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G4-Upgrade oder G5?

26.04.2004 | 11:34 Uhr |

Die große Frage, die sich viele G4-Besitzer heute stellen: Soll ich meinen alten G4 mit einem zeitgemäßen G4-Upgrade aufrüsten oder lieber gleich auf einen G5 sparen? Eine Analyse.

Die Architektur des Power Mac G5 bedeutet einen Quantensprung. Mängel des Vorgängers G4 wie der langsamen Frontsidebus (den sich beim G4 auch noch beide CPUs teilen) gehören der Vergangenheit an - die ehemals neuralgischen Punkte gehören zu den Stärken der neuen Rechnerarchitketur. Wer sich in der Vergangenheit für einen G4 entschieden hat, tat dies nicht zuletzt wegen der Möglichkeit einer späteren Aufrüstung. Also warum nicht einen Nutzen daraus ziehen, dass Apple neun Jahre lang auf die 60x/MPX-Busarchitektur gesetzt hat und dem alten Arbeitspferd noch einmal für vergleichsweise wenig Geld eine Frischzellenkur verpassen?

In unserer kommenden Ausgabe 6/04 (Erstverkaufstag 5.Mai) testen wir die schnellsten G4-CPU-Upgrades von fünf Herstellern. Dabei zeigt sich, dass es einige Anwendungen gibt, die sehr gut mit dem Takt skalieren und die teilweise mit einem 1.5GHz-G4 über dreimal schneller laufen als auf einem alten einzelnen G4 mit 466 MHz. In anderen Test (hauptsächlich datendurchsatzintensive Software) erweist sich der Frontsidebus des G4 als Flaschenhals, und die Ergebnisse sind trotz über dreimal höheren CPU-Takt nicht einmal doppelt so gut.

Trotzdem sind die Ergebnisse aller Upgrades bis auf wenige Ausnahmen besser oder gleich gut wie bei allen G4-Macs, die Apple momentan im Programm hat. Obwohl der G4 seit Veröffentlichung des deutlich überlegenen und klar zukunftsträchtigeren G5 mehr oder weniger ein Auslaufmodell ist, setzen nur zwei von Apples sechs Produktlinien bisher einen G5 ein. Die anderen momentan verkauften Modelle sind G4-Rechner von 1 bis 1,5 GHz. Bis Apple gar keine G4-Prozessoren von Motorola mehr verbaut, vergeht noch viel Zeit. Noch länger wird es dauern, dass momentan verkaufte Rechner nicht mehr von Apple unterstützt werden oder dass dann aktuelle Software einen G5 zwingend voraussetzt. Ein alter G4 mit schnellem CPU-Upgrade kann also problemlos genau wie die aktuell verkauften iMacs, eMacs, Powerbooks und iBooks noch mindestens drei bis vier Jahre als Arbeitsgerät dienen - selbst wenn Apples Produktle in einem Jahr hauptsächlich mit IBMs G5-Chips ausgestattet sein dürften.
Sicher schmerzt es den Mac-User angesichts der Mac-Upgradepreise, wenn er sieht, dass PC-Händler alte 2GHz-CPUs für 80 Euro feilbieten, aber zu bedenken ist, dass die getesteten Upgrades die Lebensdauer eines drei bis fünf Jahre alten Macs um weitere drei bis vier Jahre verlängern - Die PC-CPU kann man nicht in einen fünf Jahre alten Rechner stecken, hier ist eine nahezu komplette Rechner-Neuanschaffung unumgänglich. Im Endeffekt hat der Mac am Ende dann eine Lebensdauer von sechs bis neun Jahren bei Hardwarekosten von insgesamt (Original-Macpreis plus Upgrade) um die 2.000 - 3.000 Euro, was den Begriff "Total Cost of Ownership" völlig neu definiert.

Sprünge

Der G4 wird keinen Riesensprung mehr machen - jedenfalls nicht mit Motorola. Der G5 hingegen hat extrem viel Potential und die Leistungsfähigkeit liegt heute noch weit gehend brach, in vielen Programmen leistet ein 2-GHz-G5 "nur" so viel wie ein hypothetischer 2-GHz-G4, wenn man die Testwerte extrapoliert. Dieser Zustand wird sich in den nächsten Jahren ändern, wenn die Compiler besser werden und die Entwickler lernen, wie sie die CPU optimal nutzen. Playstation-2-Besitzer können ein Lied davon singen: Die ersten veröffentlichten Spiele sind mit heutigen Spielen überhaupt nicht vergleichbar, da anfangs noch niemand wusste, wie man die neue Architektur richtig nutzt. Dasselbe Bild bot sich bei Einführung des Pentium 4, als dieser Athlons und Pentium 3s mit 33 Prozent geringerer Taktrate in den meisten Tests unterlag. Der G5 unterscheidet sich intern ähnlich radikal vom G4 wie der Pentium 4 vom Pentium 3, so dass es sogar sehr überraschend ist, dass er mit "fremdem" G4-Code so gut zurecht kommt wie ein (imaginärer) G4 mit gleichem Takt.

Dass die Leistung des G5 mit bestehendem G4-Code nicht superskalar - mehr, als die Taktsteigerung vermuten ließe - zunimmt, ist kein Fehldesign von Apple oder IBM. Wenn der G5 zwei FPUs (Fliesskommaeinheiten) hat, der Code aber für einen G3/G4 mit nur einer FPU kompiliert und optimiert ist, muss die zweite FPU zwangsläufig weit gehend untätig sein. Denn der Instruction-Stream enthält nur genau so viele Fliesskommainstruktionen, dass sich der G3/G4 mit einer einzelnen FPU nicht daran "verschluckt".
Bei Einführung des Pentium 4 stand Intel vor einem ähnlichen Problem: Keine vorhandene Software nutzte die Altivec-ähnliche Befehlserweiterung SSE2, welche Intel längerfristig als Ersatz für die eher schwachbrüstige FPU des P4 vorsah. Heutzutage setzen nahezu alle größeren Softwarepakete SSE2 auf breiter Front ein, denn Intel hat seine Compiler darauf getrimmt, wo möglich automatisch SSE2-Code zu generieren.

Da Apple mit G5-Optimierungen in der Pro-Software stark Druck macht, ist jedoch wahrscheinlich, dass die G5-Optimierungen der direkten Software-Konkurrenten relativ zügig kommen sollten. Und prompt hat Adobe auf der NAB After Effects 6.5 mit G5-Optimierungen noch für dieses Quartal angekündigt.

Ob ein G4-Upgrade oder Sparen auf einen G5 sinnvoller ist muss jeder letztendlich selbst für sich beurteilen. Ein G5 spielt schon heute dank dem höheren Takt klar in einer anderen Leistungsklasse, aber ein deutlich günstigeres G4-Upgrade ist deswegen trotzdem alles andere als langsam - genau wie ein aktueller eMac, iMac, iBook oder ein Powerbook.

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