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Erster Blick auf iTunes 8

15.09.2008 | 10:01 Uhr |

Die neue iTunes-Version 8 ist ein Genie, wenn es um das automatische Zusammenstellen von Playlisten geht. Doch den Versionssprung vor dem Komma rechtfertigt eine Vielzahl von Neuerungen.

Apple hat auch die Navigation weiter entwickelt und neue Ansichten hinzugefügt. Und wer schließlich genau hinsieht, entdeckt eine Vielzahl von Neuerungen im Detail, die es sich lohnt kennen zu lernen.

Zauberhaftes Genie

Die spektakulärste Neuerung in iTunes 8 ist die Genius-Funktion. Sie findet sich in der linken Seitenleiste unter den Wiedergabelisten, prominent hervorgehoben als erster Eintrag. Wer ihn anklickt, der muss zunächst eine Prozedur über sich ergehen lassen, die je nach Größe der Musiksammlung nur wenige Minuten dauern kann oder eine ganze Stunde. Nachdem man den Vertragsbedingungen zugestimmt hat, passiert folgendes: iTunes anaylsiert die komplette Musikbibliothek und sendet die Daten zu einem zentralen Server, auf dem sie gespeichert und verarbeitet werden. Während der Vorstellung der neuen Software hat Steve Jobs mehrfach betont, die Daten würden anynomisiert versendet und Apple gehe sorgsam damit um. Einen iTunes-Account benötigt man dennoch, um Genius zu nutzen. Einmal eingerichtet, lässt sich die Funktion überall in iTunes 8 mit einem Klick mit der rechten Maustaste auf einen Musiktitel wählen, im Kontextmenü findet sich der Befehl Genius starten. Umgehend sucht die Software nach Musik, die sich ähnlich anhören soll wie der ausgewählte Titel. Genius arbeitet dabei nicht mit jedem Titel zusammen, am besten kann die neue Funktion mit Musik umgehen, die es im iTunes Store auch zu kaufen gibt. Hinter Genius steckt eine Idee, die Musikdienste im Internet bereits seit Jahren verfolgen: Der Computer wird zum DJ und sucht Musik zusammen, die zueinander passt. Das Genre soll ein ähnliches sein, auch die Instrumentierung und die Geschwindigkeit sollen sich nicht allzu sehr voneinander unterscheiden. Das macht Last.fm ebenso wie der Musikdienst Pandora, letzterer funktioniert allerdings nur in den USA. Last.fm geht von dem Namen eines Interpreten aus, den der Hörer einträgt, und sucht dann nach ähnlicher Musik. Pandora fragt nach einer Stimmung und versucht diese musikalisch wiederzugeben. Und iTunes 8 geht stets von einem Titel aus, auf den der Anwender auch zufällig gestoßen sein mag. Ein Beispiel? Bei der Zufallswiedergabe Ihrer Lieblingstitel stoßen Sie auf einmal auf diesen unvergleichlichen 80er-Jahre-Song, den sie auf äTunes gekauft und schon seit so langer Zeit nicht mehr angehört haben. "Oh ich habe solche Sehnsucht", denken und Sie und starten Genius. sogleich bekommen sie die Fehlermeldung, die Funktion sei für diesen Titel nicht verfügbar - klar, die Ärzte gibt es in iTunes nicht. Sie springen in die 90er, bleiben aber am Wasser: Einen Tag am Meer genießen Sie zunächst mit den Fantastischen Vier, aus der Musiksammlung auf unserem Testrechner schlägt Genius danach Titel von den Beginnern vor, von Arrested Development, von Allinace Ethnik, K.I.Z. und Peter Fox. Das passt nicht schlecht - und wenn es nicht gefällt, so zeigt ein Klick auf Aktualisieren sogleich die nächste Mischung. Wer zum Teufel sind eigentlich The WiseGuys? Muss Ihre Frau gekauft haben...

Verkaufgenie für Entdecker

Wer nicht in seiner vorhandenen Musiksammlung stöbern will und stattdessen Neues entdecken, der bekommt in iTunes 8 die verlockende Möglichkeit, Unmengen an Geld auszugeben. "Ach, das hab ich ja noch gar nicht" - das möchten Sie der iTunes Store und die Musikindustrie sagen hören, am besten möglichst häufig. Die Neuerung, die solche Ausrufe entlockt, ist die Genius-Seitenleiste. Sie lässt sich hervorlocken, wenn man am rechten unteren Fensterrand auf das Symbol mit dem kleinen Pfeil klickt. Im iTunes Store zu entdeckende Titel fasst die Seitenleiste unter drei Kategorien zusammen: Alben, die zum ausgewählten Künstler passen, Titel, die dem Anwender vom ausgwählten Künstler noch fehlen, sowie weitere passende Empfehlungen. Dies funktioniert wie im Falle der Genius-Funktion nicht mit allen Titeln. Und so sieht die Praxis aus: Wieder an Land, fragen Sie sich, was der iTunes Store für einen Grönemeyer-Fan derzeit im Angebot hat. Max Raabe sollte Ihnen gefallen, meint er, und Fast-Supersternchen Lisa Bund - die Chancen stehen gut, dass Sie dankend ablehnen. Allerdings weist Sie die Genius-Seitenleiste dauch daruf hin, dass Ihnen von Grönemeyer in Ihrer Sammlung noch der Fußball-Hit "Zeit, dass sich was dreht" fehlt und sogleich spüren Sie die Laolawelle über sich hinwegrasen, werden ganz sentimental und schreien erschreckt aus: "Ach, das hab ich ja noch gar nicht." Und schon landet der Titel im Einkaufswagen.

Hinter Gittern

Eine neue Ansicht kann Musiksammlungen in iTunes 8 noch anschaulicher machen, sie trägt den klingenden Namen "Gitter". Wer diese Darstellung seiner Mediathek wählen will, muss rechts neben dem Suchfeld auf das mittlere Symbol klicken, die anderen zwei zeigen die Musiksammlung als Liste oder in Cover Flow an. Mac-Anwender kennen die Gitter-Ansicht bereits aus den Ereignissen in iPhoto '08. Verbergen Sich hinter einem Eintrag mehrere Albencover, so zeigt iTunes sie alle an, wenn man den Mauszeiger von links nach rechts darüber bewegt. Die Gitter-Ansicht sortiert wahlweise nach Alben, Interpreten, Genres und Komponisten. Schön ist die neue Ansicht, praktisch ist sie allerdings nur unter Laborbedingungen: In unserer Musiksammlung beispielsweise finden sich Genres, für die iTunes kein Bild kennt, und unser anspruchsvolles Auge leidet. Internet-Blogs zeigen zwar, wie Sie selbst zusammengeschusterte Genre-Bilder in Ihr iTunes einfügen. Der vorgeschlagenene Eingriff in iTunes muss aber nach jedem Update erneut vorgenommen werden. Allen Ordnungs-Liebenden ist dies dennoch anzuraten - oder aber der Verzicht auf die Gitter-Ansicht. Ohnehin stecken in der Gitter-Ansicht noch weitere Tücken: Enthält eine Musiksammlung Titel ohne Coverbilder oder ohne Albenangabe, so wird die Darstellung schnell unübersichtlich und hässlich. Wer nicht alles im iTunes Store gekauft hat oder über iTunes eingelesen hat, der gerät im Nu ins Fluchen. Die Sortierung nach Komponisten schließlich mag sich für die Liebhaber klassischer Musik zwar eignen, allerdings in vielen Fällen ausschließlich für sie. Auf dem Album "The Big Bang" von Busta Rhymes beispielsweise hat ein gewisser A. Young an fünf Titeln mitkomponiert, allerdings mit Hilfe stets unterschiedlicher Partner. Weil nun "A." ganz vorne im Alphabet kommt, schauen uns beim Aufruf der Komponisten-Ansicht sogleich fünf Busta Rhymes von fünf Mal demselbsen Cover entgegen. Die CD ist im iTunes Store gekauft - Augen zu und weg.

Mehr Über-sicht

Wer weiterhin die Listenansicht vorzieht, wird sich zunächst wundern: Das Symbol mit dem Auge ist vom rechten unteren Bildschirmrand verschwunden und auch an anderer Stelle nicht mehr zu sehen. Bis iTunes 7 sorgte es dafür, die Übersicht einzublenden, die eine schnelle Auswahl von Genre, Interpret und Album erlaubt. Vor allem alte Hasen mögen dieses Bedienelement nicht missen. Müssen sie auch nicht: In der Listenansicht holt ein beherzter Druck auf die Tastenkombination Steruerung + B den verlorengegangenen Sohn wieder hervor, er nennt sich außerdem schlicht "Übersicht" und ist unter diesem Namen auch im Menü Darstellung zu finden.

Das Auge hört mit

Es muss gar nicht Major Tom sein, der den neuen visuellen Effekt in iTunes 8 in Bewegung bringt, Apple selbst steuert das All an. Wie die Standard-Hintergrundbilder in Mac OS X 10.5 zeigt auch der neue Visualisierungseffekt in der Musiksoftware Bilder, die aus einem Sciene Fiction-Film stammen könnten. Er setzt Töne in Bilder um, in farbige Lichtblitze, die schwarze Kugeln umspielen - zu Bowies Zeiten musste man dafür noch Drogen nehmen. Vorbild für den neuen iTunes Visualizer ist der Effekt Magneto des Herstellers The Barbarian Group und dieser steckt auch hinter der Programmierung. Was Apple nicht zeigt: Der Visualizer lässt sich mit Hilfe von Befehlstasten auch steuern. Probieren Sie es aus: ? zeigt alle Befehle, die zur Verfügung stehen. Mit M lässt sich der Modus verändern, mit P die Palette, I zeigt Informationen zum laufenden Titel an. Versuchen Sie es auch eimal mit F, N und L.

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