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Experte zu Amoklauf: "Freispruch" für Computerspiele

19.04.2007 | 15:31 Uhr |

Amokläufe sind ein Fluch der Menschheit, die zum Glück nur äußerst selten vorkommen, meint der Psychiater Lothar Adler zum Online-Magazin von Focus. Gewalthaltige Computerspiele, wie andere Experten noch ohne genauere Analyse der schrecklichen Vorfälle in Virginia sofort betonen, sind dafür laut Adler aber nicht verantwortlich zu machen.

Schon immer in der Menschheitsgeschichte hat es Amokläufe gegeben, meint Lothar Adler, ärztlicher Direktor des Ökumenischen Hainich Klinikums im thüringischen Mühlhausen, der bereits über 300 Fälle aus zwei Jahrzehnten näher analysiert hat. Die Geschichte der Menschheit stecke voll Aggression, die früher evolutionär zum Nahrungserwerb und Überleben nötig gewesen sei. Zwar sei die Wahl der Waffen durch die Jahrhunderte unterschiedlich, das Amokläufer-Syndrom aber relativ konstant. ”Wenn man so will, ist Amok ein Fluch, der der Menschheit auf den Weg gegeben ist”, meint der Experte. Für Amokläufe habe man immer andere Ursachen als schuldig befunden, etwa Pornos, unmenschliche Zustände an den Schulen oder heute die ”Killerspiele”. Mit Amok hat das alles aber nichts zu tun, wie der renommierte Amokforscher betont - das Verhalten existiere seit Jahrhunderten und völlig unabhängig voneinander in unterschiedlichen Kulturen. Adler spekuliert über eine ganz andere Ursache fernab von sozialen oder kulturellen (auch medialen) Auswirkungen: Möglicherweise sei es ein veränderter Hirnstoffwechsel, der Menschen zu Massakern treibt. Experten sprechen von einer Störung des serotonergen Systems. Das führe zu einer Impulssteuerungsstörung – und damit möglicherweise dazu, dass aus einem seelisch verletzten Menschen ein Massenmörder wird. Jede Kränkung, jede Verletzung, jede Abweisung könne bei den Betroffenen die Hass- und Gewaltspirale anfachen und letztlich in Massakern wie jüngst in Virginia enden.

Info: Focus Online

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