876756

Erster Blick auf Acrobat 5 Beta

12.03.2001 | 00:00 Uhr |

Die Optimierung des Bestehenden stand für Adobe offensichtlich bei der Überarbeitung von Acrobat im Mittelpunkt. Dass dabei auch so positive Neuerungen wie ein Textexport und ein verbesserter Grafikexport herausspringt, sollte Gelegenheits-Akrobaten und Profis erfreuen.

Von Walter Mehl

Acrobat ist ein Werkzeug für jedermann, sagt Adobe. Angefangen beim Briefschreiber, der seine Verse schön aufbereitet an die Lieben in aller Welt schicken will, über Unternehmen, die Unterlagen im Firmenstil präsentieren wollen bis hin zum Grafiker oder Layouter, der seine Arbeit in einer Acrobat-Datei (PDF, Portable Document Format) zusammenfasst und an die Druckerei weitergibt. Dass diese und andere Szenarien heute mit Acrobat 4 allzuoft an der hochkomplizierten Konvertiersoftware Acrobat Distiller oder am unübersichtlichen Editor Acrobat scheiterten, steht auf einem anderen Blatt. Doch laut Adobe hat man viele dieser Probleme erkannt und wolle deshalb Acrobat 5 für Laien und Profis einfacher und zuverlässiger machen.
Um es gleich vorweg zu sagen: Einfach zu bedienen sind Adobes PDF-Werkzeuge noch immer nicht. Denn die nett gemeinte Anpassung an Microsoft Office mit den bunt bebilderten Symbolleisten hilft bestenfalls einen Überblick über die vorhandenen Werkzeuge zu gewinnen, doch für deren virtuosen Handhabung braucht es noch immer viel Hintergrundwissen. Für Anfänger schmerzlich dürfte zum Beispiel der Verlust von Acrobat PDF Writer sein, jenem Druckertreiber, mit dem man bisher ohne komplizierte Rückfragen PDF-Dateien einfach "drucken" konnte.
Zur Konvertierung nutzt man statt dessen Distiller, jene Software die jetzt stillschweigend auch neue Optionen des PDF-Formates mitliefert. Seit November vergangenen Jahres erzeugt zum Beispiel das Grafikprogramm Illustrator 9 PDF-Dateien mit transparenten Objekten, eine Funktion, die erst durch den PDF-Standard 1.4 möglich wird. Mit Acrobat 5 liefert Adobe ein passendes Import-Plug-in für Photoshop aus, dass es erlaubt, solche Transparenzen beim Export zu erhalten. Hinzu kommen weitere praktische Neuerungen wie XML-Einsprengsel (Extensible Markup Language) in der PDF-Datei, die den neu eingebauten Textexport aus Acrobat verbessern. Enthält eine PDF-Datei die korrekten Markierungen (auf Englisch "Tags" oder "tagged PDF"), sieht man in Exportdatei statt einzelner Zeilen die zusammengehörigen Textabsätze. Überprüfen lässt sich das im Moment nicht, da die uns zur Verfügung stehende Beta-Version von Acrobat 5 nur leere Textdateien im RTF-Format exportiert.
Bilder lassen sich künftig in den drei Formaten TIFF, JPEG und PNG exportieren, auf Wunsch speichert Acrobat sogar ganze Seiten aus der PDF-Datei in einem dieser drei Bildformate. Erfreulicherweise stimmen dabei die Farben wesentlich besser als bisher, da Adobe das Farbmanagement in Acrobat 5 auf das Niveau von Illustrator 9 beziehungsweise Photoshop 6 gebracht hat. Überfüllungen bleiben bei der Übernahme der Daten aus diesen beiden Programmen erhalten, dazu passend liefert Acrobat eine Voransicht der Überfüllungen auf dem Monitor oder simuliert diese Drucktechnik auf einem Farbdruckern, was laut Adobe auch auf herkömmlichen Tintenstrahldruckern ohne Postscript-Interpreter funktionieren soll.
Wer die PDF-Dokumente nicht drucken, sondern an Dritte weiterschicken will, bekommt mit der 128-Bit-Verschlüsselung der Dateien neue Schutzmechanismen an die Hand. Das geht soweit, dass man sich via Internet mit einem Webbuy-Server in Verbindung setzen kann, um die Rechte für den Zugang zu einer geschützten Dokumente zu kaufen. Den Inhalt eines PDF-Dokuments zu ändern, lässt sich auf Felder oder Kommentare beschränken, im Extremfall darf der Leser das Dokument lediglich mit einer digitalen Unterschrift abzeichnen. Die Druckausgabe eines Dokumentes lässt sich auf eine Variante mit Bildern in niedriger Auflösung beschränken. Alle diese Rechte kann man mit Acrobat 5 sogar von Empfänger zu Empfänger variieren - allerdings braucht man dazu vorher die X.509-Zertifikate der jeweiligen Personen, die man aber praktischerweise direkt in Acrobat erzeugen kann. Wenn also alle Empfänger einer Datei Acrobat 5 oder ein anderes X.509-kompatibles Sicherheitssystem besitzen, lassen sich die Schutzmechanismen sehr präzise einstellen.
Arbeitsgruppen können künftig PDF-Dokumente parallel kommentieren und die Anmerkungen über einen zentralen Server allen Beteiligten zugänglich machen. Auf dem Mac braucht es dazu entweder einen Internet-Server mit Web-DAV-Protokoll (Web Distributed Authoring and Versioning) oder einen für alle zugänglichen Ordner auf einem Fileserver. Wer die Vollversion von Acrobat sein eigen nennt, kann im Web-Browser Kommentare oder eine digitale Unterschrift zu einer PDF-Datei hinzufügen. Da Adobe verstärkt Javascript in Acrobat nutzt, lassen sich in PDF-Dokumenten mit Formularfeldern die Eingabe überwachen. Damit sollen laut Adobe einfache Prüfroutinen möglich sein, aber auch kompliziertere Aktionen, mit der man Teile eines Formulars abhängig von den Eingaben in den Feldern ein- oder ausblendet. Diese neuen Möglichkeiten sollte man allerdings mit Vorsicht genießen, da Javascript im Verdacht steht, auch als Programmiersprache für zerstörerische Attacken zu dienen. Acrobat hat keine eigene Prüffunktion für Javascript-Programme, in den Voreinstellungen lässt sich lediglich bestimmen, ob Javascript aktiviert ist oder nicht.
Acrobat 5 behebt damit einige der alten Missstände, doch längst nicht alle. Ein nettes Beispiel lieferte Sarah Rosenbaum, die Produktmanagerin für Adobes digitale Büchersparte Epaper: "Nein, die für die Massenproduktion nötigen Beschnittzeichen am Rande von Dokumenten lassen sich mit Acrobat 5 nicht einfügen. Wir empfehlen, dafür das Dokument in Adobe Indesign zu öffnen und dort die Markierungen hinzuzufügen." Doch dafür hat Adobe gute Erweiterungen wie den Text- und Grafikexport eingebaut und sogar den kostenlosen Acrobat Reader aufgepeppt, der die Vorschaubilder auf die Dokumentseiten selbst berechnen kann. Zusammen mit den neuen Teamarbeitsfunktionen und dem kostenlosen PDF-Reader für Palm-Minicomputer ergibt das ein erfreuliches Bild vom Acrobat-Update.

0 Kommentare zu diesem Artikel
876756