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Eudora 8 tritt eine schwierige Nachfolge an

04.09.2007 | 15:11 Uhr |

Der Mail-Klassiker Eudora hat schon fast zwanzig Jahre auf dem virtuellen Buckel, jetzt liegt erstmals eine Beta für die neue Version 8 vor. Die stammt nicht nur von anderen Entwicklern und ist kostenlos zu haben, die Software hat mit den Vorgängern auch nicht mehr viel gemein.

Unter dem Projektnamen "Penelope" basiert sie nun auf dem Mozilla-Client Thunderbird, dem sie ein ähnliches Look-and-feel verpassen möchte. Vielleicht wird das neue Eudora damit einige eingefleischte Eudora-Anwender zum Wechsel auf die Mozilla-Software bewegen können, vielleicht nicht einmal das.

Wer jetzt noch Eudora verwendet, der gehört eher nicht zu den Anwendern, die schnell neue Software adaptieren und gewohnte Arbeitsabläufe ablegen. Der klassische Eudorist bedient sein Mail-Programm nicht mit der Maus, sondern mit einer Vielzahl von Tastaturkürzeln, über die er schon lange nicht mehr nachdenken muss. Er schätzt das schmale und schnelle Programm, die rasante Suchfunktion, schwört auf seine mühsam eingerichteten Filter uns setzt schon seit Jahren auf IMAP. Die letzte finale Version für den Mac trägt die Versionsnummer 6.2.4. Ein Problem allerdings haben eingefleischte Eudora-Anwender spätestens seit Herbst 2006: Da hat die Firma Qualcomm, seit 1991 Entwickler der Software, das Ende der kommerziellen Entwicklung verkündet. Dass es trotzdem weitergeht, gewährleisten nun eine Reihe von Open-Source-Entwicklern, die als technische Plattform Thunderbird verwenden und sich vorgenommen haben, dessen Bedienung und Aussehen insbesondere an die Gewohnheiten von Eudora-Anwendern anzupassen. Mit der Versionsnummer 8.0.0b1 liegt nun ihre erste öffentlich zugängliche Vorversion vor, die sich jeder Anwender zu Testzwecken herunterladen kann. Noch ist die Neuauflage, die sowohl auf Windows-PCs als auch auf Macs läuft, also noch nicht fertig. Vielleicht ist das dann auch ein Grund dafür, dass sie bislang deutlich mehr Kritik erfährt als Begeisterungsstürme auslöst. Versiontracker-Kommentatoren, die in ihrem Urteil stets nicht zimperlich sind, sprechen gar von "absolutem Müll" und empfehlen Interessenten, sich den Download und damit "Bandbreite zu sparen". Die Beta zu Eudora 8 sei ein "Marketing-Witz", die vom Vorgänger lediglich den Namen und die Icons geklaut habe. Schmerzlich vermissen sie etwa die Suchfunktion des Klassiker und seine Schnelligkeit. Ganz so drastisch allerdings sollte man den Wechsel nicht sehen, wenn man sich die Vorgaben der Entwickler vor Augen führt: Thunderbird so zu erweitern, dass der Wechsel vom "klassischen" Eudora so einfach wie möglich fällt. In einigen Punkten ist ihnen das bereits gelungen: Die neue Software übernimmt Werkzeugleiste und Menüs des Vorgänger und lässt sich auch mit den klassischen Tastenkürzeln bedienen. Auch eine dreigliedrige Ansicht in verschiedenen Fenstern lässt sich in den Einstellungen auswählen, die Gruppenauswahl von Dateien mit ähnlichen Eigenschaften funktioniert und eine Reihe von Daten lassen sich aus den Vorgängern importieren: Mailboxen, Nachrichten und bedingt auch Filtereinstellungen. Weitere Änderungen gegenüber Thunderbird finden sich im Mozilla-Wiki . Von Thunderbird hat die Eudora-Beta schließlich eine ganze Menge Vorteile übernommen, insbesondere die HTML-Engine und den Anschluss an Mac OS X. Dennoch gilt: Auch wenn sie es schafft, einige Alt-Anwender zum Umstieg auf die neue Plattform zu bewegen - ein spektakuläres Eudora-Revival wird es unter diesen Voraussetzungen nicht geben. Der Download ist 19 Megabyte groß. Gleichzeitig mit Thunderbird lässt sich die Software nur bedingt verwenden, da beide die gleichen Einstellungsdateien verwenden. Für eine gemeinsame Nutzung der Eudora-Beta 8 mit Eudora 6.2.4 muss man zunächst eine der Applikationen, die beide den gleichen Namen tragen, umbenennen. Bislang spricht Eudora nur Englisch.

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