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Fehlerquoten verhindern Durchbruch der Biometrie

13.02.2003 | 10:42 Uhr |

Für die Einwohner der chinesischen Region Macao hat die digitale Zukunft schon begonnen. Während in Deutschland noch über das Für und Wider eines digitalen Fingerabdrucks im Personalausweis diskutiert wird, haben die ersten Einwohner die High-Tech-Ausweise "Made in Germany" dort schon in der Tasche. In diesen Wochen liefern die Münchner Firmen Siemens und Giesecke & Devrient die Karten an die rund 460 000 Einwohner der ehemaligen portugiesischen Kolonie aus. In Deutschland haben die Hersteller biometrischer Ausweise oder Zugangskontrollen bislang kaum Abnehmer für ihre Produkte gefunden. Wegen hoher Fehlerquoten bei der Identifizierung anhand von Fingerabdruck, Iris oder Gesichtsvermessung breiten sich biometrische Kontrollsysteme in Deutschland nur langsam aus.

Auf der weltgrößten Computermesse CeBIT im März in Hannover werden die Firmen wieder versuchen, auch bei den deutschen Kunden Vertrauen für die Technologie zu wecken. "In Asien sind die Berührungsängste gegenüber der Biometrie viel geringer", sagt der Chef der Hamburger Biometrie-Firma Dermalog, Günther Mull. Bislang erzielt seine Firma rund 99 Prozent des Umsatzes im Ausland. Das aus einem Universitätsprojekt hervorgegangene Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, bei dem die Merkmale des Fingerabdrucks vermessen und in einen maschinenlesbaren Zahlencode umgewandelt werden. Bereits vor mehr als zwei Jahren hat Dermalog nach Angaben von Mull Personalausweise mit digitalem Fingerabdruck an die Einwohner von Brunei geliefert, Aufträge aus Brasilien und in der Ukraine folgten. "Die Erfahrungen dort sind sehr gut", sagt Mull. Die Fehlerquote liege bei deutlich unter einem Prozent.

Auch in Deutschland ist das Interesse an den neuen Personalausweisen spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September gro?. Durch ƒnderungen des Pass- und Personalausweis- Gesetzes hat die Bundesregierung schon die Voraussetzungen geschaffen, um neben dem Passfoto und der Unterschrift weitere biometrische Merkmale von Fingern, Händen, oder Gesicht in den Personalausweis aufnehmen zu können. Wann die neuen Personalausweise in Deutschland kommen werden, ist aber noch ungewiss. "Wir prüfen derzeit, welche Verfahren es gibt", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Erst wenn diese Prüfung abgeschlossen ist, werde eine Entscheidung gefällt. Dermalog ist nach eigenen Angaben im Rennen für den Gro?auftrag. "Wir rechnen uns gute Chancen aus."

Das größte Problem der Biometrie sind noch immer hohe Fehlerquoten. Während die Systeme kleinere Nutzergruppen inzwischen recht zuverlässig erkennen, ist spätestens bei Massenanwendungen für mehrere Zehntausend Nutzer Schluss. "Die Technik einer massentauglichen Identifizierung und Authentifizierung von Personen auf der Basis von Körpermerkmalen steckt offenbar noch in den Kinderschuhen", lautete das ernüchternde Fazit eines Praxistests der Computerzeitschrift "c't" im vergangenen Jahr. Die Zeitschrift hatte die Produkte getestet, die auf der CeBIT im vergangenen Jahr vorgestellt worden waren. Zum Teil lie?en sich die Systeme schon durch Fingerabdrücke überlisten, die die Tester von einem Trinkglas auf einen Klebefilm übertragen hatten. Gesichts-Erkennungssysteme fielen zum Teil sogar auf Fotos herein. dpa

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