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Flattr: Werden Nutzer freiwillig im Netz zahlen?

06.07.2010 | 07:55 Uhr |

Mit der Online-Tauschbörse "Pirate Bay" geriet Peter Sunde in die Mühlen der Justiz. Jetzt holt er mit dem Bezahldienst "Flattr" zu einem absolut legalen Coup aus. Die kühne Idee: Internetnutzer sollen Geld für Inhalte ausgeben, die sie auch kostenlos haben könnten.

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Geht das Konzept auf, könnte der Bezahldienst "Flattr" dem Internet eine kleine Revolution bescheren. Denn inmitten einer Gratiskultur im Netz sollen die Nutzer überzeugt werden, freiwillig Geld für Inhalte zu bezahlen - sozusagen als monetäres Kompliment. Das englische Wort für schmeicheln, "to flatter", steckt auch im Namen des Dienstes.

Kaffeekasse fürs Internet

Und so funktioniert es: Man legt sich unter flattr.com ein Konto zu und setzt dort einen monatlichen Betrag fest, den man ausgeben möchte. Betreiber von Websites können einen grün-organgefarbenen "Flattr"-Button neben ihren Inhalten platzieren. Der Nutzer kann dann zum Beispiel bei einem Artikel, der ihm gefällt, "flattrn", indem er auf den Knopf drückt.

Zahlt man monatlich 20 Euro ein und klickt auf die Flattr-Buttons von 50 Beiträgen, werden für jeden dieser Beiträge 40 Cent gutgeschrieben. Damit unterscheidet sich Flattr zum Beispiel vom Bezahldienst Kachingle, bei dem nicht einzelne Beiträge, sondern ganze Webauftritte unterstützt werden können.

Hinter dem Projekt aus Schweden steht ausgerechnet Peter Sunde, einer der Köpfe von "Pirate Bay". Die Internetseite ermöglichte den Tausch von Raubkopien - bis diese Praxis gerichtlich gestoppt wurde. Nun also Flattr. Etwa 20.000 Nutzer zählt der Dienst bisher - nach dem Start im Frühjahr ist er noch in der Beta-Phase. Sunde zufolge kommen 40 Prozent der mit Flattr-Button versehenen Inhalte aus Deutschland. Die Online-Ausgaben der "taz" und der Wochenzeitung "der Freitag" machen mit - ebenso wie etwa das "Bildblog".

Seit Mitte Mai kamen für "taz.de" mit Hilfe von Flattr, der "Kaffeekasse fürs Internet" ("Computer Bild"), 1.132 Euro und 5 Cent zusammen. Das ist nicht viel, trotzdem zeigt sich Redaktionsleiter Matthias Urbach zufrieden: "Eigentlich ist Flattr so, wie wir es immer gern gehabt hätten", schwärmt er. Anders als bei sonstigen Bezahlinhalten im Internet, könnten sich die Nutzer die "taz.de"- Texte erst komplett durchlesen und danach entscheiden, ob ihnen die Beiträge eine kleine Spende wert sind. Das Prinzip der Freiwilligkeit komme dem Naturell vieler Leser der linken "taz" entgegen. "Man kann sehen, dass unser Publikum da eine gewisse Affinität hat", erläutert Urbach.

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