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Fix und fertig: Mac-OS X in Deutsch

22.03.2001 | 00:00 Uhr |

Besser als Linux und Windows soll Mac-OS X nach Angaben zahlreicher Experten sein. Wir haben die finale Version gründlich unter die Lupe genommen und zeigen, wie gut Mac-OS X wirklich ist.

Schön und schnell wie ein Ferrari, leistungsstark wie ein Kenworth-Truck und revolutionär wie die Brennstoffzelle, so sieht der kalifornische Computerhersteller Apple sein neuestes Produkt. Im Gegensatz zu den Hits der letzten Jahre, die wie der iMac, das Powerbook G4 aus Titan oder der superflache und 21 Zoll große LCD-Bildschirm Cinema Display alle aus dem Hardwarelager kamen, will Apple nun mit einem Betriebssystem für Furore sorgen. Am 24. März soll mit der weltweiten Einführung von Mac-OS X (sprich "zehn") für die mehr als 30 Millionen Mac-Anwender eine neue Zeitrechnung beginnen. Apple liefert parallel zur Cebit das Next-Generation-OS aus, das mit seinen starken Linux-Anleihen den nächsten großen Wurf darstellen soll.

Ende der Odyssee

Mit dem neuen System geht für den in den letzten Monaten schwer gebeutelten Mac-Hersteller eine lange Odyssee zu Ende. Die von Computerpionier Steve Jobs geführte Firma, die 1984 mit dem Mac weltweit den Standard für grafische Benutzeroberflächen bei PC-Betriebssystemen geschaffen hat, musste in den 90er Jahren zusehen, wie Microsoft mit Windows zum erfolgreicheren Betriebssystemanbieter wurde. Während das Mac-OS lange Zeit als einziger Windows-Konkurrent für viele Microsoft-Gegner das System der Wahl war, verlor die Mac-Company diese Position Ende der 90er Jahre an die Linux-Gemeinde.

Nachdem Apples Bemühungen, das Betriebssystem gründlich zu modernisieren, mit dem Projekt Copland zu Grabe getragen wurden, entschloss sich das Unternehmen unter der damaligen Führung von Gil Amelio zu einem waghalsigen Schritt. Am 20. Dezember 1996 gab Apple bekannt, die
Firma NeXT für 400 Millionen US-Dollar zu übernehmen. Deren Chef war kein Geringerer als der ehemalige Apple-Gründer Steve Jobs, der kurz nach der Macintosh-Premiere 1984 das Unternehmen im Zorn verlassen hatte. Mit NeXT bekam Apple die Rechte an dem Betriebssystem Nextstep, den objektorientierten Entwicklungstools und dem Application-Server Web Objects.

Unix-Leistung im Mac-OS-Look

Das neue System, das in seiner Grundstruktur dem früheren Next-OS entspricht, liegt beim Thema Speicherschutz, preemptivem Multitasking und symmetrischem Multiprocessing gleichauf mit den Linux- und Unix-Konkurrenten. Wie Linux setzt auch Apple mit der Vergabe von Open-Source-Lizenzen auf die geballte Entwicklungsarbeit unabhängiger Programmierer rund um den Globus. Diese erweitern und verbessern den Mac-OS-X-Kern Darwin, der unter anderem das Betriebssystem Free-BSD und den Kernel Mach 3.0 enthält. Darauf bauen die Windowing- und Grafikkomponenten von Mac-OS X auf. Im 2D-Bereich setzt Apple auf die Adobe-Technologie PDF, die systemweit als Ausgabeformat verfügbar ist. Bei der 3D-Darstellung kommt der Standard Open-GL und für Multimedia Apples eigene Quicktime-Technologie zum Einsatz.
Zwar lassen sich mit Mac-OS X auch ältere Mac-OS-Anwendungen benutzen, die eigentliche Leistungsfähigkeit des Systems können jedoch nur angepasste Programme nutzen. Bis zum Sommer 2001, so Apple-Boss Steve Jobs vor neun Wochen während der Macworld Expo in San Francisco, ist jedoch mit einer Flut neuer Anwendungen zu rechnen. Die Unterstützung der Software-industrie scheint Apple auch gesichert zu sein. Neben Microsoft, das im Herbst Office für Mac-OS X auf den Markt bringen will, haben sich renommierte Hersteller wie etwa Alias Wavefront, die mit ihrer 3D-Software Maya vor allem im Filmgeschäft erfolgreich sind, sowie Macromedia, Adobe, Corel, Inprise und SAS zu dem neuen System bekannt. In den nächsten Wochen und Monaten wollen sie mit der Auslieferung ihrer Programme beginnen.

Damit Mac-OS X eine "neue Benutzererfahrung" darstellt, haben die Apple-Programmierer eine animierte Oberfläche mit dem Namen Aqua geschaffen, die Schatten, Alpha-Blending und zahlreiche visuelle Effekte bietet. Dass auch Microsoft im neuen Jahrtausend noch lernfähig ist, zeigt die aktuelle Beta-Version von Windows XP, de-
ren neuer Look sehr an Mac-OS X erinnert. Ob es Apple mit Mac-OS X gelingt, an den Grundsäulen des Wintel-Imperiums zu wackeln, hängt davon ab, wie viel Unterstützung das Unternehmen aus der Industrie bekommt. Die US-amerikanische Wirtschaftszeitschrift Business Week setzt Mac-OS X im Vergleich mit Linux und Windows an
die erste Stelle.

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