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Fachhändler empört: "Das Weihnachtsgeschäft macht Apple alleine"

15.12.2006 | 08:21 Uhr |

Die Apple-Fachhändler haben die Nase gestrichen voll: "Apple lässt die Handelspartner am langen Arm verhungern", schimpfen die einen. "Das Weihnachtsgeschäft macht Apple alleine", beklagen sich die anderen und fürchten gar um ihre Existenz.

Macbook Familie
Vergrößern Macbook Familie

Sie könnten trotz reger Nachfrage keine Macbooks Pro liefern, weil sie vom Hersteller keine bekommen - und auch Macbooks und iPods seien knapp. Als am schlimmsten aber empfinden viele, dass Kunden sie ständig mit den Lieferzeiten im Apple Store konfrontieren: Denn Apples eigener Vertriebskanal hat anscheinend alles vorrätig - und dort kaufen abgesprungene Kunden am Ende auch ein.

"Apple trocknet Fachhandel aus"

Als macnews.de vor wenigen Tagen das Gerücht meldete, Apple liefere keine Macbooks Pro mehr aus, erreichten die Kollegen eine ganze Reihe von Zuschriften: Apple-Fachhändler stimmten dem Gerücht nicht nur zu, sie setzten der Geschichte sogar noch eins drauf: Seit Wochen bekommen manche von ihnen weder Macbooks Pro, noch Macbooks von Apple und den Distributoren. Einen iPod Shuffle haben laut eigenen Angaben gleich mehrere Händler noch nie zu Gesicht bekommen - obwohl sie ihn gleich nach dem Erscheinen bestellt haben. Ihren verärgerten Kunden müssten sie nun sagen, dass sie vor Jahreswechsel nicht mehr liefern können - ihr Todesurteil?

Große Abnehmer bevorzugt

Es gibt auch Gegenstimmen, die stärker differenzieren: Wir haben bei einer Auswahl von Fachhändlern aus dem gesamten Bundesgebiet nachgefragt und einige interessante Informationen erhalten. "Dies war schon zu Zeiten des LC II so", sagt mit einem Augenzwinkern Joachim Schulze von macconnect in Berlin. Allerdings habe es damals noch keinen Apple Store gegeben, der zusätzlichen Druck erzeugt. Ein Händler aus Nordrhein-Westfalen bezichtigt Apple gar der Lüge: Der Store verspreche Macbook-Pro-Käufern kurze Lieferzeiten, "die Geräte werden aber auch nicht geliefert". Nur große Abnehmer erhielten das ganze Hardware-Sortiment. Saturn und Media Markt bekämen neue Modelle ohnehin "Wochen vor den anderen Händlern", fügt ein Kollege aus Hessen hinzu.

Probleme mit dem Macbook Pro

Während einzelne Zuschriften auch die schlechte Lieferbarkeit von Ersatzteilen und Geräten mit BTO-Optionen wie mehr Speicher oder anderer Festplatte beklagen, sind sich beim Macbook Pro alle befragten Fachhändler einig: Das Profi-Notebook ist so gut wie gar nicht zu bekommen. Die Erklärung allerdings liefert einer von ihnen gleich hinterher: Er habe von Apple-Mitarbeitern erfahren, dass die Zulieferer des Mac-Herstellers selbst nicht genug matte Displays vorrätig hätten. MacBidouille aus Frankreich stimmt dieser These zu und weist darauf hin , dass Geräte mit Glossy-Display auch für Händler deutlich schneller verfügbar seien.

Starke Nachfrage bei Macbook und iPod Shuffle

Beim Macbook hingegen scheint vor allem die hohe Nachfrage dafür verantwortlich zu sein, dass Apple Fachhändler nur in geringen Mengen mit den Notebooks versorgt. Und beim Shuffle schließlich scheiden sich ohnehin die Geister: Ein vorausschauender Händler aus Baden-Württemberg gibt an, er habe genug kleine iPods vorrätig - er habe die Situation eben vorausgesehen und früh genug bestellt. Die Klugheit der Schwaben beweist man auch in Berlin: macconnect hat nach eigenen Angaben alles vorrätig. Doch je kleiner der Händler, um so kleiner sind seine offiziellen Einkaufsmöglichkeiten und um so schwerer ist sein Stand: Einer der zwei offiziellen Distributoren in Deutschland soll nach eigenen Angaben bis letzte Woche selbst noch keine iPod shuffles erhalten haben. So heißt es auch aus Hessen: "Mit dem Verkauf von Apple Computern Geld zu verdienen geht höchstens noch bei vierstelligen Stückzahlen im Jahr."

Will Apple nur noch selbst verkaufen?

Während mancher Händler die Wogen zu glätten versucht, sind andere einfach nur sauer: "Apple ist auch nicht in der Lage, bloß die elementarsten kaufmännischen Gepflogenheiten einzuhalten: Es gibt keine Auftragsbestätigungen mit Lieferdatum und keine Infos, wenn sich etwas verzögert", schimpft es aus dem Südwesten der Republik. Wie könne man im Apple Store für Händler für ein Produkt Lieferzeiten von zwei bis drei Wochen angeben, wenn sie im Endkundenstore als sofort verfügbar angezeigt würden? Auf Dauer, vermutet mancher wütende Händler, habe der Mac-Hersteller "kein Interesse, dauerhaft über den Handel zu verkaufen" und sammle im Moment nur Kundendaten, um sich eines Tages wie beispielsweise Dell nur noch selbst zu vermarkten. Diese Angst gehe schon lange um, hält der befragte Berliner Händler entgegen: "Dagegen spricht u.a. allerdings, dass Apple nach wie vor Händler autorisiert." In absehbarer Zeit werde Apple weiterhin auch über den Fachhandel verkaufen, ist er sich sicher. Mit den Klagen konfrontiert, weist Apple Deutschland die Anschuldigungen der Händler von sich. "Die Nachfrage nach den Apple-Produkten ist höher als wir sie decken können, keine Frage", bestätigt Georg Albrecht, Pressesprecher der hiesigen Niederlassung, wiegelt dann aber ab: "Um unseren Kunden eine optimale Einkaufsmöglichkeit zu bieten, beliefern wir alle unsere Vertriebspartner mit dem passenden Produktportfolio in bestmöglichen Mengen und unsere aktuellen Absatzzahlen belegen ein ausgewogenes Verhältnis unserer Vertriebskanäle."

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