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Firefox 3: Wenn die Grenzen zwischen online und offline fallen

01.03.2007 | 14:07 Uhr |

Zwar mag Firefox 2 sich noch recht neu anfühlen und so lange ist der letzte Versionssprung auch gar nicht her, dennoch beschäftigen sich viele Mozilla-Entwicker bereits mit der nächsten Version.

Denn laut der aktuellen Roadmap steht schon bald wieder ein Versionssprung bevor: In der zweiten Jahreshälfte soll bereits Firefox 3 erscheinen. Vom Nachfolgebrowser sind schon einige Funktionen bekannt, auch ranken sich um den neuen Internet-Fuchs bereits eine Menge Geschichten. Mike Schroepfer, der zweite Chef-Entwickler bei Mozilla, hat jetzt in London manche bestätigt und sogar für neuen Geschprächsstoff gesorgt .

Die größte Neuerung in Firefox 3 wird die Annäherung zweier konträrer Welten sein: online und offline. Die Mozilla-Entwickler sehen den Browser in Zukunft als Schnittstelle zwischen lokalen und entfernten Anwendung und möchten in der nächsten Version bereits den Grundstein für eine neue Ära legen, die in Version 4 erst richtig spürbar wird. Warum setzen Anwender überhaupt noch auf lokale Adressverwaltungen, Kalender und andere wenig rechenintensive Anwendungen? Wegen der nahtlosen Integration in GUI und Haptik ihres Betriebssystems, mag eine mögliche Antwort lauten. Weil man mit lokaler Software auch offline Zugriff auf seine Daten hat, lautet ein zweites Argument. Doch das muss nicht so sein, meinen die Mozilla-Entwickler - und wenn es nach ihnen geht, ist diese Begründung schon bald obsolet. Denn während die einen auf Synchronisierung lokaler Anwendungen mit Webservern setzen, drehen die Mozilla-Macher den Spieß um: Sie wollen eine Schnittstelle für Online-Anwendungen schaffen, die das Arbeiten ohne Internet-Verbindung möglich macht. Dazu müssten Internetapplikationen Daten auf dem lokalen Computer speichern können - und zwar sicher, erklärt Mike Schroepfer. Die Entwickler hätten diese Hürde aber bereits genommen, verspricht er, und mit Version 3.0 werde die Funktion zur Verfügung stehen. Microsoft Office Live und Google Text & Tabellen mögen exemplarisch für die Zukunft von Web-Anwendungen stehen, Adobe hat soeben angekündigt, noch in diesem Jahr eine Web-Version von Photoshop online zu stellen ( wir berichteten ). Firefox will in Zukunft die lokale Anbindung an solche Dienste ausbauen. Die Verbindung zwischen Google und Mozilla ist bekannt und anscheinend fruchtbar , wen wundert es deshalb, wenn eine der ersten Neuerungen in Firefox 3 die Anbindung an Googles Mail-Dienst Gmail werden soll? Beispielsweise könnten Anwender dann Mails offline schreiben, so Schroepfer, der Browser werde sie dann verschicken, sobald wieder eine Verbindung zum Internet besteht. Auch eine Integration von Microsofts Hotmail sei möglich. Weiterhin stünden im Zentrum der Zukunftsplanung die Lesezeichen und die Verlauffunktion in Firefox. Bei beiden habe sich in der Vergangenheit nur wenig getan, jetzt entwickle man neue Ideen. Lesezeichen könnten bald automatisch sortiert werden - nach Popularität und Anzahl der Seitenbesuche beispielsweise. Der Verlauf wird in eine eingebaute Mini-Datenbank geschrieben, auf Wunsch kann das SQL-Lite-basierte System sogar alle besuchten Seiten mit Volltext speichern. Damit kann man den gesamten Cache nach Stichworten durchsuchen, etwa so, wie es Mac-User aus Spotlight kennen. Ob es die Funktion in Version 3.0 schaffen werde, so Mozillas zweiter Chef-Entwickler, sei allerdings nicht sicher. Firefox ist aber nicht nur ein Browser, sondern auch eine Plattform für tausende von Plug-ins. "Am Ende haben alle Anwender was davon", lobte Mozillas Europa-Chef die Erweiterbarkeit des Browsers im macnews.de-Interview . Wenn allerdings Hinz und Kunz Erweiterungen programmieren, kann die Sache auch aus dem Ruder laufen: Immer mehr Anwender klagen anscheinend über langsame Firefox-Browser und zu viel Prozessorlast, die teilsweise der Vielzahl an installierten und nicht immer optimal programmierten Plug-ins zu verdanken sei. Mit Firefox 3 will Mozilla auch eine Qualitätsoffensive für Erweiterungen starten: Dank einer neuen Code-Bibliothek soll es Hobby-Programmierern leicht fallen, qualitativ bessere Plug-ins zu erstellen. Außerdem werde Mozilla mit Foren und einer Community für mehr Austausch zwischen den Entwicklern sorgen. Die Aussichten auf Firefox 3 erinnern ein wenig an das, was man bislang von Mac OS X 10.5 weiß: Sie versprechen nicht die großen Neuerungen, sondern vollen vor allem im Detail verbessern und vereinfachen. Zudem ist es offensichtlich sowohl Apples als auch Mozillas Ziel, die Software aufzuwerten, indem man externen Entwicklern die Arbeit erleichtert. Während Core Animation und zahlreiche andere Techniken für mehr hochwertige OS X-Software sorgen sollen, strebt Mozilla nach mehr hochwertigen Firefox-Plug-ins. Auch wenn die Version 3.0 bereits sehr bald dem aktuellen 2.0-Release folgen soll, wird man ihr nach jetzigen Erkenntnissen den Versionssprung wahrscheinlich abnehmen. Und schon kurz danach steht Version 4 wohl auch wieder in den Startlöchern: mit weiteren kleineren Verbesserungen und Vereinfachungen - und mit JavaScript 2.0.

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