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Erster Blick auf Photoshop Elements

06.02.2008 | 12:45 Uhr |

Noch gar nicht zu bekommen - aber schon ausgezeichnet: Nach Monaten des Hinhaltens wird Adobe im Frühling Photoshop Elements in Version 6 auch für Mac-Anwender anbieten, auf der vergangenen MacWorld Expo stellte der Software-Hersteller den "Lückenfüller" zwischen Apples iPhoto und dem "großen" Photoshop CS3 vor.

Beta-Versionen hat Adobe bereits an Software-Entwickler und Journalisten verteilt - und verzichtet auf die sonst übliche Verschwiegenheitsvereinbarung. Glück für uns, denn so können wir einen genaueren Blick auf Photoshop Elements 6 für den Mac werfen.

Einen der begehrten Best of Show-Awards hat sich Adobe mit der neu für den Mac vorgestellten Version Photoshop Element 6 genauso sichern können wie den MacObserver-Award zur diesjährigen MacWorld Expo in San Francisco. Mit reichlich Vorschusslorbeeren wird Hersteller Adobe voraussichtlich Ende März auch in Deutschland den Verkauf der Bildbearbeitung starten und positioniert sich bei einem Preis von knapp 93 Euro in einem Feld, auf dem sich bereits Apples iPhoto und Low-cost-Bildbearbeitungen wie Pixelmator tummeln. Adobe will mit Photoshop Elements besser in der Bildorganisation sein als Apples iPhoto und macht bei der Bildbearbeitung Anleihen bei dem großen Bruder Photoshop CS3.  

Von 4 auf 6: PSE6 ist Intel-optimiert

Seit wenigen Tagen nun sind an die Fachpresse Beta-Versionen von Adobe Photoshop Elements 6 für Mac (PSE6) unterwegs. PSE6 liegt erstmals als Universal Binary vor und ist damit - wie die Creative Suite 3 - für Intel-Macs optimiert. Die Portierungsarbeiten haben sich auch in den vergangenen Versionsbezeichnungen niedergeschlagen: Während für die Windows-Welt ein Photoshop Elements 5 von Adobe angeboten wurde und dort auch die Version 6 bereits verfügbar ist, haben die Mac-Anwender seit Version 4 warten müssen und gar befürchtet, PSE würde für die Mac-Plattform gänzlich eingestellt werden. Nicht ohne Grund: Apples iPhoto zum Bearbeiten und Organisieren von Digitalbildern hat sich in den vergangenen Jahren im Funktionsumfang deutlich verbessert und damit dem Pionier im Bereich Bildbearbeitung auch Marktanteile bei den Privatanwendern streitig gemacht.  

Installation:Adobe Bridge ist mit dabei

Die Installation von PSE6 belegt auf unserem Testsystem, einem PowerBook G4 1,5 GHz mit 1,25 GB RAM, inklusive der rund 700 MB an Beispieldaten insgesamt 2,2 GB Festplattenplatz inklusive der CS3-Version von Adobe Bridge. Gemächlich schreitet die Installation voran, nach etwas mehr als einer Viertelstunde ist Photoshop Elements einsatzbereit - und zeigt sich bereits deutsch lokalisiert und in der von Lightroom bekannten dunkelgrauen Optik. Wer sich mit den Vorgängerversionen auskennt, findet sich auch in der neuen Version schnell zurecht, Photoshop-Profis staunen, wie viele Funktionen der kleine Bruder besitzt. PSE6 benötigt einen Mac ab PowerPC G4 und mindestens Mac OS X 10.4.8 und ein halbes Gigabyte an Arbeitsspeicher - empfehlenswert ist die doppelte Menge.  

Neue Features: Assistenten lehren Basis-Wissen

Eine der größten Neuerungen in PSE6 richtet sich an den noch ahnungslosen Einsteiger, der zwar ein Bild bearbeiten will, aber nicht weiß, wie er damit anfangen soll. Ein Assistent versteckt sich am rechten Rand des Fensters unter dem Reiter "Bearbeiten", er arbeitet die notwendigen Schritte mit dem Anwender gemeinsam ab. Soll der Hautton verbessert, sollen Belichtung und Beleuchtung verbessert oder Kratzer von eingescannten Bildern entfernt werden? Der Assistent geleitet den Neuling durch die entsprechenden Funktionen und ermöglicht so eine steile Lernkurve. Typische Aufgaben wie das Entfernen von verblitzten roten Augen gelingen mit PSE6 deutlich feiner als etwa bei iPhoto, hier wirkt sich die Stärke vom "großen" Photoshop positiv aus. Das gilt auch für die Möglichkeit, aus mehreren Fotos ein Bild zu montieren, in dem tatsächlich alle Personen mit offenen Augen in die Kamera blicken, auch wenn im Ausgangsmaterial stets irgendwo ein "Störer" dabei war. Photomerge heißt diese Funktion, mit der auch mehrere Einzelaufnahmen zu einem Panorama zusammengesetzt werden können und - wer Spaß daran hat - kann aus zwei Gesichtern eines zaubern.  

Verbesserte Korrekturen

Etwas mehr an den fortgeschrittenen Anwender richten sich die zahlreichen manuellen Einstellmöglichkeiten. So können auch PSE6-Anwender etwa mit Farbkurven arbeiten, sind allerdings nicht so flexibel wie die Bildbearbeiter mit Photoshop CS3: Farbkurven kann der Anwender nur über vier Schieberegler einstellen und diese auch nicht abspeichern. Im Übrigen fehlt PSE6 auch der Vierfarbmodus CMYK, für den Prepress-Bereich eignet sich die elementare Version also nicht. Allerdings besitzt PSE6 umfangreiche Ebenenkontrollen, was das Gestalten von Fotokunstwerken deutlich flexibler macht. Gerade für Besitzer günstiger Digitalkameras interessant sind die Korrekturmöglichkeiten von Objektivfehlern: Im extremen Weitwinkel- oder Telebereich sind Fotos an den Rändern häufig verzeichnet (Abschattungen, Tonneneffekte), Photoshop Elements bietet hier neue Werkzeuge zur Korrektur und führt den Anwender wenn gewünscht durch die notwendigen Schritte. Wenn der Schnappschuss sonst gelungen ist, kann PSE6 stürzende Linien entfernen und dem Bild ein natürlicheres Aussehen geben.  

Ein bisschen iPhoto auch in PSE6

Fast selbstverständlich ist die Unterstützung von Kamera-Rohdaten, dem verlustfreien RAW-Format, das allerdings auch höhere Anforderungen an die Prozessorgeschwindigkeit stellt. Insgesamt zeigt sich - ohne dass wir aufwändige Benchmarks durchgeführt haben - PSE6 auf einem G4-PowerBook zügig in seiner Arbeit und lässt iPhoto 6 langsam aussehen. Nicht testen konnten wir die Zusammenarbeit mit dem Apple-Programm, der Hersteller verspricht aber für die finale Version Zugriff auf die iPhoto-Bibliothek. Und um an digitalen Bildern ähnlich zu verdienen wie Apple, integriert auch Adobe in PSE6 die Möglichkeit, Abzüge, Fotobücher und Collagen bei Kodak zu bestellen. Kostenlos sind das Erstellen von Bildergalerien für die eigene Homepage und die Gestaltung von CD- und DVD-Covern.  

Ab Ende März: 30 Tage testen

Wer die zahlreichen Profi-Features von Photoshop schätzt und einige davon auch für den Hausgebrauch nutzen möchte, ohne den hohen Preis für das "Original" zahlen zu wollen, sollte sich Photoshop Elements 6 ab Ende März genauer ansehen, Adobe bietet eine 30-Tage-Testphase an. Gleiches gilt für alle Digitalfotografen, denen Apples iPhoto nicht genügend Bearbeitungs-Funktionen bietet. Mit 93 Euro ist PSE ein wenig teurer als Apples iLife-Paket, in dem sich iPhoto befindet, und fast doppelt so teuer wie der Bildbearbeitungs-Newcomer Pixelmator. Dafür bietet PSE6 aber auch mehr Korrekturwerkzeuge, die sogar einen Handy-Schnappschuss zu einem recht passablen Foto hinbiegen können - und das in vielen Bereichen mit nur einem Klick.

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