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Fair-Play-Hacker wechselt das Lager und gründet eigene Firma

04.10.2006 | 14:38 Uhr |

Wer anderen den Kopierschutz knackt, ist selbst Schuld. Besonders dann, wenn man selbst nichts davon hat. Diese Erkenntnis hat auch Jon Lech Johanson gewonnen: Der 22-jährige Norweger, besser bekannt unter dem Spitznamen "DVD-Jon", will seine Erkenntnisse um den Kopierschutz FairPlay jetzt versilbern.

Zusammen mit Monique Farantzos hat er in San Francisco die Firma Double Twist Ventures gegründet und will die "gecrackte" FairPlay-Version an andere Anbieter lizensieren.

Seit 2002 hat Jon in der Szene einen Namen: Mit seinem ersten Projekt DeCSS versetzte er 2002 die Filmindustrie in Angst und Schrecken, weil es ihm gelang, den Kopierschutz von Film-DVDs zu knacken. Seit drei Jahren beschäftigt er sich auch mit dem digitalen Rechtemanagement "Fair Play" von Apple, das im iTunes Store zur Verwendung kommt. Mehrmals hat er auch diesen Kopierschutz besiegt - nun will er mit seinem Wissen Geld verdienen: Double Twist Ventures bietet sich als Partner für Medienunternehmen an, die ihre Inhalte iPod-kompatibel mit Kopierschutz versehen möchten und nicht Apple heißen. Hat der Linux-Programmierer bislang also den Kopierschutz von Medieninhalten entfernt, so wechselt er jetzt die Seiten und baut ihn dort ein, wo andere - außer Apple - ihn gerne hätten: in Musik, in Videos, in Filmen.

Damit wäre Konkurrenz für iTunes auf eigenem Platz zumindest denkbar und Apple hätte das Dreamteam iTunes und iPod nicht mehr für sich alleine. Einen Kunden, der offenbar über genügend Geldmittel verfügt, hat die junge Firma bereits, schreibt GigaOM . Er und Farantzos seien ganz heiß auf Apples Streaming-Box iTV und bauen darauf, dass Medienanbieter einen Weg finden wollen, selbst am Internet-Fernsehen zu partizipieren, aber dafür nicht die Dienste des iTunes Stores in Anspruch nehmen wollen. Apple als Eigentümer der Fair-Play-Technologie hat jetzt zwei Möglichkeiten zu reagieren. Die erste wäre, mit allen juristischen Mitteln gegen Double Twist Ventures vorzugehen. Das Geschäft mit Musik und bewegten Bildern bliebe dann exklusiv bei iTunes. Die Alternative dazu klingt margenträchtiger: Wenn neue Anbieter dieselbe Plattform iTunes + iPod "bespielen" könnten, dann bekämen die Apple-Geräte wahrscheinlich noch mehr Zuspruch, als sie jetzt schon haben. Apple könnte kräftig an den verkauften Playern verdienen - und das "schmutzige Geschäft" anderen überlassen. Denn ein Genre der Unterhaltung fehlt in Apples digitalem Medienladen: Porno. Und mit Sex lässt sich vortrefflich Geld verdienen - auch im Internet. Zuletzt hatte Apple Real Networks Ende 2004 aus dem eigenen Revier gedrängt: Der Konkurrent hatte im Sommer 2004 einen eigenen Musikdienst gestartet und mit dem Kopierschutz Harmony zumindest für ein halbes Jahr eine kompatible Alternative - bis Apple die Firmware aller iPods zielgerichtet aktualisierte .

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