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Filter "erbärmlich": Napster weiter von Schließung bedroht

11.04.2001 | 00:00 Uhr |

Die umstrittene
Musiktauschbörse Napster hat am Dienstag (Ortszeit) die Übernahme der
Internet-Technologiefirma Gigabeat bekannt gegeben. «Gigabeat hat
einige für uns sehr interessante und innovative Technologien
entwickelt», sagte Napster-Chef Hank Barry. Zugleich droht der
Tauschbörse weiterhin die Schließung. US-Bundesrichterin Marylin Hall
Patel bezeichnete bei einem erneuten Gerichtstermin die Bemühungen
der Tauschbörse zum Schutz copyright-geschützer Musik als
«erbärmlich».

Unterdessen bauen die großen Musikunternehmen ihre eigenen
Musikvertriebskanäle im Internet aus. «Nach den Ankündigungen der
vergangenen Woche glaube ich, dass die Großen Napster nicht mehr
brauchen», sagte ein Analyst des Marktforschungsinstituts Gartner
Inc. Erst vergangenen Montag hatte der französische Medienkonzern
Vivendi Universal den Napster-Konkurrenten eMusic übernommen.
Zusammen mit Sony Music und Yahoo will der Konzern seine Musik über
das Internet für Abonnenten zugänglich machen. Bertelsmann, AOL Time
Warner und EMI hatten ihrerseits mit MusicNet eine kostenpflichtige
Großhandels-Plattform im Internet angekündigt. Über den
Vertriebskanal soll es künftig auch Napster möglich sein, Musik zu
erwerben.

Napster übt sich derweil in Optimismus. Immerhin verzeichnet die
kleine Firma rund 70 Millionen Nutzer. Mit der Übernahme von Gigabeat
verspricht sich die Tauschbörse zudem, den Auflagen des Gerichts
gerecht zu werden. Mit Hilfe der neuen Gigabeat-Technologie soll die
Tauschbörse eine bessere Filtermöglichkeit für geschützte Musiktitel
erhalten und den Kunden zugleich mehr Komfort bei der Suche nach
speziellen Songs bieten, hieß es in einer Mitteilung.

Patel hatte in ihrer einstweiligen Verfügung im März angeordnet,
dass Napster den ungehinderten Zugang zu lizenzierten Songs
verhindern muss. Nach eigenen Angaben hat Napster bereits 1,7
Millionen Musikdateien gesperrt. Zudem will das Unternehmen Nutzer
bestrafen, die die Sperren umgehen und sich geschützte Lieder
herunterladen. In einer Eingabe an das Gericht sagte Napster, dass
jeder dritte Angestellte inzwischen mit dem Blockieren der Songs
beschäftigt sei. Die Vereinigung der amerikanischen Musikindustrie
(RIAA) wirft Napster dagegen weiter vor, dass die meisten
urheberrechtlich geschützten Titel noch immer verfügbar seien.
dpa

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