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Forscher benötigen Macs als Erdbeben-Wächter

24.04.2008 | 09:27 Uhr |

Das weltweit größte Netzwerk für Erdbebenforschung soll zunächst mit Hilfe von MacBook und MacBook Pro-Geräten entstehen - mit den Ihren. Die Bewegungssensoren der tragbaren Computer können Beben auf der ganzen Welt registrieren und übers Internet an einen Server amerikanischer Forscher schicken. Der wertet die Daten aus und hilft Seismologen, mehr über Erdbeben zu erfahren.

Eigentlich sollte der Bewegungssensor im Macbook nur die Festplatte davor bewahren, im Falle eines Sturzes Schaden zu nehmen. Doch seit er in tragbaren Macs steckt, überlegen sich Entwickler, zu welchem Zweck man ihn noch alles einsetzen kann. Sie funktionieren den Mac zur Wasserwaage um, zum Laserschwert und zur Alarmanlage. Mehr als nur eine Spielerei allerdings ist die Idee einiger Wissenschaftler, die sie soeben in die Tat umsetzen: Sie wollen die Bewegungssensoren in tragbaren Macs auf der ganzen Welt dazu verwenden, einen gigantischen Seismographen aufzubauen, der Bodenerschütterungen durch Erdbeben in allen Ländern registriert. "Die Wahrscheinlichkeit für ein extremes Erdbeben in Kalifornien innerhalb der nächsten 30 Jahre liegt bei 99,7 Prozent", schreibt Focus Online und so verwundert es kaum, dass die Idee für das Projekt aus dem gefährdeten Bundesstaat an der Westküste der USA stammt.

Erst vor einer Woche hat eine Gruppe von Erdbebenforschern, darunter die US-Behörde "Geological Survey", eine neue Studie vorgestellt, nach der Kalifornien bis 2037 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zumindest mit einem Beben der Stärke 6,7 heimgesucht werden wird, die Wahrscheinlichkeit für ein katastrophales Erdbeben mit einer Stärke von mindestens 7,5 liegt immerhin noch bei 46 Prozent. Nun sollen sich Architekten, Behörden und die Bewohner Kaliforniens auf das Beben nahe des Hayward-Graben und des San-Andreas-Graben vorbereiten. Doch auch die Seismologen arbeiten an Lösungen: Sie wollen Erdbeben genauer und mit größerem Abstand voraussagen können. Dafür benötigen sie Aufzeichnungen jedes Bebens - nicht nur aus Kalifornien, sondern aus der ganzen Welt. Ein Bewegungssensor steckt im MacBook, im MacBook Pro und in einigen Vormodellen ab dem Herstellungsjahr 2005. Das Quake-Catcher Network benutzt die Sensoren, um Beben aufzuzeichen - sie nehmen nämlich nicht nur wahr, wenn das Gerät zu Boden fällt, sondern reagieren bereits kleinste Erschütterungen. Wer mitmachen will, muss lediglich die von den Wissenschaftlern entwickelte Software aufspielen. Benutzt er dann drei Minuten lang sein Notebook nicht, so verwandelt es sich in einen Seismographen. Gegen Fehler in den Aufzeichnung, etwa wenn die S-Bahn vorbeifährt und die Dielen wackeln, soll eine große Masse von Anwendern helfen - je mehr mitmachen, desto besser. Der Quake-Catcher-Server nämlich vergleicht alle gesammelten Daten miteinander und entscheidet dann, ob wirklich ein Beben stattgefunden hat. Zusätzlich bitten die Initiatoren teilnehmende Hobby-Seismologen in aller Welt, ihnen nach einem Beben eine kurze Mail zu schicken.

Für das Zusammentragen der Informationen übers Internet benutzt Quake-Catcher die BOINC-Plattform der Berkeley-Universität. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung der SETI@home-Technik, mit der vor einigen Jahren tausende von Computerbenutzern die ungenutzte Rechenleistung ihrer PCs dafür verwendeten, Daten von Radioteleskopen nach Anzeichen für Intelligenz im All zu durchforsten. Inzwischen kann man mit BOINC einige Zwecke mehr verfolgen und bei der Berechnung von Klimamodellen helfen oder bei der Krebsforschung. Quake-Catcher will das größte Netzwerk für Erdbebenforschung der Welt werden. Das Projekt befindet sich noch in der Anfangsphase und ist auf mindestens drei Jahre angelegt. Bislang können nur Besitzer eines tragbaren Macs mitmachen, die Unterstützung für weitere Geräte und ein USB-Sensor für Desktop-Computer sollen folgen.

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