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Experte sieht TV-Revolution nur verschoben

14.02.2014 | 07:24 Uhr |

Ein neues Apple TV würde auf eine zunächst vorsichtige Herangehensweise Apples schließen lassen, meint ein Professor aus New Jersey. Das traditionelle Fernsehbusiness wolle sich lieber selbst abschaffen.

Ein Experte reagiert überrascht auf die Berichte, Apple werde in diesem Jahr keinen eigenen intelligenten Fernseher herausbringen, sondern lediglich auf eine Weiterentwicklung des Apple TV setzen und dabei mit Kabelanbietern wie Time Warner Cable koopieren. "Ich bin ein wenig überrascht, dass sie nicht tiefer in Richtung Displays gehen," meint gegenüber unsere Kollegen der Computerworld der Professor für Medien an der Rutgers Universität Adam Sinnreich. Apple habe schließlich komplette Kontrolle über die Lieferkette und besten Zugriff auf Rohstoffe wie seltene Erden, zudem gebe es in Cupertino hohe Designexpertise. Aber womöglich ist die TV-Revolution nur verschoben und das Apple TV diene als "Trojanisches Pferd im Wohnzimmer für etwas Ambitionierteres."

Apple habe derzeit nicht viel Spielraum, die Kabelunternehmen seien auch politisch noch zu mächtig und fürchten um ihr Geschäft als Mittler zwischen den Eignern der Inhalte und den Kunden. Zuletzt hatte Comcast angekündigt, Time Warner Cable für 45 Milliarden US-Dollar übernehmen zu wollen. Apple werde also Comcast und Konsorten nicht verdrängen können, sondern muss mit ihnen zunächst kooperieren. Den Fernsehmarkt werde es unweigerlich zerreißen, meint Sinnreich, doch die großen Firmen wollen das selbst erledigen. Das große Zukunftsthema sei auf alle Fälle TV on Demand: Jeder werde dann die Sendungen sehen wollen, wann er will und auch für einzelne Programme zahlen wollen und nicht für Komplettpakete der Kabelprovider. Für die Vermarkter ergeben sich dadurch neue Perspektiven: So könne man genau in Erfahrung bringen, wer wann welches Programm mit Interesse sieh und ihn mit maßgeschneiderter Werbung versorgen können.

Spekulationen über einen Fernsehapparat von Apple kursieren seit Jahren, vor allem der Piper-Jaffray-Analyst Gene Munster hat sich in der Vergangenheit damit hervorgetan. Es fehlt jedoch komplett an validen Hinweisen, dass Apple tatsächlich an einem Gerät arbeitet. Die Insolvenz des fränkischen Herstellers Loewe gab Anlass zu Übernahmespekulationen, die rasch dementiert wurden - Loewe versucht sich derzeit unter neuer Führung neu zu positionieren. Ein Apple-Fernseher bleibt weiter mehr als unwahrscheinlich, zumal im volatilen TV-Markt kaum Margen zu holen sind, viele Markenhersteller stoßen ihr Fernsehgeschäft ab. Für Apple bleibt aber das Geschäft mit Inhalten lukrativ. Womöglich meinte Steve Jobs das, als er kurz vor seinem Tod seinem Biographen Walter Isaacson verriet, er habe "das Fernsehen geknackt".

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