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Forscher: Internet fördert suchtähnliches Verhalten

11.09.2000 | 00:00 Uhr |

Häufiges Surfen im Internet schadet besonders psychisch labilen Menschen. Einer am Montag veröffentlichten Studie der Münchner Universität zufolge hatten rund vier Prozent von 1.000 Befragten ernste Probleme durch die häufige Nutzung des Internets. Bei diesen Betroffenen habe bereits eine psychiatrische Erkrankung bestanden, sagte Professor Ulrich Hegerl. Sie hätten unter Depressionen, Angstneurosen und anderen Manien gelitten. Alle hätten eines gemeinsam: Sie seien nicht selbstbewusst und suchten im Internet nach Kommunikation, Partnerschaften oder neuen Freunden.

Als Beispiel nannte Hegerl Hausfrauen, die nachmittags stundenlang im Netz chatten, oder Anleger, die ständig die Entwicklung der Aktienkurse verfolgen. Die am meisten angeklickten Webseiten der Betroffenen seien Chats, an zweiter Stelle stünden Sexseiten. Viele Betroffene steigerten im Netz ihr Selbstwertgefühl und flüchteten aus ihrer Realität.

Das Internet fördere suchtähnliches Verhalten, weil es "jeden Tastenklick sofort belohnt", sagte der Wissenschaftler. Die Anonymität des Internets gebe vielen sonst unsicheren Menschen große Sicherheit. Dabei handele es sich zumeist um Männer, die im Durchschnitt 28 Jahre alt sind. Bei vielen hätte zuvor Drogen- oder Alkoholabhängigkeit oder eine Spielsucht bestanden. dpa/ab

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