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Exklusiv: Erster Blick auf Office 2001 (Teil 1)

30.08.2000 | 00:00 Uhr |

Microsoft hat die Auslieferung der lokalisierten Mac-Software "Office 2001" für diesen Herbst angekündigt. Hier der erste Blick auf die deutsche Beta-Version von Office 2001 für Mac

Die erste Beta-Version von Office 2001 für den Mac hat die Macwelt-Redaktion erreicht und unterzieht sich momentan einer genaueren Inspektion. Noch ist das zwar schon weitgehend lokalisierte Programmpaket unfertig, beispielsweise fehlen alle Hilfefunktionen oder deutsche Wörterbücher, die meisten Funktionen lassen sich aber ausprobieren. Am Layout der Dialogfenster haben die Entwickler noch einiges zu richten und sie an die längeren deutschen Texte anzupassen. Hier und dort gibt es auch noch ein Gemisch aus Deutsch und Englisch. Dagegen sind die Programme weitgehend stabil und es stellt sich bisher nur einmal die Notwendigkeit, einen Neustart hinzulegen. Auch an der Geschwindigkeit lässt sich bei den ersten Probeläufen nichts herummäkeln. Als Testgerät dient ein aktueller iMac DV +.

Speicher

Die Regel, dass neue Programme mehr Platz auf der Festplatte und im Arbeitsspeicher beanspruchen, durchbricht auch Office 2001 nicht. Mit 64 MB Grundausstattung kommt man deshalb nicht all zu weit, selbst wenn der virtuelle Speicher aktiviert ist. Zusammen mit dem Mac-OS verschlingen alle vier Programme 68 MB Arbeitsspeicher. Kommt zusätzlich auch noch einen Web-Browser zum Einsatz, muss das Mac-OS häufiger Daten auf der Festplatte zwischenlagern, wenn man alle Programme geöffnet hat. Einen zusätzlichen Speicherbaustein muss man also mit einplanen.

Erscheinungsbild

Wie der Internet Explorer 5 hält sich Office 2001 an das aktuelle Software-Design von Apple mit dezenten Querstreifen, man kann aber auch auf ein schlichtes einheitliches Grau umstellen. Verschiebt man Paletten auf dem Bildschirm, sind sie halb transparent, so wie es Apple mit Appleworks 6 vorgemacht hat. Die Paletten docken außerdem aneinander an, wenn der Zwischenraum gering genug geworden ist. Verschwunden sind die an Windows erinnernden separaten grauen Infozeilen der Programme am unteren Bildschirmrand. Die Funktionen sind nun in das Dokumentfenster integriert.
Auf die Öffnen- und Sichern-Dialogfenster (Navigation Services) des Mac-OS 9 versteht sich Office 2001 ebenso wie auf Drag-and-drop oder Quicktime. Die Unterstützung von Quicktime macht sich beispielsweise bei den Importformaten für Grafiken und Bilder bemerkbar oder bei den Überblendeffekten in Powerpoint. Drag-and-drop kommt sowohl beim Import von Dateien und Clips aus dem Finder als auch bei der Gestaltung der Symbolleisten zum Einsatz. An kleinen Dingen bemerkt man ebenfalls die Einhaltung der Mac-OS-Vorgaben: Die Voreinstellungen befinden sich nun am Ende des Menüs "Bearbeiten".

Programmübergreifende Funktionen

Der Projektkatalog steht in allen Office-Programmen zur Verfügung und dient als Ausgangspunkt für neue Dokumente, für Vorlagen und zum Starten eines Assistenten. Über dieses Fenster, das in der Betaversion noch nicht vollständig betriebsbereit ist, kann man aus jedem Programm heraus direkt ein neues Dokument in jedem anderen Office-Programm anlegen. Programmübergreifend arbeitet auch die als "Zwischenablage" bezeichnete Palette, die wie eine Bibliothek funktioniert. Per Drag-and-drop lässt sich jedes Element aus einem Dokument in die Palette ziehen und von dort aus wieder in ein Dokument einfügen.
Ein ebenfalls neuer Bestandteil des Office-Pakets ist die Formatierungspalette. Sie stellt automatisch die für das aktivierte Objekt wichtigsten Funktionen zur Verfügung. Man kann mit ihr Texte, grafische Objekte, importierte Bilder, Tabellen, Zellen und Diagramme in einer Tabellenkalkulation sowie Präsentationsfolien gestalten. Für Bilder gibt es noch eine zusätzliche Palette, die Bildbearbeitungsfunktionen wie Farbänderungen, Effektfilter oder Beschneidungs- und Auswahlwerkzeuge umfasst.

Adressen und Termine

Das Office-Paket umfasst nun vier Programme. Zusätzlich zu Word, Excel und Powerpoint gibt es Entourage. Auf diesen Namen haben die Entwickler den persönlichen Informationsassistenten getauft, der sich sowohl um die Verwaltung von Adressen, Aufgaben und Terminen als auch um den Versand von E-Mails kümmert. Die Oberfläche von Entourage ist stark an Outlook Express angelehnt. Man wählt links im Fenster die gewünschte Funktion, die dann im rechten Teil zu sehen ist, sei es ein Kalender, die Liste aller eingegangenen E-Mails oder noch zu erledigende Aufgaben. Man kann sich auch eigene Ansichten der Daten erstellen und Entourage beispielsweise sämtliche Daten anzeigen lassen, die zu einer bestimmten Person gehören. Dazu zählen E-Mails, Aufgaben und Termine und die mit der Person verknüpften Office-Dokumente.
Die Adressen und Termine muss man nicht neu eingeben, sondern kann sie theoretisch aus E-Mail-Programmen (Outlook Express, Eudora, Netscape Communicator, Claris Emailer) und Informationsassistenten (Now Contact, Now-Up-to-Date, Claris Organizer, Palm Desktop) importieren. Der Versuch, dies mit den Daten aus Palm Desktop zu machen, schlägt mit der Betaversion aber noch fehl. Genauso wie wir die angekündigte Option nicht finden, die Daten mit dem Palm Organizer zu synchronisieren. In der fertigen Version, die in den USA für Mitte Oktober angekündigt ist, sollte das dann aber funktionieren. Hand anlegen müssen die Entwickler auch noch an das Adressbuch, das beispielsweise Postleitzahlen wie in den USA üblich nach dem Ort anzeigt. Wünschenswert wären länderspezifische Vorlagen für die Adressformate, wie sie etwa in Palm Desktop zu finden sind. Dann ist jede Adresse je nach Herkunftsland der Person richtig formatiert.
Entourage ist mit den anderen Office-Programmen verknüpft. Zum einen kann man Dokumente Personen zuordnen oder sie für die Wiedervorlage markieren. Sie erscheinen dann in der Aufgabenliste und eine Erinnerungsfunktion startet zum vorgegebenen Zeitpunkt. Zum anderen lassen sich die Daten aus dem Adressbuch in Word übernehmen. Dies geht sowohl mit Einzeladressen als auch mit mehreren Anschriften für Serienbriefe und Serien-E-Mails. Verknüpfungen gibt es auch mit dem Internet. Damit ist aber nicht der E-Mail-Versand gemeint, sondern die Möglichkeit, sich Wegbeschreibungen zu einer Adresse anzeigen zu lassen. Ob das aber auch in der deutschen Version von Office 2001 funktionieren wird, wissen wir nicht, denn jetzt landet man automatisch auf einer amerikanischen Geografieseite. Und die kann mit Leopoldstraße in München herzlich wenig anfangen.

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