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G5-Macs zurückgezogen?

26.08.2003 | 12:42 Uhr |

Noch sind es nur Gerüchte im Internet - doch könnten sich diese in Kürze bestätigen. Aufgrund technischer Probleme zieht Apple den G5-Mac vorerst aus dem Verkehr. Den genauen Grund kennt eigentlich niemand.

Im Moment machen zwei Produkte mit identischem Namen von sich reden. Zum einen hat Volkswagen die Anti-Opel-Fraktion mit einem neuen Golf-Modell beglückt, inzwischen die fünfte Generation des erfolgreichen Kleinwagens. Golf V also, römische Ziffern machen ja was her. Und weil Abkürzungen furchtbar trendy sind, nennt das VW-Team um Ferdinand Piech das Teil geschickt: G5. Das hat Klang, diese Buchstaben-Zahlen-Kombination drückt Größe aus. So auch der Golf V: Breiter, länger und schwerer als der Vorgänger. Eine so schöne Analogie zu Apple bekommt man als Redakteur nur selten serviert, denn auch unser G5 ist breiter, länger und schwerer als noch der G4. Volkswagen hat gegenüber Apple allerdings ein Problem weniger: Beim G5 mit vier Rädern schliessen die Türen richtig, beim Computer-Äquivalent ist das anscheinend nicht der Fall.

Seit gestern Mittag laufen die Gerüchtefließbänder auf Hochtouren, tauchen im Internet alle paar Minuten neue Informationen aus "unternehmensnahen Quellen" auf, die neue Details der anscheinend angelaufenen Apple-G5-Rückrufaktion ans Tageslicht bringt. Inzwischen ist mehr oder weniger bestätigt, dass die Alu-Gehäusetür des G5 nicht hundertprozentig schliesst. Was dieser scheinbar geringe Makel mit der bisher eher gering ausgefallenen Leistung des 1,6-GHz-Modells zu tun hat, ist hingegen anstrengende Kaffeesatzleserei. Fakt ist: Apple hat im G5 einen Mechanismus vorgesehen, bei dem der Rechner automatisch das System heruntertaktet, falls die gezielt gelenkten Luftströme der neun Lüfter im Gehäuse nicht richtig für Durchzug sorgen. Beispielsweise dann, wenn der Anwender die hinter der Aluklappe befindliche Plexiglasscheibe entfernt. Zunächst wird der G5 also langsamer, nach ein paar Minuten geht das Gerät in den Ruhezustand. Soweit die technische Theorie.

Jetzt kursieren bereits wilde Gerüchte darüber, dass die nicht ganz geschlossene Seitentür der Grund für die bisher nur befriedigende Leistung des G5 in verschiedenen Benchmarks ist. Klingt zumindest einmal nicht schlecht, das würde auch die "Rückrufaktion" der Rechner erklären - wenn sich tatsächlich um einen leistungsmindernden Fehler handelt, muss Apple diesen Hardware-Bug schnellsten eliminieren. Allerdings entsprechen alle bisher gemessenen Werte in synthetischen oder praktischen Benchmarks durchaus den Erwartungen. So war auch das von Macwelt getestete Gerät in einwandfreiem Zusatnd.

Schiffe versenken

Kam auch fast nie in Europa an: Ataris glückloser Falcon 030.
Vergrößern Kam auch fast nie in Europa an: Ataris glückloser Falcon 030.
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Eine ganz andere, aber durchaus interessante Theorie, ist die hier: Apple kann einfach nicht liefern. Vorbestellungen für den G5 gibt es genügend, selbst das kleinste Modell scheint bei den Mac-Fans auf reges Interesse zu stoßen. Vor einigen Wochen kursierten Gerüchte über das IBM-Power-PC-Werk im US-amerikanischen Fishkill, dass in dem High-Tech-Gebäude einige Probleme mit den Fertigungsstraßen aufgetaucht wären. Angeblich wurde auch die Power-PC-970-Produktion in Mitleidenschaft gezogen. Und dann war da vor rund einer Woche noch der spektakuläre Stromausfall - in Fishkill gingen für überschaubare Zeit spontan die Lichter und Roboter aus. Da taucht die Frage am Horizont auf: Hat IBM angesichts dieser Probleme überhaupt genug Prozessoren für Apple produzieren können? IBM bedient aus Fishkill auch Firmen wie Nvidia und Microsoft, die Grafik- und CPU-Komponenten für die Spielkonsole Xbox benötigen. Sicherlich hat auch dieser Kunde dezent darauf hingewiesen, dass jeder Tag Produktionsverzögerung einen ganzen Batzen Geld kostet. Okay, Microsoft hat im Moment enorme Barreserven, da könnte IBM einfach mal ein Jahr Pause machen, und in Redmond würde der Ausfall zumindest in der Finanzbuchhaltung nicht weiter auffallen. So könnte Apple einfach aufgrund der widrigen Umstände dazu gezwungen sein, einen mittelschweren Hardware-Defekt vorzutäuschen, um eine Rückrufaktion zu starten. Damit gewinnt man zwar keine Marktanteile, keine neuen Kunden und auch das Image leidet etwas - aber man kann die Auslieferungsproblematik geschickt ein bis zwei Wochen aussitzen.

Sicher, diese persönliche Verschwörungstheorie beruht auch nur auf unkommentierten Gerüchten aus den Informations-Schmelztiegeln des Internets. Im Moment stellt sich die Lage folgendermaßen dar: Der G5 ist in großen Mengen nicht verfügbar und Apple karrt anscheinend mehrere LKW-Ladungen wieder zurück ins europäische Hauptlager im irländischen Cork. Und dieses ganze Theater nur wegen einer Alu-Tür, die nicht richtig schließen will. Na ja, die spannendsten Geschichten schreibt ja bekanntlich das Leben selbst. Das wusste beispielsweise auch Atari vor einigen Jahren ganz gut. Bei Lieferschwierigkeiten des legendären Falcon 030 haben die Jungs einfach einmal offiziell einen Frachter im Atlantik untergehen lassen: Kreativer lässt sich ein Problem gar nicht lösen.

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