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Freie Bilder für alle oder Verrat an der Kunst?

04.06.2007 | 12:12 Uhr |

Das Modell von Creative Commons klingt verlockend: Bilder, Texte und Musikstücke werden der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und können mit Zustimmung des Urhebers frei weiter verwendet werden. Auf dem ersten Gipfel des internationalen Dachverbands von Verwertungsgesellschaften CISAC in Brüssel wurde Creative Commons jedoch stark kritisiert.

Laut Heise missfällt den Vertretern der klassischen Verwertungsgesellschaften, dass sich das Modell der 2002 ins Leben gerufenen Creative Commons immer mehr zum Gegenentwurf entwickelt. "In jeder großen Debatte zwischen Autoren, Verwertungsgesellschaften und den Nutzern von Inhalten über den Wert des Lizenzsystems wird ein Vertreter von Creative Commons gegen uns aufgeboten", beschwert sich Brett Cottle, der Aufsichtsratsvorsitzende der CISAC. Gleichzeitig schwäche das Lizenzmodell die Verwertungsgesellschaften und - so zitiert Heise weiter - werde aktiv von denen ausgenutzt, die das Urheberrecht umkrempeln oder ganz abschaffen wollen. Lawrence Lessing, Mitinitiator der neuen Lizenzmodelle, betont dagegen, dass Creative Commons vielen Urhebern die Verbreitung ihrer Werke erst ermöglicht. Immerhin würden 50 bis 100 Millionen Treffer zu Werken führen, die unter Creative-Commons-Lizenzen gestellt würden. Wissenschaftliche Werke könnten laut so schneller viel schneller ihren Weg an die Öffentlichkeit finden als über die klassischen Verwertungsgesellschaften, zumal die Autoren nicht in erster Linie an der Vermarktung interessiert seien. Das gleiche gilt aber auch für viele Fotografen. Gerade semiprofessionelle Fotografen oder Grafiker wollen häufig ihre Bilder nur online stellen und anderen zeigen. Unterliegen diese Bilder einem "All rights reserved", dürfen sie nicht weiterverwendet werden. Das Creative-Commons-Modell sieht dagegen verschiedene Lizenzmodelle vor, die die Weiterbenutzung mit bestimmten Einschränkungen erlaubt. Die Namensnennung des Urhebers ist zwingend, jedoch kann der Fotograf oder Autor selber festlegen, ob seine Inhalte kommerziell weiterverwendet werden. Möglich ist das beispielsweise bei der Fotodatenbank Piqs.de . Auch, ob sein Bild verändert werden darf, kann der Urheber festlegen. Nutznießer davon sind beispielsweise Webseitenbetreiber, die für ihre Seite Bilder zur Illustration benötigen, aber kein Budget dafür haben.Tipp: Creative Commons hat einen Suchdienst eingerichtet, der in Suchmaschinen wie Google oder beim Online-Dienst Flickr speziell nach Bildern sucht, die den CC-Lizenzen unterliegen.

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