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Facebook stellt Assistenzsystem M vor

27.08.2015 | 14:23 Uhr |

Facebook M lässt eine ganze Armee von Hilfskräften aufmarschieren, um unsere Alltagsprobleme zu lösen

Im Februar präsentierte in den USA ein Startup den Dienst Magic . Der Anbieter versprach, man könne per Textnachricht so gut wie alles bestellen und liefern. Der Dienst startete, ging als Hype durch alle sozialen Netze - und schwand dahin. Jetzt will Facebook es wie Magic machen - nur besser.

Ab sofort bietet Facebook eine Testversion von M, einem Dienst, der auf der Messenger-App von iOS und Android basiert. Man wählt „M“ wie „Messenger“ und eine hybride Mischung aus Algorithmen und Assistenten aus Fleisch und Blut hilft uns bei alltäglichen Aufgaben. Um den neuen Dienst zu testen, muss ein Anwender nur einen kleinen Button auf dem unteren Rand der Messenger-App drücken und eine Nachricht an „M“ senden. (Wer den Messenger benutzt, ist unter Umständen bereits für den Dienst angemeldet.)

„Heute starten wir M, einen persönlichen Assistenten des Messengers, der Aufgaben ausführt und Informationen für Sie sucht“, wie eine Sprecherin von Facebook ausführte. „Er basiert auf künstlicher Intelligenz, die von Menschen trainiert und überwacht wird. M wird anfangs für eine sehr, sehr kleine Gruppe von Menschen in der Bay Area zur Verfügung stehen. Wir freuen uns zur erfahren, wie diese ihn nutzen und genießen."

Es ist aktuell nicht ganz klar, wo die Beschränkungen von M liegen. Laut dem dezidiert neutralen Bericht von Wired , der den Launch von M begleitete, ist der Dienst dazu gedacht, auf Fragen zu reagieren. Man stellt eine Frage wie: „Wo kann man in der Bay Area am besten wandern?“ oder „Kannst Du Blumen für den Geburtstag meiner Mutter bestellen?“. Beides sowohl Fragen als auch Aufgaben, die M lösen kann. Die menschlichen Hilfskräfte von M könnten also beispielsweise für uns das langwierige Telefonat mit dem Telekommunikationsunternehmen übernehmen - und ihr Leben verschwenden statt unserem.

„Es kann Aufgaben übernehmen, die keiner von den anderen ausführen kann“ so David Marcus, Vice President of Messaging Products für Facebook, laut Wired.

Warum dies wichtig ist: Wenn Facebook mit M die Lösung für die vielen kleinen Aufgaben schafft, die wir nur ungern selbst ausführen, hätte es einen echten Coup gelandet. Aber die fast unmöglich zu bewältigende Aufgabe ist das Ausmaß von all dem - Facebook erwartet also, die Anfragen von 700 Millionen Nutzern des Facebook Messengers zu bewältigen? Auch wenn wir hier von einer gestaffelten Einführung über mehrere Jahre reden, scheint die Aufgabe kaum zu bewältigen.

Wie sich M von Siri und anderen Diensten unterscheidet

Zahlreiche andere virtuelle Assistenten sind täglich im Gebrauch, als Teil von Apple iOS, Google Android und Microsoft Windows. Bisher beantworten Siri , Google Now und Cortana aber vor allem Wissensfragen oder führen Funktionen des Gerätes aus, auf dem sie installiert sind. Facebook M würde einen Schritt weiter gehen, und intelligente Entscheidungen für uns treffen.

Aktuell greift Facebook dabei noch nicht auf Daten seiner Nutzer zu, um diese Fragen zu beantworten. So müssen Sie voraussichtlich M mitteilen, welche Blumen ihre Mutter mag - statt dass M ihre Timeline abfragt, um dies selbst herauszufinden. Es ist auch noch nicht klar, ob M einen Kauf für einen durchführt oder einfach zu einem Dienst oder einer Webseite weiterleitet.

Letztendlich, jeder Nutzer des Messenger - ja, alle 700 Millionen Nutzer - sollen M nutzen können, wie Facebook verspricht. Das erscheint mit einem Team an Live-Angestellten so gut wie unmöglich. So wird die Last vor allem auf den Algorithmen von Facebook ruhen. Diese müssen herauszufinden was jemand will und es für ihn ausführen. Nebenbei müssen alle irgendwie für den Dienst bezahlen. Es ist unklar, ob ein kleines Startup wie Magic dies zustande brachte. Kann aber Facebook, eine der größten Firmen auf diesem Planeten, erfolgreich sein? In Hinsicht der Sprachbarriere erscheint diese Aufgabe noch komplexer, als Facebook auf seiner Veranstaltung verkündet. Apple hat mehrere Jahre gebraucht, um den intelligenten Assistenten Siri für Chinesisch oder Russisch aufzubereiten. 

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