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This American Life: Vorwürfe gegen Apple um Arbeitsbedingungen bei Foxconn zurückgezogen

19.03.2012 | 06:47 Uhr |

Die Fakten der Radio-Sendung, in denen Apple und seine Zulieferer kritisiert wurden, halten der verspäteten Überprüfung nicht stand. Der Autor wehrt sich, er sei Künstler, kein Journalist.

ABC Nightline bei Foxconn
Vergrößern ABC Nightline bei Foxconn

Die Januar-Sendung des Radio-Programms This American Life über Apple und seine Fertigungsbetriebe enthielt frei erfundene "Fakten", gestand der Moderator Ira Glass am letzten Freitag in seinem Blog ein.

Die Episode " Herr Daisey und die Apple Fabrik " wurde anhand eines Theaterstücks von Mike Daisey geschrieben und bestand aus Auszügen von dessen Bühnenshow, mit der Daisey durch die USA tourte. Die Show erzählt von seiner Reise nach China und Besuchen der Fertigungsbetriebe von Foxconn, wo neben anderen elektronischen Gadgets vor allem iPads und iPhones gebaut werden, und den angeblich miesen Arbeitsbedingungen dort. Diese Bühnenshow und einen weiterer Bericht der New York Times erzeugten eine wahre Flut von Kritik an Apple und Foxconn . Apples CEO Tim Cook äußerte sich sehr aufgebracht in einer E-Mail an Apple-Mitarbeiter über diese Berichte und bekräftigte, dass die Firma wie in der Vergangenheit auch in Zukunft bahnbrechende Verbesserungen der Arbeitsbedingungen bei Apples Fertigungsbetrieben durchsetzen wird.

Die Podcast-Version der Radio-Sendung über Apple war die am meisten geladene Episode des Programms This American Life. Nach dem Entfernen der Version von der Webseite berichtete Glass in dem Blog , dass der Radio-Sender beim Überprüfen der Fakten von Daisey in die Irre geleitet wurde. Die Episode dieser Woche handelt von der Untersuchung der Lügen und allen Fehlentscheidungen, aufgrund der die Apple-Kritik im Januar gesendet wurde.

Laut der Radiosendung widersprach Daiseys Dolmetscherin in zwei grundlegenden Punkten dem Inhalt der Episode. Weder traf Daisey Kinderarbeiter , noch traf er einen Foxconn-Mitarbeiter, der sich angeblich in der iPad-Produktion schwere Hand-Verletzungen zugezogen haben soll. Außerdem widersprach die Dolmetscherin der berichteten Anzahl von besuchten Fertigungsanlagen, der Anzahl von Arbeitern Daisey traf und auch den Orten, an denen diese Besuche stattgefunden haben sollen.

Glass beschrieb in dem Blog den Schock seiner Belegschaft, dass die Sendung mit so vielen Fehlinformationen im öffentlichen Radio ausgestrahlt wurde. Daisey hingegen verteidigte sich in seinem Blog erklärte, dass sein Werk kein Journalismus ist. "Aber ich stehe voll hinter meinem Werk. [...] Meine Show ist ein Theaterstück, das eine menschliche Verbindung zwischen den wunderbaren Geräten und den brutalen Fertigungsbedingungen herstellen will. Dazu setze ich eine Kombination von Fakten und dramatische Effekten ein, um die Geschichte überzeugend zu erzählen", schreibt Daisey und fügt hinzu: "Die allgemeinen Untersuchungen von The New York Times und einer Reihe von Arbeitsrechtlern in elektronischen Fertigungsbetrieben bestätigen mein Werk".

Glass distanziert sich vom Inhalt der Januar-Sendung und liefert Beweise, wonach Daisey zum Beleg seiner "Fakten" seine Übersetzerin zitierte und dabei wusste, dass sie zum damaligen Zeitpunkt nicht erreichbar war. "Zu viele Behauptungen in dem Bericht sind frei erfunden, als dass wir die Sendung noch vertreten können. [...] Ich vermute, dass viele der Einzelheiten, die Daisey angeblich sammelte, nie stattfanden, aber der Hörer muss das für sich selbst entscheiden."

Auch Auszüge der Berichte in The New York Times wurden mittlerweile als falsche Fakten angefochten . Dennoch bleibt es fraglich, ob nun das Zurückziehen der Show die Welle an Kritik gegen Apple abebben lässt. Apple verteidigt sich mit seinen eigenen Berichten. Nach der Veröffentlichung des Berichtes der Verantwortung der Zulieferer bei Apple trat die Firma auch als erster Computer-Hersteller der gemeinnützigen FLA-Organisation bei, die Ausbeuterbetriebe untersucht und bloßstellt.

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