872707

Fünf Q-Bits statt drei: Quantencomputer rückt näher

04.07.2000 | 00:00 Uhr |

Eine neue Computergeneration - der so
genannte Quantencomputer - ist näher gerückt. Wissenschaftlern der
Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität München
ist es gelungen, fünf statt bisher drei Atome zu einem Molekül zu
verbinden. Dieses neue Molekül soll Grundlage einer neuen
Computergeneration werden. Das teilte die Frankfurter Universität am
Montag unter Berufung auf die Fachzeitschrift «Physical Review A»
mit.

Während die Hardware eines normalen Computers aus verdrahteten
Mikrochips besteht, bildet im Modell der Chemiker Raimund Marx
(Frankfurt) und Steffen Glaser (München) eine neu entwickelte
Flüssigkeit mit Molekülen das Herz des Rechners. Jedes Molekül
besteht aus einem Wasserstoff-, einem Stickstoff-, einem Fluor- und
zwei Kohlenstoffatomen. In einem Magnetfeld werden die verschiedenen
Eigenschaften jedes einzelnen Atoms so ausgerichtet, dass die Atome
«miteinander sprechen» können, erklärte Marx.

Dadurch ist der Quantencomputer im Gegensatz zu normalen Geräten
in der Lage, verschiedene Aufgaben zur gleichen Zeit zu lösen. In
Zukunft soll so ein wesentlich schnellerer Zugriff auf Daten
ermöglicht werden. Zurzeit befindet sich die neue Computergeneration
allerdings noch im Frühstadium der Entwicklung.

Die deutschen Chemiker haben es in Zusammenarbeit mit
Informatikern der Harvard Universität in Boston (USA) jetzt
geschafft, die Kapazität des Computers auf so genannte Fünf-Quanten-
Bits zu erweitern. Das heißt, sie können fünf zusammenhängende Atome
einzeln beeinflussen. 100 Quanten-Bits Speicher sind notwendig, damit
der Computer später einmal auch komplizierteste Geheimcodes knacken
und Primzahlen zerlegen kann. «Dann ist die Rechnergeschwindigkeit
des Quantencomputers dem normalen Computer um Längen überlegen»,
sagte Marx.
dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
872707