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Falsche Prototypen: Wie Apple das iPhone zwei Jahre lang geheim hielt

11.01.2007 | 15:50 Uhr |

Zweieinhalb Jahre hat die Entwicklung des iPhone gedauert. Doch trotz mehrerer Kooperationspartner, die eng an der Entwicklung des Mobiltelefons beteilig waren, sind in dieser Zeit keine Bilder und technischen Details an die Öffentlichkeit gedrungen.

Wie Apple es geschafft hat das Gerät vor den eigenen Entwicklern und den involvierten Mitarbeitern von Cingular, Google und Yahoo geheim zu halten, erzählt ein Bericht von Fortune.

Selbst einige hochrangige Apple-Manager kennen das iPhone erst seit der Keynote, beschreibt Fortune das Niveau der Geheimhaltung. Der Mac-Herstller, bekannt für seine Geheimniskrämerei, musste bei der Entwicklung des Multimedia-Handys äußerste Diskretion wahren Fast sämtliche Abteilungen des Herstellers waren, laut Steve Jobs, an der Produktion beteiligt - mehr als bei jedem anderen Produkt zuvor.  

Software ohne Prototyp entwickelt

Weder Yahoo noch Google durften das iPhone bis kurz vor der offiziellen Präsentation sehen, schreibt Fortune. Die Entwicklung der Software für das Gerät erfolgte ohne einen Hardware-Prototyp. In einigen Fällen soll Apple die Software so getarnt haben, dass Programmierer das Interface nicht sehen konnten. Besonders kompliziert sei die Zusammenarbeit mit Cingular gewesen, berichtet Fortune. Apple arbeitet seit dem Motorola ROKR mit dem Mobilfunk-Anbieter zusammen. Dabei habe Steve Jobs die leidvolle Erfahrung gemacht was passiert, wenn der Netzwerkbetreiber dem Handy-Hersteller die Vorgaben macht und nicht umgekehrt: Das ROKR war unausgegoren und flopte. Mit dem iPhone wollte Jobs es besser machen, grundsätzlich waren sich die beiden Firmen sympathisch. Noch ohne auch nur eine Skizze eines künftigen iPhones zu haben, beschlossen Steve Jobs und Stan Sigman, Chief Executive von Cingular, zusammen über mehrere Jahre Hinweg ein Apple-Handy zu entwickeln.  

Apple Apple sein lassen

Cingular vertraute Apple. Der iPod-Hersteller hatte bei Hardware-Entwicklung und der Feature-Auswahl freie Hand und ließ "Apple Apple sein", beschreibt eine Führungskraft von Apple die Kooperation. Und so arbeiteten die beiden Firmen etwa zusammen an einer visuellen Lösung für die Darstellung von Sprachnachrichten. Auf dem iPhone kann der Anwender die eingegangenen Nachrichten einzeln über eine Grafik anwählen und nicht, wie sonst üblich, der Reihenfolge nach über das Menü der Mailbox. Auch Cingular bekam das iPhone nur einige Wochen vor der Keynote zu sehen, stattdessen entwarf Apple mehrere Schein-Handys, die die Cingular-Manager und auch die eigenen Mitarbeiter zu sehen bekamen.  

Jony Ive und das Design

Während kaum einer das wirkliche Gerät kannte, arbeitete Chef-Designer Ive dem eleganten Design des Gerätes, schreibt Fortune. Nachdem der Druck immer größer wurde, entschloss sich Apple das iPhone bereits Monate vor der Fertigstellung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Da der Mac-Hersteller auf die Genehmigung der Federal Communications Commission (FCC) angewiesen ist während dieser Phase keine Kontrolle über die Geheimhaltung hat, zog Steve Jobs es vor, den Alleskönner selbst vorzustellen.  

Das ist geheim

Besonders schwierig muss die Geheimhaltung gegenüber der Familie und Freunden gewesen sein, berichtet Fortune. Denn in den letzten Monaten haben viele Mitarbeiter zahllose Überstunden gemacht und ihre Ferien für das iPhone geopfert. Auf seiner Keynote dankte Firmen-Boss Jobs deshalb auch ausdrücklich den Angehörigen der involvierten Mitarbeiter. Denn trotz der Einschnitte in ihr Privatleben wussten die Familien-Mitglieder nichts von dem Wunder-Handy. Phil Schiller, Apples Kopf für das Marketing, hielt auch vor seiner Frau und den Kinder die Entwicklung des iPhones geheim, erzählt der Bericht. Als Schiller sich am Tag der Keynote auf den Weg macht fragt ihn sein Sohn: Dad, kannst du uns nun endlich sagen, woran du gearbeitet hast?".

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