981347

Frankreich will Piraten auf das Trockene setzen

26.11.2007 | 13:15 Uhr |

Die französische Regierung hat einen neuen Plan zur Bekämpfung von illegaler Musik- und Film-Piraterie vorgestellt: Für Piraten wird Internet-Zugang abgeschaltet. Diese Strafe ist Teil einer ganzen Reihe von Maßnahmen, mit denen die französische Kultusministerin Christine Albanel das illegale Kopieren von Online-Musik und –Videos bekämpfen will.

Die Vorschläge von letztem Freitag reichen von Markieren der Dateien mit einer digitalen Signatur, Aufzeichnen der Internetaktivität von Surfern bis Erstellen einer Liste von allen Personen, die von Copyrightinhabern der Piraterie bezichtigt werden. Albanel beschreibt das Problem mit digitaler Piraterie als „akut“ - trotz Einführung eines umstrittenen Gesetzes im letzten Jahr, wonach illegale Datei-Freigabe ein kriminelles Vergehen ist und mit bis zu 6 Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro geahndet wird.

„Wir können nicht länger akzeptieren, wie Künstler um ihr Recht betrogen werden“ verkündet Albanel. Die Regierung hat für die Vorschläge bereits volle Zustimmung der französischen Medien-Industrie gewonnen, die digitale Wasserzeichen und besseren und schnelleren Download von legalen Inhalten zur Verfügung stellen will. Albanel unterzeichnete am Freitag ein Übereinkommen mit Fernsehsendern, Internet Service Providern (ISP), und Rechts-Vertretern von Filmproduzenten, Autoren und Musik-Künstlern.

Im Gegenzug für diese Unterstützung will die Regierung eine neue Behörde zum Überwachen von digitalen Wasserzeichen im Internet und Verwalten der Copyright-Verletzungen einrichten. Jeder, dessen Internet-Zugang zum Kopieren digitale markierter Dateien genutzt wird, könnte dann eine offizielle Warnung von seinem ISP erhalten. Im Fall einer zweiten Übertretung könnte der Vertrag mit dem ISP beendet werden und der Name des Piraten auf die Liste der Straftäter gesetzt werden. Möglicherweise könnte somit eine ganze Personengruppe vom Internet ausgeschlossen werden, während die Regierung alle Bürgerdienste mehr und mehr nur online anbietet.

Verbrauchergruppen haben sich gegen diese Maßnahmen ausgesprochen. Die Gewerkschaft der französischen Verbraucher UFC beklagt, dass ein Abschalten des Internetzugangs ohne richtiges Verfahren den Verfassungsgrundsatz verspottet, wonach Bürger „unschuldig bis Schuld erwiesen“ sind. Die Pläne sind „unterdrückend“ und werden zu einer Art privaten Internet-Polizei führen, warnt der Pressesprecher von APRIL Frédéric Couchet, einer Organisation, die sich für freie Forschung und Open-Source EDV einsetzt.

Das französische Kultusministerium empfiehlt übrigens auch den Plattenfirmen, keine DRM-Techniken mehr einzusetzen, damit z.B. Musik nicht nur auf bestimmten Playern abgespielt werden kann. Gemäß UFC jedoch sind all diese Vorschläge nicht ausgereift: Das Problem, dass DRM die Nutzbarkeit und somit den kommerzieller Wert der kopiergeschützten Werke beeinträchtigt, bleibt.

0 Kommentare zu diesem Artikel
981347