873176

Gebote für UMTS-Lizenzen klettern weiter

11.08.2000 | 00:00 Uhr |

Wenn die Auktion der UMTS-Lizenzen so weitergeht, dürfte der Schuldenberg des Bundes bald auf einen kleinen Hügel zusammenschrumpfen.

Die Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland
reißt ein tiefes Loch in die Kasse der Mobilfunkkonzerne. Nach der
113. Versteigerungsrunde summierten sich die Höchstgebote am
Donnerstag auf fast 45 Milliarden DM. Der Poker um die begehrten
Lizenzen stieß damit allmählich in britische Dimensionen vor. Im
April hatte die spektakuläre UMTS-Auktion in Großbritannien
umgerechnet 75 Milliarden DM gebracht. Trotz der hohen Gebote
befanden sich bei der Versteigerung in Mainz alle Bieter weiterhin im
Rennen. Anzeichen für einen Rückzug gab es nicht.

Für eine große Lizenz (drei Frequenzblöcke) werden inzwischen mehr
als elf Milliarden DM geboten. Das wäre schon bald der Betrag, den
die Telekom-Tochter One2One in Großbritannien für eine (kleinere)
UMTS-Lizenz auf den Tisch blättern musste. An der Spitze des
Bieterfeldes in Mainz lag zuletzt die finnisch/spanische
Bietergemeinschaft G3 (Sonera, Telefonica) mit einem Gebot von elf
Milliarden DM (drei Frequenzpakete). Dieses Bild wandelt sich aber
von Runde zu Runde.

Mit dem bisherigen Stand der Versteigerung kann sich
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) bereits auf doppelt so hohe
Einnahmen freuen, wie er ursprünglich eingeplant hatte (20 Mrd DM).
Die Auktionserlöse sollen komplett in die Tilgung von Staatsschulden
fließen. Die sich hiraus ergebenden frei werdenden Mittel durch
Zinsersparnisse sollen unter anderem in Verkehrsvorhaben und in die
Bildung investiert werden.

Gegenwärtig erhöht sich die Summe der Höchstgebote von Runde zu
Runde um rund eine Milliarde DM. Bis zum Ende der zweiten
Auktionswoche an diesem Freitag könnten die Gebote auf 60 Milliarden
DM hoch schnellen.

Die rasanten Zuwächse erklären sich aus der dynamisch angelegten
Auktion: Da in jeder Runde die Höchstgebote um zehn Prozent
übertroffen werden müssen, nehmen die Summen automatisch
überproportional zu. Der Präsident der Regulierungsbehörde für
Telekommuniaktion und Post kann das so genannte Mindestinkrement
heruntersetzen, wodurch sich die Zuwächse wieder verlangsamen würden.
Hierzu hat er bislang aber noch keinen Anlass gesehen.

Bis auf die Telefongesellschaft debitel scheinen alle übrigen
sechs Bewerber noch für drei von insgesamt zwölf Frequenzblöcken zu
bieten. Drei Pakete sind die Höchstzahl, zwei müssen ersteigert
werden, um in den Besitz einer UMTS-Lizenz zu gelangen. Mindestens
ein Bewerber muss sich aus der Auktion zurückziehen, bevor in Mainz
der Hammer fällt. Beobachter rechnen in der kommenden Woche mit einer
Entscheidung.
dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
873176