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Es hat sich ausgetauscht

07.03.2001 | 00:00 Uhr |

Napster ist tot - es lebe Napster: Spätestens im
Sommer wird es die Musiktauschbörse in neuem Gewand geben.
Musikstücke werden dann nicht mehr kostenlos getauscht werden können.
Bis dahin soll das neue Geschäftsmodell des größten Napster-Investors
stehen.

Die Bertelsmann eCommerce Group wird die Tantiemenempfänger der
urheberrechtlich geschützen Werke auszahlen. Die nötigen Einnahmen
will das Unternehmen über Mitgliedsbeiträge der Napster- Nutzer
eintreiben.

Bertelsmann eCommerce-Group-Sprecher Alexander Adler gibt sich
gelassen und zeigt wenig Bereitschaft, die aktuellen gerichtlichen
Auseinandersetzungen um Napster in Amerika zu kommentieren: «Das neue
Modell wird alles erfüllen, worum es zur Zeit juristisch geht.» Eine
neue Technologie sei entwickelt worden. Das Programm beobachte,
welche Titel getauscht würden und welcher Künstler dafür entlohnt
werden müsse.

Das neue Napster werde so aussehen und funktionieren wie das alte,
das nach der einstweiligen Verfügung eines Bundesgerichts in San
Francisco vom Dienstag zunächst vor dem Aus steht. Adler sagte, es
werde mit allen großen Labels verhandelt, damit die Werke zum
kostenpflichtigen Austausch bei Napster zur Verfügung stehen. Man sei
noch mit allen im Gespräch. Der Mitgliedsbeitrag werde zwischen 6 und
21 DM liegen.

Napster selber nahm die einstweilige Verfügung, die
urheberrechtlich geschützten Titel innerhalb von 72 Stunden vom Markt
zu nehmen, in einer Pressemitteilung gelassen hin. Napster werde der
gerichtlichen Anweisung Folge leisten, hieß es. Schon vorher habe man
mit der Arbeit angefangen, die Titel zu sperren. Dem Vernehmen nach
hat Napster dem Gericht sogar den 72-Stunden-Zeitraum vorgeschlagen.

«Wer braucht noch Napster», sagen hingegen eingefleischte
Musikfans in Deutschland. Da gebe es genug Alternativen. Und deshalb
ist das kostenlose Herunterladen von Songs für Millionen von
Internetusern auch lange nicht vorbei. Ein Dutzend anderer Musik-
Seiten wie Napigator, Gnutella, Bearshare und Limewire bieten
ebenfalls diesen Service. Sie sind allerdings nicht so populär. Im
Gegensatz zum Napster-Angebot, das über einen zentralen Server
koordiniert wird, haben viele Alternativen aber einen Vorteil. Die
Programme befinden sich ausschließlich auf den Computern der Nutzer.
Folge: Die Angebote könnten nur geschlossen werden, wenn man auch den
Zugriff auf alle Nutzer ausschließt. dpa

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