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Zeit: Apple macht Centbeträge im Internet erst möglich

01.03.2011 | 14:01 Uhr |

Apples iTunes Store ist das bislang erfolgreichste Bezahlsystem für digitale Inhalte. Die Konkurrenz wächst setzt Apple jedoch unter Druck – die 30-Prozent-Provision könnte Verlagen auf Dauer zu hoch werden.

iTunes Ganzes Fenster
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Apple sieht sich dem Vorwurf der Gier ausgesetzt, seit der Anbieter des App Store von Verlagen fordert, neben eigenen Abo-Modellen auch Zeitungs- und Zeitschriften-Abos über den iTunes Store abzurechnen. Damit gehen die obligatorischen 30 Prozent Umsatzbeteiligung an Apple, Verlage dürfen den Apple-Anteil nicht über höhere Preise im App Store finanzieren. Die Aufregung der Verlegerverbände ist auf den ersten Block verständlich: Niemand will ein Drittel des Preises für die Dienstleistung an Apple bezahlen.

Diese ist aber nicht so unscheinbar wie sie manche sehen: Apple hat mit dem iTunes Store ein Ökosystem aufgebaut, das perfekt auf die Geräte mit dem Apfel-Logo abgestimmt ist. Hinzu kommt, dass der Store derzeit die bei weitem meisten Apps und digitalen Inhalten im Netz bereitstellt. Käufer schätzen die Bequemlichkeit, nicht wegen jeder einzelnen Transaktion Geld überweisen zu müssen, sondern am Ende des Monats den Gesamtbetrag per Kreditkarte begleichen zu können. Die Mindestpreise für Apps und Songs im iTunes Store betragen 0,79 Cent. Beim Einzelkauf in solchem Kleinformat sind aber Transaktionskosten fällig, die zur Zeit bei 20 Cent pro Minibuchung betragen, wie Götz Hamann in der aktuellen Ausgabe der "Zeit" (2001/09) berichtet. Rechnet man noch den Betrieb von iTunes dazu, kann Apple erst bei den Beträgen über mehr als 70 Cent seine Kosten decken, rechnet Hamann aus.

Man muss den Konzern aus Cupertino wegen der roten Zahlen nicht bemitleiden - schließlich ist es unwahrscheinlich, dass Apple Geschäftsmodell über mehrere Jahre hartnäckig betreiben würde, wenn es nicht erfolgreich wäre (letztes Gegenbeispiel: Xserve ). Der andauernde Hype um iPhone und iPad hat das starke Wachstum der Download-Zahlen und Umsätze im iTunes Store verholfen. Allein im deutschen Store stiegen die Umsätze in 2010 auf 357 Millionen Euro . Dieser Erfolg aber fußt auf der Risiko-Bereitschaft Apples - der iTunes Store bot als einer der ersten seiner Art legale Inhalte im Internet, als noch diverse Tauschbörsen wie Napster oder Limewire im Netz florierten. Zu seinen Entstehungszeiten hatte Apple den Store höchstwahrscheinlich über den iPod subventioniert, behauptet Hamann in seinem Artikel und liegt wohl damit nicht verkehrt. Mittlerweile ist es eher so, dass iTunes und App Store einerseits und die Hardware andererseits sich gegenseitig stützen.

Mit der Zeit werde sich zeigen, ob Apple mit der steigenden Konkurrenz von Googles One Pass und anderen Anbietern sein Abo-Modell an die realen Transaktionskosten anpassen muss. Noch argumentiert Hamann, Apple erhebe eine Prämie für die Leistung, überhaupt einen Bezahlservice für Kleinstbeträge etabliert zu haben. Mit der Zeit könne Apple aber keine derartigen Forderungen stellen , denn Google bietet den Verlagen sein Abo-Modell auf Android-Tablets mit einer Provision von zehn Prozent an. Google räume ein, mit One Pass bewusst Verlust zu machen, um seine eigene Währung zu etablieren - setzt Apple damit aber unter Druck, seine Gebühren an die tatsächlichen Transaktionskosten anzupassen, die bei Beträgen von mehreren Euro wahrlich keine 30 Prozent des Umsatzes ausmachen dürften.

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