Von Markus Pilzweger - 15.11.2007, 17:38

Gartner

Ich heirate einen Avatar

Vor wenigen Wochen erregte eine Studie Aufmerksamkeit, nach der es bis zum Jahr 2050 normal sein werde, Ehen mit Robotern einzugehen. Nicht ganz so radikal gibt sich Gartner-Analyst Adam Sarner. Er ist der Meinung, dass bis zum Jahr 2015 virtuelle Ehen schon praktiziert werden - mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten.
Millionen von Anwendern tummeln sich bereits heute in virtuellen Welten und für einige davon dürften World of Warcraft und Co. mittlerweile gar zu einer Art Ersatz für das reale Sozialleben geworden sein. So ist es heutzutage selbstverständlich, über Online-Spiele, Chats oder Community-Sites neue Menschen kennen zu lernen und diese als "Freund" zu bewerten. Geht man davon aus, dass in Zukunft mehr und mehr Anwender ihre Zeit online verbringen, kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, den Garnter-Analyst Adam Sarner formuliert hat. Ihm zufolge werden im Jahr 2015 2 Prozent der amerikanischen Bevölkerung verheiratet sein - in virtuellen Welten mit Partnern, die sie nie zuvor im realen Leben gesehen haben.
Sarner verweist in diesem Zusammenhang allerdings auch darauf, dass diese virtuellen Ehen bis zu diesem Zeitpunkt denselben rechtlichen Status hätten, wie Ehen, die im realen Leben geschlossen werden. Dazu würde beispielsweise das Besuchsrecht im Krankenhaus gehören, wo sich dann - im schlimmsten Fall - Mann und Frau zum ersten und je nach Krankheit vielleicht zum letzten Mal sehen würden. Dies ist ein entscheidender Unterschied zu "Eheschließungen" in Second Life & Co., die zwar schon möglich, rechtlich aber nicht bindend sind. Sarner zeigt sich zuversichtlich, dass die entsprechenden Ehe-Gesetze geändert werden, wenn nur genügend Menschen dies wünschen.
In Sarners Sicht der Zukunft könnten Menschen, die sich für eine virtuelle Ehe entscheiden, nicht mehr in der realen Welt heiraten: Hierfür wäre erst eine Scheidung nötig. Eine gute Online-Ehe würde laut Sarner "eine emotionale Verbindung mit jemandem herstellen, den es kümmert, wie Ihr Tag war, oder der Sie tröstet, wenn Sie traurig sind. Ich denke, dies kann sehr befriedigend sein. Ist es etwas für jeden? Definitiv nicht." Und schließlich werde es auch in Online-Partnerschaften schlechte Ehen geben, Paare werden sich trennen und damit zurecht kommen müssen.
Der Bereich "virtuelle Ehen" ist Teil einer Gartner-Studie zur "Generation Virtual", in der es darum geht, wie das Marketing in einer Zukunft ausssehen sollte, in der mehr und mehr Menschen immer mehr Zeit online verbringen werden.
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