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Geben ist seliger denn Nehmen

05.02.2004 | 11:37 Uhr |

Die Software allein ist (noch) nicht illegal, Anwender von P2P-Netzen sollten sich jedoch im Klaren darüber sein, dass sie sich auf dünnem Eis bewegen. Einige Tauschanwendungen sind jedoch nicht justiziabel.

Als Mac-Nutzer hat man es nicht immer leicht. Zu Mac-OS 9-Zeiten musste man noch neidisch auf Windows-Nutzer mit ihren ausgefeilten Filesharing-Programmen blicken, während für den Mac nur langsame Java-Tools wie Limewire zur Verfügung standen. Damals galt das ganztägige Sammeln von MP3s ja auch noch nicht als illegal sondern als modern und schick. Dank Mac-OS X stehen mittlerweile zwar dutzende der schönsten Filesharingprogramme wie mlmac, Poisoned oder Bittorrent zur Verfügung, man begibt sich bei ihrer Nutzung aber in ein juristisches Minenfeld.

Dabei wäre man als Mac-Anwender sogar vor der größten Gefahr des Filesharers gefeit: den Viren und spionierende Programme, die das Surfen mit dem PC zum Abenteuer machen. (Und teuer - schließlich kostet ein einjähriges Antivirus-Abo bei Symantec 40 Euro.)
Nicht erst seit einigen plakativen Werbespots ist allen Musik- und Filmfans mittlerweile klar geworden, dass sie mit dem Download illegaler Dateien ihren Hintern riskieren.
Jedes mit Kopierschutz versehene Werk ist vor dem Kopieren für private Zwecke, jedes urheberrechtlich geschützte Werk vor der weiteren Verbreitung geschützt. Sie glauben TV-Serien wie Sopranos oder Futurama seien doch frei empfangbar und darum auch nicht urheberrechtlich geschützt? Die Produzenten und Sender sehen dies etwas anders. Private Kopien eines nicht geschützten Mediums wären für Freunde und Bekannte zwar mehr oder weniger geduldet, der Tausch über Internetbörsen ist aber einfach kein privater Rahmen mehr. Zumindest sehen es die meisten Anwälte so, wie unsere Schwesterzeitschrift PC-Welt berichtete. Bei Verstößen gegen das Urheberrecht können dann bereits die Prozesskosten sehr hoch werden, was schnell zu Kosten im fünfstelligen Bereich führen kann. So gab es auch bereits die ersten deutschen Abmahnungen und Gerichtsprozesse von Musikkonzernen gegen die Verbreiter von MP3s ( Az: 21 0 8790/03).

Beliebt aber meist untersagt

Auch als Bürosurfer ist man gefährdet. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten sollte man für seine Interneterkundungen eigentlich nur seinen privaten Internetzugang nutzen. Anwender, die ihre Standleitung im Büro für Daten-Downloads missbrauchen riskieren schließlich auch bei völlig legalen Tauschbörsenbesuchen ihren Arbeitsplatz. Die Nutzung einer Firmen-Standleitung ist nämlich nur für berufliche Zwecke erlaubt. Laut einer Umfrage von Packeteer soll übrigens in einigen befragten Unternehmen 70 Prozent des Datenverkehrs durch Tauschbörsenprogramme verursacht worden sein. Da Packeteer ein entsprechendes Schutzprogramm für Firmen anbietet ist diese hohe Zahl natürlich mit Vorsicht zu betrachten.

Problematisch ist dieses Thema natürlich auch für ein Magazin wie die Macwelt. Trotz rechtlicher Gefahren sind Filesharingprogramme immer auf den Top-Listen der beliebtesten Programme an erster Stelle. So ist etwa das beliebteste Programm auf der Seite Download.com das Tool Kazaa, ein verbreitetes Tauschbörsenprogramm. Insgesamt haben es die Besucher der Seite 322 Millionen Mal herunter geladen, in dieser Woche waren es bereits 2,2 Millionen. Auch im Downloadbereich von Macwelt.de sind bisher noch eine Reihe Filesharing-Programme zu finden, wobei wir natürlich auf ihre problematische Nutzung hinweisen. Für ein Mac-Magazin wie die Macwelt, das sich allen Aspekten der Plattform widmen will, wäre es einfach nicht richtig, über eine derartige Programmgruppe nicht zu berichten. Für Nicht-Macianer mag dies seltsam klingen, aber für einen Mac-Fan sollte es schließlich auch schön zu wissen sein, was er mit seinem Mac alles machen könnte, auch wenn er es auch rechtlichen Gründen nicht tut. Die Programme selbst sind schließlich nicht illegal, es ist ihre illegale Nutzung mit der man sich rechtlichen Ärger einhandeln kann. So sind etwa die Programme legal, der Verweis auf spezielle Tauschbörsen oder ihre Nutzung aber nicht, weshalb sie etwa auch nicht im Macwelt Forum veröffentlicht werden dürfen. Von Verweisen auf illegale Software natürlich ganz zu schweigen.
Die Hersteller der P2P-Software Grokster und Kazaa sehen sich in den USA jedoch derzeit einem Revisionsverfahren ausgesetzt, nachdem sie im vergangenen April in erster Instanz einen Freispruch erreicht hatten.

Als durchschnittlicher Verbraucher reagiert man eher gleichgültig, wenn man von den anonymen Riesenkonzernen der Musikindustrie hört, sie würden vor dem Ruin stehen. Leicht machen diese es einem nicht, schließlich fragt sich selbst der gut betuchte Musikliebhaber, warum er seine Lieblingsalben, die er in seiner Jugend bereits als LP erworben hatte, später dann als CD neu gekauft hatte, nun auch als kopiergeschützte WMV-Datei oder DVD-Audio kaufen soll.
Nachdenklich wird man nur, wenn man vom Bekannten eines Freundes hört, der seinen Traumjob beim Plattenkonzern verloren hat: Talentscouts sind für scharf rechnende Manager offensichtlich nicht mehr finanzierbar.
Grundsätzlich geht es aber bei der ganzen Diskussion hier nicht um moralische Fragen und ob dieser oder jemand etwas verdient hat. Raubkopien sind illegal und Punkt.

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