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Formatfragen bei Hörbüchern aus dem Internet

11.04.2005 | 11:22 Uhr |

Ob die Brenner seiner Kunden heißlaufen, interessiert Harald Rieck nicht. Und wie oft sie die bei ihm im MP3-Format erstandenen Hörbücher umformatieren auch nicht. Hauptsache, sie geben die vorgelesenen Bücher nicht illegal weiter. Dann kommt er ihnen auf die Schliche: Denn der Betreiber des Hörbuchportals «soforthoeren.de» aus Rottenburg setzt auf digitale Wasserzeichen.

Wir gängeln unsere Kunden nicht», sagt Rieck. Entscheidend sei, dass der Nutzer keine technischen Probleme mit den Dateien hat. Und weil die Anschaffung eines teuren Abspielgerätes nicht vor dem Hörgenuss kommen soll, bietet Rieck Hörbücher online im weit verbreiteten MP3-Format an. Im Gegensatz zum Konzept der digitalen Rechteverwaltung (Digital Rights Management, DRM), mit der andere Anbieter die illegale Weitergabe durch spezielle Dateiformate und Abspielgeräte sowie durch Kopierschutzmechanismen verhindern wollen, setzen digitale Wasserzeichen dem Kunden keine Grenzen.

«Wir bauen in die Dateien Seriennummern wie bei Geldscheinen ein», erklärt Michael Kip vom Fraunhofer Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI) in Darmstadt, das die Wasserzeichen entwickelt hat. «Dabei werden geringfügige Frequenzänderungen vorgenommen, die nicht hörbar sind und auch nicht beseitigt werden können.» Die Nummern werden erst beim Herunterladen der Hörbuchdateien erzeugt und dem jeweiligen Käufer zugeordnet.

Diesen digitalen Fingerabdruck des Käufers werden die Tondateien laut Kip nie mehr los - nicht mit ausgeklügelter Software und auch nicht durch das erneute Digitalisieren von Hörbüchern, die beispielsweise analog mit der Stereoanlage aufgenommen wurden. Tauchen an Freunde verschenkte - und von diesen wiederum weitergegebene - Kopien im Internet auf, kann der ursprüngliche Käufer dafür haftbar gemacht werden.

«Theoretisch können Sie zurückverfolgen, von wem das Material stammt, ob es praktisch dazu kommt, sei dahingestellt», sagt Arik Meyer, Geschäftsführer des Hörbuchportals «audible.de». «Audible.de» setze daher auf DRM und bietet Hörbücher ausschließlich in einem eigenen Format an.

Die Tonqualität der Audible-Dateien soll laut Meyer im Vergleich zu MP3 besser sein, weil bei der Kompression der Daten der Frequenzbereich der Stimme besonders geschont wird. Das Format hat zudem bei Hörbüchern mit langen Laufzeiten Vorteile gegenüber MP3: «Ich muss mir gar nicht merken wo ich war«, sagt Meyer. Wie bei einer Audiocassette wird eine Geschichte an der Stelle fortgesetzt, an der sie unterbrochen wurde.

Für diesen Komfort müssen Kunden aber mit eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten in Kauf nehmen: Sämtliche Dateien sind laut Audible zwar mit der entsprechenden Software auf einem PC und Mac abspielbar und können sogar einmal auf CD gebrannt und über den CD-Player wiedergegeben werden. Doch auf vielen No-Name-MP3-Playern bleiben sie stumm.

Genau dies ist nach Ansicht von Harald Rieck von «soforthoeren.de» aber auch der Knackpunkt: Er wolle schließlich Hörbücher verkaufen und keine Abspielgeräte, kritisiert er. DRM bestrafe den ehrlichen Nutzer, weil es immer Hacker geben werde, die früher oder später einen solchen Kopierschutz umgehen können - und die dann alles illegal tauschen, ohne dafür belangt zu werden.

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