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MP3 feiert 15. Geburtstag

14.07.2010 | 07:40 Uhr |

Boxen auf für MP3: Das meistverbreitete Format für digitale Musik feiert am Mittwoch seinen 15. Geburtstag. Die Technik für das Einschrumpfen von Musikdateien wurde bereits 1992 standardisiert, erhielt aber erst am 14. Juli 1995 seine heute jedem Kind geläufige Bezeichnung.

"Wir haben uns damals ein paar Tage gegeben, um über die Dateiendung zu diskutieren", erinnert sich Karlheinz Brandenburg, der maßgeblich an der Entwicklung der Technik zur Kompression von Audiodaten beteiligt war. Zuvor benutzte sein Team von etwa 40 Mitarbeitern am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen in internen Anwendungen die Dateiendung ".bit" (für "Bitstrom").

"Bei der Suche nach einem neuen Namen ging es darum, dass die Technik nun rausgehen sollte", sagte der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT) in Ilmenau im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

MP3 als Dateiendung für den ISO Standard IS 11172-3 "MPEG Audio Layer 3" war eine naheliegende Idee. Schließlich hatte zuvor ein Fraunhofer-Team in München seiner konkurrierenden Technik "MPEG Layer 2" die Dateiendung ".mp2" verpasst. "Diese Konkurrenz hat uns damals richtig angestachelt", erinnert sich Brandenburg. "Eigentlich haben beide gewonnen, das wissen nur nicht viele." So werde MP2 heute unter anderem für die Audio-Übertragung im Antennen-Digitalfernsehen (DVBT) verwendet.

Den eigentlichen Siegeszug trat aber MP3 an. Die Idee der maßgeblich am IIS entwickelten Kompressionstechnik war es, nur diejenigen Audiosignale zu speichern, die auch vom menschlichen Ohr erfasst werden können. Damit konnte der Speicherbedarf für digitalisierte Musik drastisch reduziert werden.

Das Format mit der Dateiendung ".mp3" krempelte die Musikindustrie um. Die Standardisierung förderte die Entwicklung von digitalen Musikabspielgeräten, deren Datenspeicher inzwischen hunderte von Musikalben umfassen. MP3 ist aber auch zur Chiffre geworden für die Angst von Musikern und Plattenfirmen, dass ihre Werke massenhaft kopiert und frei im Internet getauscht werden.

Schon früh habe er den Vertretern von Musikindustrie und Unterhaltungselektronik gesagt, dass es zwei Voraussetzungen für einen sinnvollen Kopierschutz geben müsse, sagte Brandenburg. Zum einen müsse es einen universellen Standard geben, zum anderen dürfe der Nutzer nichts davon merken. "Wenn das nicht gelingt, dann wird MP3 ohne Kopierschutz gewinnen." Und so kam es dann auch. Einzelne Verfahren für die MPEG-Kodierung sind mit Patenten geschützt, für MP3 insgesamt gibt es aber keine umfassenden Schutzrechte, und die Informationen für die Anwendung des Verfahrens sind frei verfügbar. "Das hat die Dinge deutlich beschleunigt", erklärte Brandenburg. "Wir haben immer darauf geachtet, dass es Geschäftsmodelle sind, die auch in die Internet-Welt passen."

Brandenburg räumt ein, dass es inzwischen Techniken wie AAC gibt, die ein besseres Klangerlebnis liefern. Aber MP3 wird von jedem Audiogerät unterstützt. "Das wird garantieren, dass MP3 die nächsten zehn Jahre weiter bestehen wird."

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