Server-Adressen dafür unter OS X Mountain Lion mit einem Befehl im Dienstprogramm Terminal ermitteln:

pubsub .list .client .com.apple.mail
pubsub .list .client .com.apple.safari

(mehr Informationen daz auf Macwelt Online unter www.macwelt.de/1540931 )

Überraschungen in der Cloud

In iCloud hat Apple einige Stolperfallen eingebaut. Die erste ist der Schalter „Dokumente & Daten“, der in den Systemeinstellungen im Bereich „iCloud“ sichtbar ist. Ist diese Option deaktiviert, gibt es zwar den Hinweis auf iCloud, zum Beispiel beim ersten Start von Pages 9.2, doch in den Fens­tern zum Öffnen und Sichern von Dokumenten fehlt oben der Schalter, mit dem man zwischen einem Zugriff auf die Festplatte des Mac „Lokal“ und iCloud wechselt.

Die zweite erheblich größere Falle ist eine Unterteilung, die hinter den Kulissen die Dokumente bei iCloud in einzelne Unterordner sortiert: Speichert man ein Bild mit Vorschau bei iCloud, lässt sich dieses Bild nur mit Vorschau wieder öffnen. In iPhoto oder Pages hat man keine Möglichkeit, dieses Bild von iCloud zu laden.

Umgekehrt gilt, dass man ein einmal bei iCloud gespeichertes Dokument auch nur mit dem ursprünglichen Programm wieder von iCloud löschen kann. Wenn die 200seitige Magisterarbeit fertig gestellt ist, sollte man daran denken, das dazu gehörige Pages-Dokument vom iCloud-Server zu löschen, um damit den Speicherplatz für andere Dokumente frei zu machen.

Ein krude Überraschung erlebt man zum Beispiel in Mail, wenn man ein Dokument als PDF-Datei „druckt“ (Befehl „Ablage > Drucken“, dann links unten auf den Knopf „PDF > Als PDF sichern“). Wer in den Sys­temeinstellungen von iCloud die Option „Dokumente & Daten“ aktiviert hat, kann dieses PDF dann bei iCloud speichern. Doch es ist später weder mit Mail noch einem anderen Programm sichtbar und lässt sich ohne weiteres auch nicht mehr vom iCloud-Server löschen.

Um ein Dokument von iCloud zu löschen, startet man das Programm (hier: Vorschau), mit dem man das Dokument dort gespeichert hat, ruft dort den Befehl „Öffnen“ auf und hält dann die Control-Taste („ctrl“) gedrückt, während man auf das Symbol des Dokuments klickt – ein weiter Weg.
Vergrößern Um ein Dokument von iCloud zu löschen, startet man das Programm (hier: Vorschau), mit dem man das Dokument dort gespeichert hat, ruft dort den Befehl „Öffnen“ auf und hält dann die Control-Taste („ctrl“) gedrückt, während man auf das Symbol des Dokuments klickt – ein weiter Weg.

SVN-Stress für Entwickler

Eine der unangenehmeren Überraschungen für Software- und Web-Entwickler ist die fehlende SVN-Ins­tallation. Vor OS X Mountain Lion enthielt jedes Mac-Betriebssystem die Client-Variante der Subversion-Software. Subversion ist Unix-Software, die relativ häufig für Versionskontrollserver genutzt wird. Eine Nachinstallation von SVN ist mit der kostenlosen Installation der Mac-Entwicklersoftware Xcode machbar, doch ist das mit einem Download von 1,46 GB verbunden und bringt außerdem nur Version 1.6.18 von Subversion. Die aktuelle Version 1.7.6 (Stand: Ende August 2012) ist nur über http://subversion.apache.org erhältlich, doch die Übersetzung mit Xcode bricht mit einem Fehler ab.

Eindeutiger Fehler bei "Sichern unter"

Wer die Wahltaste („alt“) gedrückt hält und zum Beispiel in Numbers das Menü „Ablage“ öffnet, erhält den Befehl „Sichern unter“ zurück, der seit OS X Lion dem Befehl „Duplizieren“ zum Opfer gefallen war

In allen Programmen aus Apples Office-Paket iWork sowie bei Vorschau lässt sich so mit der Wahltaste zwischen „Duplizieren“ und „Sichern unter“ wechseln.

Als eindeutiger Fehler aber wirkt auf uns die Gesamtwirkung des Befehls „Sichern unter“: Wer ein Dokument öffnet und dort etwas ändert, erlebt nach dem Aufruf dieses Befehls eine Überraschung: Das Dokument wird mit einem neuen Dateinamen (und falls gewünscht: in einem anderen Ordner) gesichert. Anschließend bleibt im jeweiligen Programm nur noch das Dokument mit neuem Namen geöffnet.

Gleichzeitig aber werden alle Änderungen ebenfalls im Ausgangsdokument gesichert. Das Ergebnis sind also zwei identische Dokumente. Nur im Ausgangsdokument aber kann man mit dem Befehl „Ablage > Zurücksetzen auf“ zum vorigen Stand des Dokuments zurückwechseln. In der zweiten Fassung, die mit dem Befehl „Sichern unter“ erzeugt wurde, geht das nicht.

Nachtrag: Wir haben diesen Artikel zuletzt am 26.7. mit neuen Informationen zur Adressbuchabfrage und zu X11 aktualisiert

Nachtrag 2: Wir haben diesen Artikel zuletzt am 22.8. mit Details zu inkompatibler Software und zu den Nervereien ergänzt.

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