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Erster deutscher Sender startet Visual Radio

20.05.2005 | 13:27 Uhr |

Radio hören ist bislang eine Angelegenheit der Ohren. Doch der finnische Handyhersteller Nokia will jetzt auch die Augen seiner Kunden ansprechen: Visual Radio (VR) heißt die neue Technik, bei der begleitend zum aktuellen Radio- Programm eines Senders Informationen auf das Mobiltelefon gesendet werden. Als erster deutscher Anbieter startet der hessische Sender Hitradio FFH sein VR-Angebot im Sommer.

VR ermöglicht es Hörern nicht nur abzustimmen, welcher Musiktitel als nächstes gespielt werden soll, sondern auch Informationen zum aktuell gespielten Titel und Interpret abzufragen. Die Informationen erscheinen auf dem Handydisplay. Auch Radiowerbung kann so künftig parallel zum Programm visualisiert werden. Klingeltöne und Musiktitel können heruntergeladen, Staumeldungen abgefragt werden. «Das Radio ist im digitalen Zeitalter angekommen», sagt FFH- Geschäftsführer Hans-Dieter Hillmoth. «Unser Radio lebt von der Interaktivität - und da ist VR ein wichtiger Baustein.»

Seit die Handys immer mehr zu Alleskönnern werden, ist auch das Radio hören mit vielen Mobiltelefonen möglich. Laut einer Expertenumfrage des Verbands der deutschen Internetwirtschaft eco glauben 74 Prozent der Befragten, dass das Handy-Radio künftig im Alltagsleben eine Rolle spielen wird. VR könnte dazu einen Beitrag leisten. «Wir haben eine breite Zielgruppe im Auge», sagt Nokia- Produktmanager Raoul Rotarius. Tendenziell seien die Nutzer aber eher jünger und medieninteressiert. Das Mobiltelefon «wird ein wichtiges Endgerät für uns Hörfunker werden», sagt FFH-Geschäftsführer Hillmoth. VR sei eine gute Möglichkeit, die Radio-Akzeptanz per Handy zu erproben. Außerdem eröffne VR neue Werbemöglichkeiten.

Wolfgang Pauler, Redakteur beim Handy-Portal Xonio.com, sieht in den Kosten für VR einen Faktor, der den Erfolg der Technik bremsen könnte: «Der Nutzer muss die Datenübertragung voll zahlen.» Selbst wenn Werbung übertragen werde, entstünden beim Nutzer noch Kosten. Nokia-Manager Rotarius erwartet dennoch, dass die Kunden VR annehmen: «Studien haben herausgefunden, dass die Nutzer bereit sind für Mehrwertdienste zu zahlen.» Danach seien Kunden bereit, 4 bis 8 Euro im Monat für VR auszugeben. In Zukunft seien für die Datenübertragung auch Pauschalpreise denkbar - wenn die Provider mitspielen. Und auch für die Radiosender fallen Kosten an, denn sie müssen in die Technik investieren und die Inhalte für den Dienst zur Verfügung stellen.

Ein weiteres Hindernis könnte die geringe Zahl an VR-tauglichen Handymodellen sein, meint Pauler. Denn bislang schauen die Besitzer von Handys anderer Hersteller in die Röhre, wollen sie VR nutzen. «Nokia ist sehr daran interessiert, VR auch auf anderen Geräten verfügbar zu machen», sagt Rotarius. Deshalb werde es in Zukunft möglich sein, dass sich die Nutzer bislang nicht VR-tauglicher Handymodelle ein Programm auf das Handy laden. So könnten beispielsweise die Radiostationen auf ihrer Internetseite die Java- Applikation zum Download bereitstellen. Viele neuere Handys unterstützen die Technik. (dpa)

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