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Europa holt Technologie-Vorsprung der USA auf

24.07.2000 | 00:00 Uhr |

Die europäischen Länder haben nach Einschätzung
eines IBM-Spitzenmanagers den technologischen Vorsprung der USA
aufgeholt. Zwar liege Europa bei der Ausstattung der Haushalte mit
Computern und Internet-Anschlüssen noch zurück, sagte Mike Lawrie,
General Manager des Computerkonzerns IBM für die Regionen Europa,
Naher Osten und Afrika, in einem dpa-Gespräch.

Bei der Zahl der Mobiltelefone zeige sich jedoch bereits ein
anderes Bild. «Hier liegt Europa vorn», sagte Lawrie. «Der Grund
dafür sind gemeinsamen Standards.»

Die Zukunft des Internets liege bei den mobilen Anwendungen,
betonte Lawrie. Europa hätte daher gute Chancen, bei diesen
Technologien die Führungsrolle zu übernehmen. Dabei sei entscheidend,
dass die Kosten für Telekommunikation weiter zurückgingen und sich
die Deregulierung der Branche fortsetze. «Europäer begeistern sich
nicht für Technologie um der Technologie willen», betonte Lawrie. Die
Akzeptanz von Computern und dem Internet sei daher anders als in den
USA erst dann gestiegen, als auch die entsprechenden Anwendungen zur
Verfügung gestanden hätten.

IBM werde für den Zukunftsmarkt mobiles Internet integrierte
Konzepte anbieten, die Hardware, Software und Service umfassen, sagte
Lawrie. Der Konzern setze dabei auf offene Standards wie das freie
Betriebssystem Linux, das nicht einem einzelnen Unternehmen gehöre,
sondern von Nutzern in aller Welt weiterentwickelt werde. IBM will in
den nächsten vier Jahren 200 Millionen Dollar (214 Mio Euro/418 Mio
DM) in den Aufbau europäischer Linux-Zentren investieren.

Technologieunternehmen seien immer stärker auf strategische
Allianzen angewiesen, sagte Lawrie. «Keine Firma kann sich die ganze
Kompetenz leisten, die man braucht, um Anwendungen zu programmieren,
zu testen und auf den Markt zu bringen.» Durch die neuen Netzwerke
entwickele sich die Wirtschaft immer mehr zu einem «Ökosystem». Der
Zugriff auf Mitarbeiter mit dem entsprechenden technologischen Wissen
sei dabei der wichtigste Faktor für zukünftiges Wachstum.
dpa

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