Die Detaildarstellung der soeben korrigierten Bildversion könnte besser sein, die Farben frischer. Mit einigen Auswahl- und Ebenentechniken lassen sich lokale Bildpartien sowie der Gesamteindruck weiter optimieren. Da für einige der bereits beschriebenen Schritte effektivere oder alternative Techniken zur Verfügung stehen, beginnt Schritt 5 mit dem Ergebnis von Schritt 2 der vorigen Seite.
Fortgeschrittene Korrekturen in Photoshop
Schritt 5 - Mehr Details in den Lichtern: Die weißen Oberflächen der Boote erscheinen in der optimierten Bildversion überstrahlt. Dies kann durchaus gewollt sein, doch mit mehr Durchmodulierung lässt sich die Detailzeichnung verbessern. Dazu muss man als erstes eine Auswahl treffen. Eine Basistechnik für das Behandeln lokaler Bildpartien verwendet das neue CS3-Tool "Kante verbessern" (in älteren Photoshop-Versionen: "Weiche Auswahlkante").
Zuvor umrandet man die Bildpartie, die man korrigieren möchte, grob mit dem Lasso und stellt im Anschluss in "Kante verbessern" unter "Weiche Auswahlkante" einen Radius von 250 ein. Geringere Werte sind lediglich bei kleinen Bildern (A6 und darunter) sinnvoll. Da es zielgerichtet um die Weißtöne der Boote geht, ist eine weitere Auswahl innerhalb der gerade generierten Auswahl vonnöten. Mit dem Befehl "Auswahl > Farbbereich aktivieren" und mit dem Pipettesymbol nimmt man den Weißton des Bootes auf.
Im Anschluss setzt man die Schnittmenge von Lasso-Auswahl und Farbbereichs-Auswahl über den Shortcut Befehlstaste-J in eine separate Ebene um. Hierzu aktiviert man die Hintergrundebene und löst bei noch aktiver Auswahl den Shortcut aus. Die neue Ebene enthält nur die weißen Bootsoberflächen im Zentrum des Bildes.
Über den Befehl "Tiefen/Lichter" lassen sich diese nunmehr gezielt abdunkeln. Die Weißtöne des Beispielbilds benötigen unter "Lichte" recht hohe Eingabedosierungen, das Ergebnis ist jedoch dezent: Im Endeffekt bewirkt die zusätzliche Ebene eine etwas stärkere Durchzeichnung der Bootsoberflächen.
Schritt 6 - Mehr Details in den Tiefen: Die zulaufenden Schatten in den Bäumen sind vergleichsweise unproblematisch. Im Prinzip hilft eine Kombination aus Lasso-Auswahl plus weiche Kante und Aufhellung der Struktur über den Befehl "Tiefen/Lichter" - eine vereinfachte Form der Vorgehensweise wie unter Schritt 5 beschrieben. Wer möchte, kann vor der Anwendung von "Tiefen/Lichter" die generierte Auswahl mit Befehlstaste-J ebenfalls auf eine eigene Ebene stellen. Das verhilft zu mehr Flexibilität - und einem unveränderten Bildoriginal in der Hintergrundebene.
Schritt 7 - Reinere Bildfarben: Ein alternativer Befehl zur Erzeugung gesättigterer Bildfarben ist der Befehl "Selektive Farbkorrektur". Auch er lässt sich als Einstellungs-ebene verwenden. Hierfür erhöht man bei den sechs Grundfarben die jeweiligen Eigenfarbanteile per Regler, die der Komplementärfarben verringert man um einen entsprechenden Prozentsatz. Der abgebildete Screenshot verdeutlicht dabei das Schema. Das Bild wirkt jetzt weitaus detailreicher und harmonischer als die Bildversion, auf die lediglich die Standardoptimierungen angewandt wurden.
Schritt 8 - Detailkorrektur Farben: Schritt 8 kümmert sich um ein Detail, das erst durch die Korrekturen richtig hervortritt: Bei zwei größeren Waldstellen oben und unten in der linken Bildhälfte ist das Grün der Bäume deutlich blasser. Auch dieses Problem lässt sich mit einer weichen Auswahl und einer lokalen Bearbeitung beheben. Die mit dem Lasso umrahmten und über "Kante verbessern" mit einer weichen Auswahlkante versehenen Auswahlen werden beim Erzeugen einer weiteren Einstellungsebene (diesmal: "Farbbalance") automatisch in eine entsprechende Ebenenmaske umgesetzt. Daher wirkt sich die Einstellung von "Farbbalance" (eine moderate Verschiebung der Mittelton- und Tiefenwerte in Richtung Cyan und Gelb) nur auf die zuvor ausgewählten Bereiche aus.
Schritt 9 - Postkarten-Look: Die Farbbalance ist eines der wirkungsvollsten Tools um ein stimmungsvolles Bild zu erzeugen. Für den Urlaubspostkarten-Look mit leuchtenden, fetten Farben sind in den Mitteltönen und Tiefen weiter die Cyan- und Gelb-Töne forciert. In den Lichtern setzt ein leichtes Akzentuieren hin zu Rot einen dezenten Kontrapunkt. Generell gilt: Wirkungen von Einstellungsebenen lassen sich über die Einstellung der Deckkraft und die Zuweisung der Füllmethoden zusätzlich modifizieren. Oft empfiehlt sich etwa für Einstellungsebenen, die nur Bildfarben modifizieren sollen, die Füllmethodenzuweisung "Farbe".
Schritt 10 - Dezentere Sättigung: Auch "Farbton/Sättigung" ist ein recht effektives Tool - in Maßen verwendet. Bildern bekommt es oft besser, wenn man lediglich die Sättigung einzelner Farbbereiche erhöht. Da die Farben mittlerweile schon recht grell sind, fährt man den Wert der Sättigung insgesamt für das Bild herunter und erhöht nur den Wert für die Rot-Töne. Dadurch wirken die Gebäude im Zentrum des Bildes präsenter.
Schritt 11 - Finale Scharfzeichnung: Ob Standard- oder ausgefeilte Optimierung: Das Scharfzeichnen eines Bildes sollte stets am Schluss eines Bearbeitungsprozesses stehen und zwar anhand der Bildgröße, in der das Bild ausgegeben wird. Generell lässt sich sagen, dass im Bereich Print und Fotobelichtung Radiuswerte zwischen 0,8 und 2 sinnvoll sind und Stärkewerte zwischen 70 und 250. Auch dieser Prozess lässt sich verfeinern. Eine Möglichkeit beim vorliegenden Bild wäre, das Grün der Umgebung und das Wasser auszusparen und nur die Häusergruppe im Bildzentrum scharfzuzeichnen. Über "Auswahl/Farbbereich" wählt man einen typischen Grün-Ton aus (der Wert für Toleranz sollte bei diesem Tool grundsätzlich so hoch wie irgendwie sinnvoll sein; 200 ist in der Regel nicht zu hoch), kehrt die Auswahl anschließend um und zeichnet den ausgewählten Bereich scharf.
Doch wo liegen die Unterschiede zu einer Korrektur "von der Stange"? Die Antwort lautet: vor allem durch den Einsatz einiger effektiver Auswahltechniken. Da so gut wie alle Bildbearbeitungsbefehle auch als Einstellungsebenen anwendbar sind, lassen sich die Befehle beliebig miteinander kombinieren. Auch die Dosierung lässt sich in jedem Stadium verändern. Einstellungsebenen ermöglichen, ein Ergebnis bis zum Schluss offen zu halten und sind für kreative Bildbearbeiter somit die ideale Technologie.
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