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Erster Weltkongress für Mikrotechnologie

26.09.2000 | 00:00 Uhr |

Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer hat von Politik, Forschung und Wirtschaft ein stärkeres Engagement für die Wachstumsbranche Mikroelektronik verlangt. Deutschland müsse dieses "immense wirtschaftliche Potenzial" mit einer nationalen Initiative fördern, sagte er zur Eröffnung des ersten Weltkongresses für Mikrotechnologie "MICRO.tec 2000" am Montag in Hannover. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) betonte, dass die Regierung mit gezielter Mittelstandsförderung und ihrem Ausbildungsprogramm an Universitäten und Berufsschulen gute Rahmenbedingungen geschaffen habe.

Bulmahn und Pierer mahnten übereinstimmend, dass Forschung, Industrie und Hochschulen in Deutschland sich stärker vernetzen müssten. Die Ministerin stellte heraus, dass der Bildungs- und Forschungsetat 2001 trotz leerer Haushaltskassen bereits im dritten Jahr in Folge erhöht werde. Nach der Aufstockung um 5,3 Prozent seien nun über 15 Milliarden Mark für Forschung und Bildung vorgesehen. Die Länder der EU seien bei der Mikrotechnologie gegenüber den USA und Japan in einer sehr guten Ausgangsposition.

Die deutschen Hersteller von Mikroelektronik wollen die Konkurrenz in Übersee bis zum Jahr 2010 mit ihren Erfindungen in den Schatten stellen. Dieses Vorhaben bekräftigte VDE-Verbandsvorsitzender Rolf Windmöller. Er stützte sich auf eine Umfrage seines Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) bei 300 deutschen Firmen zur Innovationsfähigkeit: "Die Firmen Europas sind auf gutem Wege, dieses Ziel zu erreichen."

Jedoch leide die Branche unter dramatischem Fachkräftemangel: 13.000 neue Elektroingenieure brauche die deutsche Industrie im Jahr. Doch kämen jährlich nur 8.500 Absolventen von Hochschulen und Lehrausbildungen dazu. In zehn Jahren werden es nach Schätzungen nur noch 6.500 sein.

Im VDE sind bundesweit 1.200 Unternehmen organisiert. Der Jahresumsatz mikrotechnischer Produkte wird in Branchenkreisen auf weltweit über 110 Milliarden Mark (gut 56 Milliarden Euro) geschätzt, 200.000 Menschen arbeiten laut VDE bereits in Deutschland in Elektronikunternehmen.

Während der erste Erfindungsschub Anfang der neunziger Jahre sich vor allem in der Autoindustrie niedergeschlagen habe, seien nun auch bei der Medizintechnik viele Entwicklungen zu erwarten, erklärte Windmöller. So hätten Forscher einen Scheckkarten großen Bio-Chip entwickelt, der in kürzester Zeit Proben von Blut, Urin und Speichel analysiert. Etwa Eisenmangel oder der Alkohol-Promillespiegel im Blut seien so zu ermitteln. Sinn mache ein solches Produkt aber nur in Massen-Produktion. dpa/ab

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