2058594

Eterni.me will Verstorbenen in 3D-Avataren virtuelles Leben verleihen

09.03.2015 | 15:13 Uhr |

Das Projekt Eterni.me will zu Lebzeiten möglichst viele Informationen über seine Kunden sammeln, um daraus einen überzeugenden und kommunikationsfähigen Avatar des dann Verstorbenen zu erstellen.

Eterni.me beabsichtigt alle zugänglichen Informationen über einen Kunden zu sammeln und wird zur Auswertung nach eigener Auskunft komplexe Algorithmen nutzen . Damit möchte man per Software ein persönliches Abbild, einen Avatar generieren, der nach dem Tod die Persönlichkeit des Verstorbenen simuliert und mit Angehörigen oder Freunden interagieren kann. In diesem gewissermaßen persönlichen Gespräch soll das digitale Abbild sogar Informationen und Ratschläge an die Familie oder andere Gesprächspartner offerieren können. Noch ist die Seite im Aufbau, später möchte man die Dienste im Abonnement anbieten.

Sehr aufschlussreich sind dabei die Informationen und Aussagen der Entwickler, die Futurezone gesammelt hat . Demnach haben sich schon über 28000 Personen für einen Account beworben, noch im April will man eine erste öffentliche Beta für die ersten 100 Nutzer freischalten, bis Ende 2015 sollen alle bisher angemeldeten Interessenten daran teilnehmen können. Die monatliche Gebühr soll bis zum Tod eines Kunden erhoben werden, Eterni.me will außerdem möglichst vollen Zugang zu privaten Erinnerungen, Äußerungen aus sozialen Netzwerken und in E-Mails erhalten. Darauf basierend erstellt der Dienst einen 3D-Avatar, der dem Verstorbenen in Aussehen, Stimme und sogar Persönlichkeit entsprechen soll, so dass man sich mit diesem auch nach dem Tod per Chat oder über eine Sprachfunktion unterhalten kann.

Der Nutzer selbst soll entscheiden, welche Informationen er Eterni.me tatsächlich zugänglich macht. Je freizügiger er damit umgeht, desto realistischer soll der Avatar am Ende werden.

Die Entwickler machen sich durchaus auch Gedanken über Datenschutz und Ethik oder über die Frage, wie stark die Identität des Avatars dem realen Vorbild entsprechen könnte. Im Prinzip lasse sich der Service eher mit einem interaktiven Archiv als einer digitalen Gleichsetzung mit der verstorbenen Person vergleichen.

Wenn man so will, gibt es bereits das Computerspiel zum Thema. Kürzlich wurde das Horror-Adventure ”Master Reboot” ( das es auch für den Mac gibt ) veröffentlicht. Dort gibt es eine so genannte ”Soul Cloud”, in der Verstorbene ihre digitalen Persönlichkeiten mit Erinnerungen gespeichert haben. Leider gibt es einen vorsätzlichen Crash und ein Datenleck, so dass die Avatare dort nochmals ”sterben” oder doch in ihrer virtuellen Existenz gefährdet sind. Auch wenn das noch rein fiktiv ist, klar dürfte sein, dass je komplexer und realistischer eine solche ”Seelen-Cloud” wird, die üblichen digitalen Gefahren durch Serverprobleme, Datenklau und gezielte Attacken auf Struktur und Inhalte solcher Dienste nicht ausbleiben dürften. Abgesehen davon bleibt es auch persönlich spannend, diese Entwicklung in der Realität so wie jetzt bei Eterni.me weiter zu verfolgen. Denn was heute noch wie ein Märchen klingt, kann bekanntlich morgen schon Wirklichkeit sein…

0 Kommentare zu diesem Artikel
2058594