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Deutsche Wirtschaft kommt mit Riesenschritten aus dem Tief

02.07.2010 | 07:33 Uhr |

Die deutsche Wirtschaft kommt mit unerwartet großen Schritten aus dem tiefsten Konjunkturtal der Nachkriegsgeschichte.

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Der Bund will deswegen die staatlichen Hilfen für Unternehmen voraussichtlich zum Jahresende auslaufen lassen. Wegen der Krise angeschlagene Firmen könnten nur noch bis zum 31. Dezember Anträge auf Kredite und Bürgschaften aus dem Deutschlandfonds stellen, kündigte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Donnerstag im Bundestag an. "Derzeit sehe ich keinen Grund, den Fonds darüber hinaus weiterlaufen zu lassen."

Wichtige Wirtschaftszweige stützen den Optimismus: Die Technologiebranche sieht sich sogar bereits auf dem Niveau vor der Krise, wie der Verband Bitkom berichtete. Dem Arbeitsmarkt kommt das zugute: Jedes zweite Unternehmen wolle in diesem Jahr zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. Die Informations- und Telekommunikations-Industrie sieht sich mittlerweile als einer der wichtigsten Industriezweige - bei der Bruttowertschöpfung noch vor der Automobil-, Elektro- und chemischen Industrie.

Auch die Schlüsselbranche Maschinenbau holt kräftig auf: Der Verband VDMA sieht einen stabilen und vor wenigen Monaten noch nicht erwarteten Aufwärtstrend für die in weiten Teilen exportorientierte Branche. "Die Order-Kurve des deutschen Maschinen-und Anlagenbaus zeigt weiter stetig bergauf. Die Wachstumsdynamik ist nach wie vor ungebrochen", erklärte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Im Mai verzeichneten die Unternehmen der Branche einen um 61 Prozent gewachsenen Auftragseingang. Das Rekordplus ist zum Teil auf einen Basiseffekt zurückzuführen, da im Mai 2009 laut VDMA "der absolute Tiefpunkt" bei den Auftragseingängen in Folge der nun überwundenen Wirtschaftskrise zu verzeichnen war.

Das Vorkrisenniveau sei mit dem neuerlichen Anstieg der Bestellungen aber noch nicht erreicht, sagte der VDMA- Konjunkturexperte Olaf Wortmann. Man habe fast das Niveau der Aufschwungjahre 2005/06 erreicht, verfüge aber inzwischen über erweiterte Kapazitäten. Die Produktion ist nach seiner Einschätzung derzeit zu etwas mehr als 80 Prozent ausgelastet, anzustreben seien 84 bis 86 Prozent.

Nach Einschätzung Brüderles steht Deutschland vor einem stabilen Aufschwung: "2011 wird sich die Erholung allen Prognosen zufolge fortsetzen." Die Perspektiven für die Weltwirtschaft hätten sich aufgehellt. Von der starken Nachfrage vor allem in Asien profitiere die Exportindustrie. "Nicht nur bei Daimler, Audi und BMW gibt es Sonderschichten. Auch viele Mittelständler fahren die Kapazitäten hoch." Angefeuert wird die deutsche Konjunktur auch von der Abwertung des Euro.

Die Arbeitslosigkeit könne im laufenden Jahr unter die Drei- Millionen-Marke fallen. "Wir erleben in Deutschland ein gar nicht so kleines Jobwunder", sagte Brüderle. Mit einer Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent stehe man deutlich besser da als die USA (9,9 Prozent) und die Euro-Länder (10,1 Prozent). Forderungen der USA und von EU-Partnern, Europas größte Volkswirtschaft solle mit höheren Schulden neue Konjunkturprogramme finanzieren und die Löhne zur Stärkung des Konsums drastisch anheben, wies er zurück. "Das wäre eine Art schleichende Griechenlandisierung der deutschen Wirtschaftspolitik."

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