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Erster Blick auf Mac-OS 8.1

15.12.1997 | 00:00 Uhr |

Die Nachlieferung kommt: Apple hat Mac-OS 8.1 fast fertiggestellt und liefert damit das neue Dateisystem "HFS Plus" aus. Grund genug, eine Festplatte zu formatieren und auch die anderen Neuerungen zu testen.

Mac-OS 8.1 wird kostenlos über Internet erhältlich sein, so lautet Mitte Dezember die Auskunft von Apple Deutschland. Modem-Besitzer sollten dennoch nach anderen Beschaffungswegen Ausschau halten: Die uns vorliegende englische Vollversion ist tatsächlich ein ausgewachsenes Installationsprogramm von 150 MB - macht bei einer durchschnittlicher Transferrate von 2 KB/s rund 21 Stunden Ladezeit. Das Update von 8.0 auf 8.1 wird immerhin noch rund 13 MB Daten umfassen, unter Umständen rentiert sich also der Kauf der (wahrscheinlich) billigen Update-CD.

Wer das neue Dateisystem auf seiner Platte haben will, muß alle Daten sichern, da das Formatierprogramm "Laufwerke konfigurieren" die Festplatte komplett löschen muß, um "HFS Plus" einzuspielen. Das bedeutet zusätzliche Schwierigkeiten für alle Clone-Besitzer beziehungsweise Eigentümer einer nachträglich eingebauten Festplatte: Weder der eine noch der andere Massenspeicher findet Gnade vor Apples Formatierprogramm. HFS Plus bekommt man in diesem Fall nur mit einem Formatierprogramm von einem Dritthersteller, die entsprechenden Updates sollten bei Erscheinen dieser Macwelt Anfang Januar 1998 auf den Markt kommen.

HFS Plus verlangt nach einem Power-Mac

Gewohnt sorgfältig verweist das Formatierprogramm gleich am Anfang, daß eine HFS-Plus-formatierte Festplatte nur von einem Power-Mac als Startvolume genutzt werden kann. Der Grund ist einfach: Der Treiber sitzt auf der Festplatte selbst und nicht wie bei älteren Macs üblich in einem Speicherbaustein auf der Hauptplatine.

Ein kurzer Blick in das Informationsfenster zu der frisch formatierten Festplatte zeigt den Erfolg der Maßnahme: Unter dem Punkt findet sich die Angabe "Mac-OS Extended Format". Als wir den ersten Testordner auf die Festplatte kopieren, wird einer der wesentlichen Vorteile von HFS Plus sofort deutlich: Ein Ordner mit 533 kleinen Dateien, die zusammen nur rund 22 MB umfassen, belegt unter Mac-OS 8 über 33 MB.

Die Platzverschwendung liegt an der starren Einteilung des Plattenplatzes in Blöcke: Das bisher verwendete Dateisystem HFS teilt jede Festplatte in maximal 65536 Blöcke mit fester Größe ein. Auf einer 2-GB-Festplatte ist ein Block also 32 KB groß. Da HFS für jede Datei wenigstens einen Block auf der Festplatte reservieren muß, sind vor allem kleine Dateien echte Platzverschwender: Eine 2 KB große Email belegt mit HFS auf der beschriebenen Festplatte eben einen 32 KB großen Block - 30 KB bleiben leer.

Ganz anders mit HFS Plus. Das Dateisystem kann wesentlich mehr Blöcke verwalten, und damit kleine Dateien in kleinen Blöcken unterbringen. Das Ergebnis zeigt sich sofort an dem eingangs erwähnten Ordner mit 533 kleinen Dateien: Statt 33 MB wie bei Mac-OS 8 belegt der Ordner bei Mac-OS 8.1 nur noch 22 MB.

Bei näherer Untersuchung zeigt sich dann, daß das neue Dateisystem nicht unbedingt schneller als das bisher verwendete ist: Nur bei einem Mix relativ großer Dateien und Programmen ergeben sich Geschwindigkeitsvorteile, als wir einen Ordner duplizieren. Als wir einen gut gefüllten Zeichensatzordner mit 364 Dateien duplizieren, geht eine HFS-Festplatte um fünf bis zehn Prozent eher durchs Ziel als dieselbe Platte mit HFS Plus. Dabei sollte man sich aber nicht zu voreiligen Schlüssen verleiten lassen: Im Test stand eine Vorab-Version, deren Programmcode, vor allem für das neue Dateisystem, wahrscheinlich noch verändert wird.

Und nach einem Neustart sind alle Daten weg

Als wir anschließend den Testrechner mit Mac-OS 8 neu starten, gibt es eine weitere Überraschung: Die HFS-Plus-Festplatte mit allen Testdaten erscheint im Finder von Mac-OS 8 leer, lediglich eine einsame Simpletext-Datei zeigt sich im Ordnerfenster. Doch deren Name hilft die Panik überwinden: "Where have all my files gone?" (Wo sind meine Dateien geblieben?)

In der Datei findet sich ein erläuternder Text, der darauf hinweist, daß die Daten auf der Festplatte weiter vorhanden und nur mit Mac-OS 8 unsichtbar sind. Um wieder an die Daten zu kommen, muß man den Rechner lediglich mit Mac-OS 8.1 neu starten.

Mit Mac-OS 8.1 kommt eine neue Version von PC Exchange, die laut Peter Lowe, Apple-Produktmanager für das Mac-OS, Macianer freien Zugang zu den langen Dateinamen von Windows 95 gibt. Intern kann das Mac-Dateisystem selbst mit Namen mit maximal 255 Zeichen umgehen, allerdings protestiert der Finder in der uns vorliegenden Fassung noch gegen eine Bezeichnung mit mehr als 32 Zeichen.

Die DVD-Laufwerke können kommen

Mangels eines DVD-Laufwerkes bleibt uns eine andere Neuerung von Mac-OS 8.1 vorenthalten: Der Mac kommt ab sofort auch mit DVD-Scheiben zurecht, jenem neuen Speichermedium, das eines Tages die Nachfolge der CD-ROM antreten soll und bis zu 4,7 GB Daten speichern kann. DVDs haben ein eigenes Dateiformat "UDF", dessen Treiber im Mac-OS 8.1 eingebaut sind. Die entsprechende Hilfsdatei "UDF Volume Access" findet sich im Ordner Systemerweiterungen.

Internet-Server freuen sich auf Open Transport 1.3

Fast unbemerkt ist Apples Netz-Basissoftware "Open Transport" zu neuen Weihen aufgestiegen: Die Version 1.3 versteht mit mehreren Internet-Adressen für einen Rechner umzugehen, so daß ein Internet-Server mit Mac-OS 8.1 verschiedenen Firmen als Aushängeschild im World Wide Web dienen kann. Soll heißen: Mac-Internet-Server haben damit die gleichen Leistungsmöglichkeiten wie wesentliche teurere Unix-Maschinen.

Zu erwarten ist, daß Apple die Netz-Software gegen eine soeben bekanntgewordene Angriffsmöglichkeit immun machen wird. Hacker haben einen Weg gefunden, ein Datenpaket im Internet so zu manipulieren, daß der damit attackierte Server glauben muß, das Paket stammt von ihm selbst und benötigt dringend eine Antwort an ihn selbst ("Land-Attack"). Das Ergebnis ist eine Endlosschleife, die den Server lahmlegt. Als anfällig für diese Angriff haben sich bisher viele Internet-Server gezeigt, selbst die als ausfallsicher geltenden Paketverteiler (Router) des Herstellers Cisco lassen sich mit dieser Methode außer Gefecht setzen.

Fazit

Mit einer gewissen Freude durften wir feststellen, daß Apple einige wirklich lästige Fehler von Mac-OS 8 beseitigt hat. Aus den Schubladenfenstern am unteren Bildschirmrand lassen sich bei Mac-OS 8.1 Dateien per Kontextmenü kopieren, ohne daß der Rechner abstürtzt. Zusammen mit dem neuen Dateissytem und kleinen Freuden wie dem renovierten Umgebungsassistenten, ist das 13 MB Update empfehlenswert. Man sollte sich also schon jetzt Gedanken machen, wie dieses Installationsprogramm auf die heimische Platte kommt.

wm

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