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Hacker stiehlt vertrauliche Twitter-Dokumente

16.07.2009 | 13:15 Uhr |

Ein US-Technikblog hat interne Dokumente des Webunternehmens Twitter veröffentlicht. Ein Hacker behauptet, die Daten gestohlen zu haben und bot sie dem Blog an. Dies entfacht auch eine Debatte über Medienethik.

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© Twitter

Das US-Blog Techcrunch hat interne Unterlagen von Twitter veröffentlicht. Ein Hacker, der sich "Hacker Croll" nennt, soll dem Blog diese Daten zugespielt haben. Auch andere Blogger berichten, dieses Angebot erhalten zu haben, lehnten aber ab. Der Hacker hat die Unterlagen offenbar bereits im Mai gestohlen. Schon damals hatte er sich an Medien gewandt und mit Screenshots mit seiner Tat geprahlt. Offenbar nutzte er in beiden Fällen keine Sicherheitslücke von Twitter, sondern knackte E-Mail-Accounts von einem oder mehreren Twitter-Mitarbeitern indem er die Passwörter erriet oder durch die "Wiederherstellen"-Funktion herausfand. Von dort aus konnte er weitere Nutzerkonten des Anwenders angreifen.

Mit heruntergelassenen Hosen

Unter den rund 300 Seiten sollen Finanzunterlagen, Protokolle von Bewerbungsgesprächen und zahlreiche weitere brisante Daten sein. Überraschende Enthüllungen bieten die Unterlagen aber offenbar nicht. So hat Techcrunch bislang eine Wachstumsprognose veröffentlicht, die für ein optimistisches Selbstbild spricht. Twitter erwarte laut dieser Daten beispielsweise eine Milliarde Nutzerkonten, 1,5 Milliarden Dollar Umsatz und 1,1 Milliarden Dollar Gewinn im Jahr 2013. Twitter selbst bekräftigt, dass dies kein Angrif auf Twitter, sondern auf Nutzerkonten bei Google Docs gewesen sei, wo diese Daten aufbewahrt würden.

Twitter dementiert die Echtheit der Unterlagen nicht. Dennoch zeigt man sich verärgert. Die Dokumente enthielten zwar keine überraschenden Enthüllungen, dennoch fühle man sich, als ob einem jemand die Hose heruntergezogen hätte, so das Unternehmen im eigenen Blog. Derzeit prüft Twitter, ob man gegen den Hacker oder das Blog juristisch vorgehen könne.

Der Fall hat vor allem in den USA eine Diskussion über Ethik in den Medien ausgelöst. Die Unterlagen sind auf mutmaßlich illegalem Weg beschafft worden und rechtfertigen die Veröffentlichung nicht durch etwa "öffentliches Interesse". Bislang hat Techcrunch den Fall eher aufgebauscht und inszeniert. Die Geschichte der Dokumente steht mehr im Mittelpunkt, als dass diese Quellen tatsächlich für einen großen Artikel über Twitter herhalten. Ein Fortsetzungsroman ohne viel Informationsgehalt. Nach Aussage des Blogs seien die wenigen veröffentlichten Informationen mit Twitters Anwälten ausgehandelt. So veröffentlicht Techcrunch bislang nur die kurze Übersicht über Twitters Zukunftsplanung. Twitter-Verantwortliche dementieren, dass es ein Einverständnis zur Veröffentlichung gibt.

Kein öffentliches Interesse

Es gibt aber offenbar keine brisanten Geschäftsbeziehungen von Twitter, keine skandalösen Geheimverträge, die jetzt aufgedeckt werden. Lediglich dass dem beliebten Webdienst Unternehmensunterlagen gestohlen wurden, ist eine Nachricht. Journalisten dürfen vertrauliche Informationen als Quelle für Enthüllungen benutzen. Dies scheint hier jedoch nicht der Fall zu sein. Beinahe unkommentierte Finanzhochrechnungen haben kaum Nachrichtenwert. Techcrunch hat dabei auch keine Schlüsse gezogen oder weiter recherchiert. So ist man nicht einmal der Frage nachgegangen, mit welchen Geschäftsmodellen Twitter beispielsweise seinen Umsatz in kurzer Zeit so drastisch steigern will wie geplant.

Das Blog Techcrunch ist schon zuvor mehrfach durch fragwürdige Enthüllungen aufgefallen. So stammt beispielsweise das Gerücht von Techcrunch, dass Apple Twitter kaufen wolle . Dies sorgte für weltweite Aufmerksamkeit, auch wenn diese Behauptung vielen wenig plausibel erschien. Twitter hat seine Lehren aus dem Fall gezogen: "Es geht darum, gute Richtlinien für sichere Passwörter aufzustellen."

Info: Techcrunch

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