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Fiorina sieht Abstimmung als gewonnen an

20.03.2002 | 11:58 Uhr |

Nach Einschätzung der HP-Chefin haben die Aktionäre von Hewlett-Packard der geplanten Fusion mit Compaq zugestimmt. Fusionsgegner Walter Hewlett hält den Jubel für verfrüht

Die Aktionäre der Hewlett-Packard Company haben nach Einschätzung von HP-Chefin Carly Fiorina den geplanten Zusammenschluss mit Compaq Computer Corporation genehmigt. Eine "kleine, aber entscheidende Mehrheit" habe das Projekt unterstützt, sagte Fiorina unter Berufung auf ihren Rechtsvertreter.

Weniger überzeugt zeigte sich Walter Hewlett, der Sohn des Firmenmitgründers William Hewlett, der zusammen mit anderen Gründer- Nachkommen 18 Prozent der HP-Aktien kontrolliert. Es sei verfrüht, schon jetzt das Ergebnis bekannt zu geben, sagte er nach der Abstimmung in der kalifornischen Kleinstadt Cupertino.

"Ich bin davon überzeugt, dass wir ebenso gute Chancen haben wie das Management", sagte Hewlett, der seit mehr als einem Jahrzehnt im HP-Verwaltungsrat sitzt. Niemand könne den Sieg verkünden, solange nicht alle Stimmen gezählt seien.

Das endgültige Ergebnis wird erst in mehreren Wochen vorliegen, doch einige der größten institutionellen Anleger haben sich für die Fusion entschieden. Mit einem Volumen von 21 Milliarden Dollar wäre es der größte Zusammenschluss in der Computerbranche.

Fiorina und Hewlett liefern sich seit Monaten ein erbittertes Gefecht um die künftige Orientierung des Unternehmens. Hewlett glaubt, das Zusammengehen mit Compaq würde HP noch tiefer ins PC-und Dienstleistungs-Geschäft hineinziehen, das nur geringe Gewinne abwirft. Er plädiert dafür, das lukrativere Druckergeschäft weiter auszubauen.

Fiorina vertritt den Standpunkt, die Compaq-Übernahme sei der beste Weg, um die Umsätze von Server-Computern und Dienstleistungen zu steigern. Mit 88 Milliarden Dollar Umsatz würden die zusammen gelegten Firmen Branchenzweiter und ein echter Konkurrent für IBM und Sun Microsystems werden, meinen Fiorina und ihre Manager.

Wie immer das Abstimmungsergebnis ausfällt, will Hewlett Mitglied des Verwaltungsrates bleiben. "Ich glaube, ich kann zur Wertsteigerung des Unternehmens beitragen", sagte er.

Hewletts Widersacher werfen dem 57 Jahre alten Harvard- Absolventen, Physiker und Musikliebhaber mangelnde Geschäftserfahrung vor. "Obwohl ich damit rechne, bei Hewlett-Packard auch künftig eine aktive Rolle zu spielen, werde ich meine Leben als Akademiker und Musiker wieder aufnehmen", sagte er.

Die Wall Street reagierte negativ auf die näher rückende Wahrscheinlichkeit eines HP-Erfolgs. Am Dienstag fielen die Aktien des 1939 gegründeten Unternehmens um 2,3 Prozent auf 18,80 Dollar. Seit die 47 Jahre alte Fiorina im Juli 1999 Chefin wurde, haben HP 26 Prozent ihres Wertes verloren.

An diesem Mittwoch steht die Entscheidung der Compaq-Aktionäre an. Compaq-Chef Michael Capellas sagte am Dienstag in Houston, er rechne mit einer deutlichen Mehrheit zu Gunsten des Zusammenschlusses. (dpa)

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