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Flashspeicher für schnellere Festplatten und weniger Stromverbrauch

24.11.2006 | 14:02 Uhr |

Flash-Speicher soll als Ergänzung zur Festplatte Dateizugriffe schneller machen und Strom sparen, vor allem in Notebooks.

Bereits im im Frühjahr nächsten Jahres sollen erste Hybrid-Festplatten erscheinen, die zusätzlich zum ferro-magnetischen Speicher aktueller Modelle einen NAND-Flash-Puffer zur Verfügung stellen: Laut DigiTimes hat Brian Wickman, bei Seagate für die Region China verantwortlich, für März 2007 erste 2,5-Zoll-Hybrid-Speicher angekündigt. In der Zwischenzeit versucht Windows Vista das gleiche auf Basis des Betriebssystems. Und Intel hat für die nächste Notebook-Plattform "Santa Rosa", die ebenfalls Anfang 2007 erscheint, eine ähnliche Technik mit dem Namen "Robson" in Vorbereitung. Apple indes hält sich wie gewohnt bedeckt, doch auch der Mac-Hersteller wird sich der Technik auf Dauer wohl nicht verwehren. Was macht sie genau?

Flashspeicher kennt man bereits aus Handys, iPods, Fotoapparaten und allerlei anderen tragbaren Geräten. Doch schon seit längerer Zeit planen eine Reihe von Herstellern, den schnellen NAND-Flash auch in Computern zu verbauen, vor allem in Notebooks. Der Speicher hat zwei Vorteile: Zum einen bietet er eine deutlich bessere Zugriffszeit als aktuelle Festplatten ( laut Microsoft die acht- bis zehnfache), zum anderen benötigt das Lesen und Schreiben von Daten deutlich weniger Strom. Vom RAM unterscheidet ihn schließlich, dass er Daten auch dann beibehält, wenn man ihn nicht mit Strom versorgt.  

Auf dem Weg zur Flash-Festplatte

Einige Experten sehen Hybrid-Lösungen aus herkömmlichen Festplatten und NAND-Speicher nur als temporäre Zwischenlösung: Auf Dauer werde Flash die ferro-magnetischen Speicher völlig ersetzen, im Moment allerdings sind dafür die Kosten noch zu hoch und die NAND-Flashs zu kurzlebig.  

Ein Ansatz, drei Techniken

Drei verschiedene Ansätze werden schon bald versuchen, die Vorteile des Flash-Speichers mit denen der Festplatte zu kombinieren. Eine geringe Menge NAND-Flash (zischen 256 Megabyte und 4 Gigabyte) steht den herkömmlichen Festplatten dabei unterstützend zur Seite. Microsofts neues Betriebssystem Windows Vista bietet dafür eine Softwarelösung, die der Hersteller "ReadyBoost" nennt. Sie benötigt lediglich einen USB-Stick, auf den das Betriebsystem oft benötigte Daten auslagert und den es als Schreib- und Lesepuffer benutzt. Dadurch soll das Betriebssystem schneller starten, schneller auf Programme zugreifen können und die Festplatte häufiger in den Schlafmodus versetzen können, was Strom spart. Schließlich sind Festplatten neben dem Prozessor und dem Display die größten Stromfresser, was insbesondere die Einsatzdauer von Notebooks beschränkt.  

Intels "Robson"

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Intel mit einer neuen Plattform, die den Codenamen "Santa Rosa" trägt und ab Frühjahr 2007 in Notebooks zum Einsatz kommen soll. Sie ist speziell für den Merom-Prozessor ausgelegt, setzt auf einen neuen Chipsatz mit Namen "Crestline" und führt mit "Robson" eine neue Technik ein, die Intel bereits vor einem Jahr auf dem Intel Developer Forum in Taiwan vorgestellt hat: Robson integriert Flash-Speicher direkt auf dem Mainboard und verwendet ihn ähnlich wie Vistas "ReadyBoost"-Technik zum schnelleren Zugriff auf Daten und zum Sparen von Strom. Ob dazu spezielle Treiber des Betriebssystems nötig sind, ist noch nicht bekannt. Ebenso wenig, ob Apple die Robson-Technik mit einer der kommenden Mac OS X-Versionen unterstützen wird.  

Hybrid-Festplatten

Der dritte Ansatz stammt von den Festplatten-Herstellern selbst. Wenn Seagate im März eine Hybrid-Festplatte für Notebooks auf den Markt bringt, wird sich der NAND-Flash direkt im Festplattengehäuse befinden. Allerdings ist auch hier noch nicht klar, ob solche Doppelspeicher spezielle Treiber oder eine spezielle Integration ins Betriebssystem benötigen werden oder einen Teil ihrer Vorteile auch mit Bordmitteln ausspielen können. Microsoft jedenfalls hat unter dem Namen "ReadyDrive" bereits eine Technik in Windows Vista integriert, die die Kommunikation des Systems mit Hybrid-Platten gewährleisten soll.  

Nachteile und Risiken

Neben den genannten Vorteilen hat der Einsatz von Flash-Speicher als Ergänzung zur Festplatte auch Nachteile. Kritiker warnen vor der Kurzlebigkeit der Speichermedien, die laut Wikipedia-Eintrag bereits "nach 100.000 Lese- und Schreibzyklen" den Geist aufgeben können. Die eWeek warnte im vergangenen Juni gar vor einem "Flash-Alptraum Vista", vor Datenverlusten und und unzuverlässigen Systemen. Inzwischen allerdings haben sich mehrere Experten zu dem Thema geäußert und die Technik verteidigt, sie sei wasserfest. Matt Ayers, Programm-Manager der Microsoft Windows Client Performance Gruppe, erklärt in Tom Archers Blog : Im Falle eines Ausfalls des NAND-Speicher lägen stets Backups vor, außerdem sorge eine intelligente Technik für möglichst geringe Belastungen. Er verspricht: "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass wir aus Flash-Geräten, die wir unterstützen, mindestens zehn Jahre herausholen können." Ob das stimmt, wird sich im praktischen Einsatz erweisen müssen, ebenso die Lebensdauer des NAND-Flashs in Hybrid-Festplatten und auf dem Mainboard. Und falls wirklich mal ein Speichermodul ausfällt, wird man es dann auf Robson-Mainboards oder in den Festplatten austauschen können? Drei Techniken und ein Ansatz lassen vermuten, dass Flashspeicher auch bald in Macs Einzug halten werden, zunächst vielleicht in tragbaren Geräten. Bereits Anfang 2006 brachte DigiTimes auch entsprechende Gerüchte auf ( wir berichteten ). Vom Mac-Hersteller selbst gibt es dazu allerdings noch keinerlei Verlautbarungen. Vielleicht bringt Mac OS X 10.5, das ebenfalls im Frühjahr 2007 erscheinen soll, mehr Aufschluss.

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