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Führungsgremien der Telekom entlastet

30.05.2001 | 00:00 Uhr |

Vorstand und Aufsichtsrat der Telekom sind am
Dienstag auf der Hauptversammlung trotz massiver Aktionärskritik und
zahlreicher Gegenanträge mit überwältigender Mehrheit entlastet
worden. Die Kritiker der Telekom konnten sich auch nicht mit einem
Antrag auf Sonderprüfung des Immobilienvermögens durchsetzen. Bei
einer Präsenz von knapp 70 Prozent des stimmberechtigten Kapitals,
darunter allein 58 Prozent durch den Mehrheitsaktionär Bund, wurde
der Antrag mit mehr als 98 Prozent abgeschmettert.

Wegen des drastischen Einbruchs der T-Aktie hatten zahlreiche
Aktionäre zuvor in einer mehr als achtstündigen Generaldebatte den
Vorstand unter Beschuss genommen. Sie warfen der Konzernspitze vor,
durch milliardenschwere Zukäufe und die enormen Kosten für den Erwerb
der UMTS-Lizenzen an dem Kursverfall mitschuldig zu sein. Telekom-
Chef Ron Sommer bedauerte vor 9500 Anteilseignern den Kursrückgang,
zeigte sich aber überzeugt, dass die T-Aktie aus dem Tief wieder
herauskommen wird.

Binnen eines Jahres seien 200 Milliarden Euro vernichtet worden,
meinte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für
Wertpapierbesitz. «Sie stellen eine konkrete Gefahr für die
Aktienkultur in Deutschland dar», sagte er an die Adresse des
Telekom-Vorstands. Seit ihrem Höchststand im Frühjahr 2000 bis heute
hat die Aktie mehr als 70 Prozent an Wert eingebüßt. Am Dienstagabend
notierte das Papier an der Frankfurter Börse mit 25,50 Euro drei
Prozent im Minus.

«Die derzeitige Bewertung unserer Aktie spiegelt die erstklassige
Positionierung und den geschäftlichen Erfolg in keiner Weise wider»,
betonte Sommer. Sobald sich die allgemeine Marktstimmung wieder
ändere, werde die T-Aktie eine positive Entwicklung vollziehen,
prophezeite der oberste Konzernlenker. Die Fundamentaldaten sprächen
für eine deutlich höhere Börsenbewertung.

Zur umstrittenen Immobilienbewertung wiederholte er die bekannte
Position des Vorstandes: Die Werte seien stets rechtlich einwandfrei
ermittelt worden. Notwendig sei die Neubewertung geworden, weil die
Telekom ihre Strategie geändert habe und Teile dieses Vermögens
schneller verkaufen wolle. Der öffentlichen Diskussion stelle sich
die Telekom. So werde die Bilanz des laufenden Geschäftsjahres durch
einen zweiten Bilanzprüfer testiert.

«Wir wollen endlich wieder durchatmen können», sagte ein Aktionär
zur Immobilienaffäre. Ein Vertreter der Union Investment argwöhnte:
Die Informationspolitik der Telekom sei ungenügend, hier solle
offenbar etwas vertuscht werden. Sommer wies indes den Vorwurf
zurück, er habe von der angeblichen falschen Bewertung schon seit
längerem gewusst und nichts dagegen unternommen. Er zeigte sich
zugleich zuversichtlich, dass sich die staatsanwaltschaftlichen
Ermittlungen gegen ihn und weitere Manager des Unternehmens als
unbegründet erweisen werden.

Kritik am Kaufpreis für den US-Mobilfunkanbieter VoiceStream von
mehr als 70 Milliarden DM wies Sommer ebenso zurück wie an den Kosten
für die UMTS-Lizenzen. VoiceStream sei die allerbeste Wahl gewesen.
Der US-Markt verfüge bei der Teilnehmerrate von derzeit 40 Prozent
noch über ein gewaltiges Potenzial, unterstrich Sommer. Ab dem 1.
Juni wird der sechstgrößte Mobilfunker in den Telekom-Konzern
eingegliedert.

Im Zusammenhang der Kritik von Aktionären, das Mobilfunknetz in
Europa sei noch ein Flickenteppich, weil der Konzern weder in
Spanien, Italien und Frankreich im Mobilfunk aktiv ist, sagte Sommer:
Genau für diese Länder verschaffe sich das Unternehmen eine
Akquisitionswährung. So plant die Telekom seit längerem den
Börsengang der Tochter T-Mobile International AG. Ein Zeitpunkt steht
gegenwärtig aber noch nicht fest.
dpa

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