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FBI verzweifelt an iMessage-Verschlüsselung

08.09.2015 | 14:20 Uhr |

Die Verschlüsselung für iMessages ist so stark, dass sie nicht einmal Apple knacken kann: Das FBI verlangt vergeblich Einsicht.

Textnachrichten sind mit iMessage sicher verschlüsselt, verspricht Apple. Was das bedeutet, musste kürzlich das FBI erfahren, berichtet die New York Times . Demnach habe die Bundespolizei bei Apple die Inhalte eines über iMessage geführten Chats, den zwei des Drogen- und illegale Waffenhandels Verdächtigte führen, angefragt. Apple sollte die Kommunikation in Echtzeit weiterleiten, so wie es Telefonanbieter beim Abhören von Gesprächen machen. Die Antwort aus Cupertino war ein einfaches: "Nein". Und zwar nicht "Nein, wir wollen nicht", sondern "Nein, wir können nicht". Die Befürchtungen der Strafverfolger, die insbesondere von Apple und Google eingesetzten Verschlüsselungen könnten die Bekämpfung von Kriminalität erheblich erschweren, erhalten durch Fälle wie diesen Bestätigung. In jüngster Vergangenheit habe es vergleichbare Fälle gegeben, weswegen das FBI nun den Gang vor Gericht in Erwägung zieht. Der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance hat die Verschlüsselung von iOS in einer Senatsanhörung bereits als "Geschenk Gottes an die Verbrecher" bezeichnet . Verdächtige dürfen auch vor Gericht ihre Passwörter verschweigen, die verschlüsselten iPhones von Mordopfern nach Indizien oder Beweisen zu durchsuchen, ist gänzlich unmöglich, solange diese gesperrt sind.

Ein vergleichbarer Streit um Datenschutz geht in dieser Woche in New York vor Gericht. Microsoft hatte geweigert, trotz richterlicher Anordnung den E-Mail-Verkehr zweier des Drogenhandels Verdächtigter an die Polizei auszuhändigen. Der Konzern stellt sich auf den Standpunkt, im konkreten Fall sei die Anordnung eines irischen Gerichts notwendig gewesen, da der E-Mail-Verkehr auf einem Server in Dublin gespeichert sei. US-Datenschützer und Microsofts Anwälte äußern Bedenken, ein Urteil zu Ungunsten Microsofts könnte nach hinten losgehen. Autoritäre Regime wie in China oder Russland könnten unter dieser Präzedenz nun ihrerseits in den USA oder in EU-Ländern gespeicherte Kommunikationsdaten von Dissidenten einfordern.

Der Konflikt zwischen Regierungsbehörden und Technologieunternehmen schwelt schon Jahrzehnte, bereits die Regierung Clinton musste Pläne aufgeben, die IT-Unternehmen zum Einbau von Hintertüren zur Entschlüsselung in ihren Produkte gezwungen hätte. Seitdem dank Edward Snowden bekannt wurde, wie intensiv NSA und Konsorten im Auftrag der Regierungen die Bürger überwachen, hat sich der Ruf nach besserer Privatsphäre und sicherem Datenschutz verstärkt. Apple etwa beteuert stets, keinerlei Hintertüren zuzulassen , Daten nur auf richterliche Anordnung an Behörden zu geben und von Apple-Nutzer anfallende Daten allenfalls anonym auszuwerten und nicht an Werbetreibende zu verkaufen. Damit will Apple die Attraktivität seiner Produkte steigern und sie auch klar gegen die der Konkurrenz abgrenzen. Zu Googles Geschäftsmodell gehört es unter anderem, Nutzerdaten sehr genau auszuwerten und zu monetarisieren.

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